Was ist der Deadlift ETF?
ETFwissenMark ZuckerbergnvidiaMetafacebookJeff BezosAmazon
Der Deadlift ETF ist eine hypothetische Idee von Pieter Levels, die in der Finanzwelt für Diskussionen sorgt. Dieses Konzept verknüpft die körperliche Fitness von CEOs mit unternehmerischem Erfolg, indem es CEOs auswählt, die intensiv Krafttraining oder Kampfsport betreiben.
Stand: Juli 2026. Alle Kurs- und Produktangaben ohne Gewähr. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.
Einführung: Was ist der Deadlift ETF?
Der Deadlift ETF ist kein echter, an der Börse handelbarer Fonds. Es handelt sich um ein augenzwinkerndes Gedankenexperiment, das der niederländische Entwickler und Unternehmer Pieter Levels (auf X bekannt als @levelsio) im August 2024 vorstellte. Levels stellte eine selbst zusammengestellte Liste US-amerikanischer Unternehmen zusammen, deren Vorstandschefs regelmäßig Gewichte stemmen oder Kampfsport betreiben, und verglich deren Kursentwicklung mit dem breiten Markt. Anleger, die nach innovativen Ansätzen suchen, greifen den Begriff seither immer wieder auf.
Wichtig vorab: Einen UCITS-Fonds mit Namen „Deadlift ETF" gibt es nicht. Es existiert keine ISIN, kein KID (Basisinformationsblatt) und kein Emittent. Du kannst dieses Produkt bei keinem Broker kaufen. Der Begriff „ETF" ist hier bewusst überspitzt gewählt. Rund um die Idee entstand später ein informeller „Deadlift Index" (u. a. von Datenanbieter Truflation aufgegriffen), aber auch dieser ist kein regulierter, handelbarer Fonds.
Levels’ ursprünglicher Beitrag umfasste rund acht große US-Konzerne mit je etwa gleicher Gewichtung. Seine Behauptung: Diese Auswahl habe den S&P 500 über vier Jahre um etwa 140 % (rund das 2,4-Fache) übertroffen. Prominente Namen, die dabei fallen, sind Mark Zuckerberg von Meta und Jeff Bezos von Amazon. Diese Zahl stammt aus einem einzelnen, nicht überprüfbaren Social-Media-Backtest und ist ausdrücklich mit Vorsicht zu genießen.
Ehrliche Einordnung: Warum diese 140 % kaum belastbar sind
Die genannte Outperformance klingt spektakulär, hält einer nüchternen Prüfung aber nicht stand. Ein selbst gewählter Rückblick über wenige Jahre mit einer Handvoll Titel ist statistisch wertlos, sobald man ihn ernst nimmt. Mehrere Effekte verzerren das Bild:
- Selektionseffekt: Wer im Nachhinein Gewinner-Aktien auswählt und ein gemeinsames Merkmal (hier: Krafttraining) hervorhebt, findet fast immer eine „Überrendite". Das ist klassisches Cherry-Picking.
- Klumpenrisiko: Die Liste bestand überwiegend aus großen US-Technologiewerten. Deren starke Jahre 2020–2024 erklären die Rendite weit besser als die Trainingsgewohnheiten der Vorstände.
- Scheinkorrelation: Dass zwei Dinge gleichzeitig auftreten (fitter CEO, steigender Kurs), belegt keinen ursächlichen Zusammenhang. Für die These „Gewichte heben = mehr Rendite" gibt es keine seriöse wissenschaftliche Grundlage.
- Keine Kosten, keine Regeln: Ein echter ETF hätte Handelskosten, Steuern, klare Aufnahme- und Rebalancing-Regeln sowie ein reproduzierbares Regelwerk. All das fehlt hier.
Kurz gesagt: Der Deadlift ETF ist unterhaltsam und ein guter Anlass, über Anlagepsychologie nachzudenken, aber keine tragfähige Anlagestrategie.
Die Idee dahinter: Fitness, Disziplin und Führung
Der Reiz des Konzepts liegt in einer psychologischen Erzählung: Erfolgreiche CEOs seien häufig auch körperlich diszipliniert. Eigenschaften wie Ausdauer, Fokus und Stressresistenz, die man im Training schult, ließen sich vermeintlich auf die Unternehmensführung übertragen. Neben Zuckerberg und Bezos wird oft Jensen Huang von NVIDIA genannt.
Diese Erzählung ist sympathisch, aber sie erklärt bestenfalls einen winzigen Randaspekt. Der Erfolg eines Unternehmens hängt von Marktumfeld, Produkten, Wettbewerbsposition, Kapitalallokation und vielen weiteren Faktoren ab. Die private Trainingsroutine eines Vorstands ist dafür kein messbarer Treiber, und belastbare, öffentlich verfügbare Daten dazu existieren ohnehin nicht.
Was du stattdessen tun kannst: breit gestreut in den Markt investieren
Wenn dich die im Deadlift-Konzept genannten US-Konzerne (Meta, Amazon, NVIDIA und Co.) reizen, brauchst du kein Spaßprodukt. Diese Unternehmen sind ohnehin Schwergewichte im S&P 500. Ein breiter, kostengünstiger Index-ETF bildet sie automatisch mit ab, ohne Wetten auf einzelne Personen. Das reduziert Einzelaktienrisiko und Kosten erheblich.
Ein Beispiel für einen sehr günstigen, breit gestreuten S&P-500-ETF ist der Xtrackers S&P 500 UCITS ETF 4C (ISIN IE000Z9SJA06). Er bildet den S&P 500 physisch vollständig ab, ist thesaurierend, UCITS-reguliert und damit für Privatanleger in Deutschland handelbar. Die laufenden Kosten (TER) liegen bei nur 0,03 % pro Jahr; das Fondsvolumen bewegt sich im Milliardenbereich (Stand: Juli 2026, Quelle: justETF / Emittent).
Wichtig als Einordnung: Ein reiner S&P-500-ETF ist auf US-Aktien konzentriert und stark von wenigen großen Techwerten geprägt. Wer maximale Streuung möchte, kombiniert ihn mit einem weltweiten Index (z. B. MSCI World oder FTSE All-World) oder nutzt gleich einen breiten Welt-ETF als Basis. Kurschwankungen bis zu zeitweisen Verlusten von 30–50 % sind bei Aktien-ETFs normal; ein Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren ist sinnvoll.
Depot und Kosten: Wo günstige ETFs Sinn ergeben
Damit von der Rendite möglichst viel bei dir ankommt, zählen niedrige Fondskosten und ein günstiges Depot. Viele Neobroker bieten breite ETFs sparplanfähig und ohne Ausführungsgebühr an. Einen aktuellen Überblick über Konditionen, Sparpläne und die seit dem 1. Juli 2026 vollständig wirksame EU-Regulierung (PFOF-Verbot) findest du in unserem Vergleich.
Wer klein anfangen und per Sparplan einsteigen will, kann das etwa bei einem gebührenarmen Neobroker wie Trade Republic tun. Vergleiche vorher aber immer die aktuellen Konditionen für deinen Anwendungsfall.


Kritische Betrachtung und Grenzen der Theorie
Fassen wir die Schwächen der Deadlift-Idee zusammen. Erstens fehlt jede wissenschaftliche Fundierung für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Fitness eines Vorstands und der Kursentwicklung seines Unternehmens. Zweitens sind die zugrunde liegenden „Daten" (private Trainingsgewohnheiten) weder standardisiert noch verlässlich erhebbar. Drittens verleitet der Fokus auf ein plakatives, nicht-finanzielles Merkmal dazu, bewährte Kennzahlen wie Bewertung, Verschuldung, Wettbewerbsposition und Cashflow zu ignorieren.
Für ernsthafte Investitionsentscheidungen bleiben klassische Prinzipien maßgeblich: breite Streuung, niedrige Kosten, langer Atem und ein Portfolio, das zu deiner Risikotragfähigkeit passt. Mehr Grundlagen dazu findest du in unserem Leitfaden für ETF-Investitionen und in der Übersicht zu alternativen Investments.
Fazit: Ein amüsantes Gedankenexperiment, kein Anlageprodukt
Der Deadlift ETF ist ein originelles, viral gegangenes Gedankenspiel von Pieter Levels und eine gute Erinnerung daran, wie leicht uns eingängige Geschichten und rückblickend ausgewählte „Gewinner" täuschen können. Als Konzept regt er an, über Disziplin und Führung nachzudenken. Als Geldanlage taugt er nicht: Es gibt kein handelbares Produkt, keine ISIN und keine belastbaren Belege für die behauptete Überrendite.
Wer die genannten Unternehmen im Depot haben möchte, erreicht das seriös und günstig über einen breiten Index-ETF, idealerweise ergänzt um weltweite Streuung. So profitierst du von soliden Grundlagen statt von einer unterhaltsamen, aber unbelegten These.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält einen Affiliate-Link (mit „/og/" gekennzeichnet). Kaufst du über diesen Link ein Produkt, erhalten wir ggf. eine Provision. Für dich entstehen keine Mehrkosten. Genannte Produkte sind Beispiele und keine Kaufempfehlung. Stand: Juli 2026.
Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.
Mehr zum Thema:
ETFwissenMark ZuckerbergnvidiaMetafacebookJeff BezosAmazon

