Der große Vermögenstransfer: Auswirkungen auf die Gesellschaft

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Der bevorstehende Vermögenstransfer wird weitreichende Auswirkungen auf die Gesellschaft haben, besonders im Bereich der Altersvorsorge und des Immobilienmarktes. Erwartet werden Vermögensübertragungen in Billionenhöhe, die sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringen wer

Der große Vermögenstransfer: Auswirkungen auf die Gesellschaft
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Der Begriff „großer Vermögenstransfer" (englisch Great Wealth Transfer) beschreibt den historisch beispiellosen Übergang von Vermögen zwischen den Generationen: Die Babyboomer, geboren zwischen 1946 und 1964, geben in den kommenden Jahren einen erheblichen Teil ihres über Jahrzehnte aufgebauten Vermögens an ihre Kinder und Enkel weiter. Dieser Beitrag ordnet ein, wie groß der Transfer wirklich ist, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen zu erwarten sind und worauf Erben achten sollten. Stand: Juli 2026.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Steuer- oder Anlageberatung. Alle genannten Zahlen sind Schätzungen und beziehen sich auf unterschiedliche Studien und Zeiträume.

Wie groß ist der Vermögenstransfer wirklich?

Verlässliche Zahlen zum jährlichen Erbvolumen sind schwierig, weil die amtliche Erbschaft- und Schenkungsteuerstatistik nur steuerlich relevante Fälle erfasst und einen Großteil der Übertragungen gar nicht abbildet. Forschungsinstitute schätzen das Gesamtvolumen deshalb über Modellrechnungen – mit spürbaren Unterschieden.

Für Deutschland liefern zwei unabhängige Studien eine Größenordnung:

  • Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) schätzte in seiner Analyse „Erben in Deutschland 2015–24", dass in diesem Zehnjahreszeitraum rund 3,1 Billionen Euro vererbt werden – etwa 300 Milliarden Euro pro Jahr. Davon fließen rund 2,1 Billionen Euro an die nächste Generation; nahezu jede zweite Erbschaft enthält eine Immobilie im Gesamtwert von etwa 0,9 Billionen Euro.
  • Eine Studie des DIW Berlin im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung kam zu dem Ergebnis, dass zwischen 2012 und 2027 jährlich bis zu rund 400 Milliarden Euro verschenkt und vererbt werden – gut ein Viertel mehr als in früheren Schätzungen, weil Wertzuwächse und laufendes Sparen mit einbezogen wurden.

Die Zahlen unterscheiden sich, weil sie verschiedene Zeiträume, Annahmen und Definitionen (Erbschaften allein versus Erbschaften plus Schenkungen) verwenden. Beide zeigen aber dieselbe Größenordnung: einen dreistelligen Milliardenbetrag pro Jahr. Neuere Erhebungen wie die Deutsche-Bank-Studie „Erben und Vererben 2024" bestätigen den Trend zu weiter steigenden Übertragungssummen.

International fällt der Transfer noch dramatischer aus. Der US-Analysedienstleister Cerulli Associates rechnet damit, dass allein in den USA bis 2045 rund 84 Billionen US-Dollar übertragen werden – davon mehr als 53 Billionen US-Dollar (rund 63 Prozent) aus Haushalten der Babyboomer. Eine aktuellere Cerulli-Prognose beziffert das Volumen bis 2048 sogar auf bis zu 124 Billionen US-Dollar. Diese US-Zahlen lassen sich nicht auf Deutschland übertragen, verdeutlichen aber die globale Dimension des Phänomens.

Wer sich zunächst mit den Grundlagen der Geldanlage vertraut machen möchte, findet Einstiegswissen in unseren Erklärungen zu ETFs und zur Aktie.

Auswirkung 1: Vermögenskonzentration statt breiter Verteilung

Ein häufiges Missverständnis ist, dass der Vermögenstransfer den Wohlstand breit über die Gesellschaft verteilt. Die Daten deuten eher auf das Gegenteil hin. Laut DIA-Analyse entfällt rund ein Drittel des gesamten Erbvolumens in Deutschland auf lediglich die oberen zwei Prozent der Erbfälle. In den USA erwartet Cerulli, dass etwa 42 Prozent des Transfervolumens aus vermögenden und sehr vermögenden Haushalten stammen, die zusammen nur rund 1,5 Prozent aller Haushalte ausmachen.

Das bedeutet: Wer bereits aus einem wohlhabenden Elternhaus stammt, erbt tendenziell überproportional viel, während viele Familien wenig oder gar nichts vererben. Der Vermögenstransfer kann die bestehende Ungleichheit damit eher verstärken als abbauen – ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte oft zu kurz kommt.

Aspekt Positiver Einfluss Negativer Einfluss
Soziale Gerechtigkeit Möglichkeiten zur Umverteilung Zunehmende Ungleichheiten
Finanzbildung Erhöhte Kompetenz bei Erben Anfängliche Wissenslücken
Immobilienmarkt Wertsteigerung für Eigentümer Preissteigerungen für Suchende

Auswirkung 2: Der Immobilienmarkt

Ein großer Teil des vererbten Vermögens steckt in Immobilien. Nach Schätzungen des empirica-Instituts ist in rund der Hälfte aller Erbfälle eine Immobilie beteiligt. Erben stehen damit regelmäßig vor der Grundsatzfrage: selbst nutzen, vermieten oder verkaufen?

Die Antwort hängt stark von der individuellen Situation ab – Lage, Zustand, laufende Kosten, familiäre Nutzung und Steuerfolgen spielen alle eine Rolle. Verkaufen mehrere Erben gleichzeitig, kann das regional Angebot schaffen; halten viele ihre geerbten Objekte dagegen als Kapitalanlage, kann das den Preisdruck in gefragten Lagen verstärken. Eine pauschale Prognose „Preise steigen" oder „Preise fallen" ist seriös nicht möglich – zu viele Faktoren wie Zinsniveau, Bautätigkeit und Demografie wirken gleichzeitig.

Steuerlich relevant ist die Erbschaftsteuer bei Immobilien, die je nach Verwandtschaftsgrad, Freibeträgen und Nutzung sehr unterschiedlich ausfällt. Wer eine Immobilie erbt, sollte die steuerliche Behandlung früh prüfen.

Erbschaftssteuer bei Immobilien

Auswirkung 3: Konsum und Kapitalmärkte

Ein Teil der geerbten Mittel wird konsumiert – das kann kurzfristig Nachfrage in einzelnen Branchen stützen. Ein anderer Teil fließt in die Kapitalmärkte. Die DIA-Analyse zeigt, dass Erben ihr Vermögen bislang eher konservativ anlegen: Etwa die Hälfte landet in zinsorientierten, risikoarmen Anlageformen, während rund ein Drittel renditeorientierter, aber riskanter in Wertpapiere investiert wird.

Ob zusätzliche Nachfrage nach Aktien und ETFs die Kurse spürbar bewegt, ist offen: Gemessen an den globalen Kapitalmärkten sind selbst dreistellige Milliardenbeträge über viele Jahre verteilt kein plötzlicher Schock. Die häufig geäußerte Sorge einer „Blasenbildung durch Erbenkapital" ist daher mit Vorsicht zu genießen. Wichtiger ist, dass viele Erben zum ersten Mal größere Summen verwalten – oft ohne Vorerfahrung.

Aspekt Einfluss auf Finanzmärkte Sinnvolle Reaktion
Zusätzliche Nachfrage Tendenziell stützend, aber diffus Breite Diversifikation
Unerfahrene Anleger Höheres Fehlerrisiko im Einzelfall Zeit nehmen, ggf. Beratung
Marktdynamik Normale Volatilität Langfristiger Anlagehorizont

Für Erben: Anlegen statt verkonsumieren

Wer eine größere Summe erbt, trifft eine Entscheidung mit langfristiger Wirkung. Ein einmal verkonsumiertes Erbe ist weg; ein breit gestreut angelegtes Erbe kann über Jahrzehnte weiterarbeiten. Das heißt nicht, dass Konsum falsch ist – aber die bewusste Trennung zwischen „Ausgeben" und „Anlegen" lohnt sich. Einige Grundregeln:

  • Erst zur Ruhe kommen. Eine Erbschaft ist oft mit Trauer verbunden. Übereilte Entscheidungen unter emotionalem Druck führen häufig zu Fehlern. Parken lässt sich Geld übergangsweise etwa auf einem Tagesgeldkonto.
  • Diversifikation. Streue über Branchen und Regionen, statt alles auf einzelne Werte zu setzen. Breit gestreute ETFs sind dafür ein einfacher Baustein.
  • Auf Kosten achten. Gebühren schmälern die Rendite über die Jahre erheblich.
  • Langfristig denken. Kurzfristige Marktschwankungen sind normal und kein Grund für hektische Umschichtungen.

Für den Einstieg helfen ein Broker-Vergleich und ein Überblick über gängige ETF-Strategien. Wer Vermögen zu Lebzeiten weitergeben möchte – etwa um Freibeträge zu nutzen – findet praktische Hinweise im Ratgeber zum Thema Aktien verschenken. Und weil zum Nachlass nicht nur Vermögen, sondern auch Verbindlichkeiten gehören können, lohnt vorab ein Blick darauf, wie sich Erbe und Schulden zueinander verhalten.

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Steuer: Was Erben wissen sollten

Die Erbschaft- und Schenkungsteuer richtet sich in Deutschland nach dem Verwandtschaftsgrad und den daran geknüpften Freibeträgen. Ehepartner, Kinder und weitere Angehörige haben unterschiedlich hohe Freibeträge; erst der darüber hinausgehende Betrag wird besteuert. Für selbst genutztes Wohneigentum und für Betriebsvermögen gelten unter bestimmten Voraussetzungen Sonderregelungen.

Weil die konkrete Steuerlast stark vom Einzelfall abhängt und sich Freibeträge sowie Bewertungsregeln ändern können, ersetzt dieser Artikel keine individuelle Beratung. Bei größeren oder komplexen Nachlässen – etwa mit Immobilien oder Unternehmensanteilen – ist die frühzeitige Einbindung einer Steuerberaterin oder eines Fachanwalts sinnvoll. Details zur Immobilienbesteuerung findest du im verlinkten Ratgeber weiter oben.

Demografischer Treiber: die Babyboomer

Motor des Transfers ist die Generation der Babyboomer. Sie hat über Jahrzehnte Vermögen in Immobilien, Aktien, Anleihen und Sparguthaben aufgebaut und erreicht nun in großer Zahl das hohe Alter. Damit setzt sich der Übergang an die jüngeren Generationen in Bewegung.

Für die Erben – vor allem aus den Generationen X und Millennials – bedeutet das potenziell höhere Vermögen, aber auch mehr Verantwortung. Erfahrungen der Eltern können helfen, ersetzen aber keine eigene Auseinandersetzung mit Geldanlage und Steuern.

Die Generationen im Überblick (Stand 2026)

Zur Einordnung die gängige Generationeneinteilung mit dem ungefähren Alter im Jahr 2026:

  • Generation Alpha – bis 12 Jahre (geboren ab 2013): wächst vollständig digital auf.
  • Generation Z – etwa 14 bis 29 Jahre (geboren 1997–2012): erste Generation, die von Geburt an mit dem Internet aufgewachsen ist.
  • Millennials (Generation Y) – etwa 30 bis 45 Jahre (geboren 1981–1996): erlebten den Übergang ins digitale Zeitalter, stark von der Finanzkrise 2008 geprägt.
  • Generation X – etwa 46 bis 61 Jahre (geboren 1965–1980): oft als „Sandwich-Generation" zwischen Babyboomern und Millennials beschrieben.
  • Babyboomer – etwa 62 bis 80 Jahre (geboren 1946–1964): große, einflussreiche Nachkriegsgeneration und zentraler Vermögensträger.
  • Stille Generation – ab 81 Jahren (geboren bis 1945): aufgewachsen in Zeiten von Krieg und wirtschaftlicher Not.

Digitale Transformation der Vermögensverwaltung

Die Digitalisierung verändert, wie Vermögen verwaltet und angelegt wird. Online-Banking, Neobroker und digitale Anlagelösungen machen den Zugang zu Finanzprodukten einfacher als je zuvor. Besonders sichtbar ist der Trend zu automatisierten Anlagestrategien: Robo-Advisor steuern Portfolios per Algorithmus und können unerfahrenen Anlegern helfen, breit gestreut zu investieren.

Auch klassische Banken bieten inzwischen App-basierte Dienste an, um jüngere Erben anzusprechen. Der leichtere Zugang bringt jedoch mehr Eigenverantwortung mit sich: Wer selbst entscheidet, muss auch selbst die Risiken verstehen – von schwankungsreichen Aktien bis zu spekulativen Kryptowährungen. Bequemer Zugang ersetzt kein Grundwissen.

Familienunternehmen im Wandel

Ein oft übersehener Aspekt betrifft Familienunternehmen. Viele Betriebe stehen vor einem Generationenwechsel, der wirtschaftlich wie emotional herausfordernd ist. Studien zeigen seit Jahren, dass nur ein Teil der Familienunternehmen den Übergang an die nächste Generation erfolgreich meistert – klare Regelungen und eine frühzeitige Einbindung der Nachfolger sind entscheidend.

Während ältere Generationen oft vorsichtiger agieren, bringen Nachfolger häufig frische Ideen und moderne Technologien ein. Das kann für einen Innovationsschub sorgen, birgt aber auch Konfliktpotenzial.

Aspekt Chancen Risiken
Nachfolgeplanung Stabilität und Kontinuität Konflikte innerhalb der Familie
Modernisierung Wettbewerbsfähigkeit Verlust bewährter Strukturen

Fazit: Zukunft der Vermögensverteilung

Der große Vermögenstransfer ist real und historisch beispiellos – in Deutschland ein dreistelliger Milliardenbetrag pro Jahr, weltweit Billionensummen. Seine Wirkung ist jedoch ambivalent: Er verschiebt Vermögen nicht gleichmäßig, sondern konzentriert es tendenziell dort, wo bereits Wohlstand vorhanden ist. Für die Gesellschaft stellen sich damit Fragen nach Verteilung, Finanzbildung und bezahlbarem Wohnraum.

Für den Einzelnen zählt vor allem die eigene Entscheidung: Wer erbt, sollte sich Zeit nehmen, breit und kostenbewusst anlegen statt vorschnell zu verkonsumieren und die steuerlichen Folgen früh klären. So kann aus einem einmaligen Erbe ein langfristiger Vermögensbaustein werden.


Transparenzhinweis: Dieser Artikel enthält Verweise auf weitere Ratgeber von etf.capital. Er dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Angaben ohne Gewähr, Stand: Juli 2026.

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