Siemens Global Growth Fonds & bAV: Analyse & Lohnt es sich?

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Der Siemens Global Growth Fonds, ein Veteran am Markt, bietet als bAV-Option starke Wachstumschancen durch US-Tech-Investitionen. Doch hohe Kosten und die nachgelagerte Besteuerung verlangen eine präzise Rentabilitätsprüfung.

Siemens Global Growth Fonds & bAV: Analyse & Lohnt es sich?

Ein Veteran mit klarem Wachstumsfokus

Der Siemens Global Growth Fonds ist kein Neuling am Markt. Aufgelegt am 15. September 2000, hat dieses Vehikel bereits die Dotcom-Blase, die Finanzkrise und diverse Marktverwerfungen miterlebt. Das allein ist noch kein Qualitaetsmerkmal, spricht aber fuer eine gewisse Bestaendigkeit in der Fondsverwaltung. Das Ziel des Fonds ist einfach formuliert: langfristiges Kapitalwachstum durch Investitionen in globale Wachstumsunternehmen. Der Fachbegriff hierfuer lautet Growth-Strategie (Stand der Fondsdaten: Juli 2026).

Fuer dich als Privatanleger ist in der Regel die Anteilsklasse A relevant. Um die Dinge direkt beim Namen zu nennen: die ISIN lautet DE0009772657 (WKN 977265), der Fonds ist thesaurierend. Wenn du die Performancehistorie aufrufst, wirst du feststellen, dass das Management nicht stur einen einzelnen Index nachbaut. Der Vergleichsmassstab, an dem sich der Fonds messen lassen muss, setzt sich zu je einem Drittel aus TecDAX, NASDAQ-100 und dem MSCI Japan Growth zusammen. Diese Kombination gibt bereits einen tiefen Einblick in die DNA des Portfolios.

In Zeiten, in denen ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) fuer institutionelle Anleger zur Pflicht werden, ordnet der Anbieter den Fonds nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) ein. Das bedeutet, er soll oekologische und soziale Merkmale beruecksichtigen, ist aber kein reiner, kompromissloser Oeko-Fonds. Fuer die betriebliche Altersvorsorge deines Arbeitgebers kann diese Klassifizierung eine Voraussetzung sein, um interne Compliance-Richtlinien zu erfuellen. Pruefe die aktuelle Einstufung im Verkaufsprospekt, da sich SFDR-Kategorien aendern koennen.

Blick in den Maschinenraum: USA und Technologie dominieren

Wer "Global Growth" liest, erwartet vielleicht eine gleichmaessige Verteilung ueber alle Kontinente. Die Realitaet in diesem Portfolio sieht anders aus. Mit einem Anteil von rund 73 Prozent sind die Vereinigten Staaten das absolute Schwergewicht. Europa und Japan spielen nur Nebenrollen. Diese Dominanz der USA ist ein Spiegelbild der globalen Technologielandschaft, in der amerikanische Konzerne den Ton angeben.

Auf Sektorebene setzt sich diese Konzentration fort. Ein grosser Teil des Fondsvermoegens steckt in Technologiewerten, allein der Halbleiterbereich macht laut Fondsdaten den groessten Einzelblock aus. Das Fondsmanagement betreibt gezieltes Stock-Picking. Anstatt den breiten Markt abzubilden, werden Einzelwerte ausgewaehlt, denen eine ueberdurchschnittliche Wachstumsstory zugetraut wird. Das ist das klassische Handwerkszeug aktiver Manager. Das Fondsvolumen liegt in einer Groessenordnung von rund 200 Millionen Euro (je nach Stichtag zwischen etwa 200 und 224 Millionen Euro).

Diese starke Ausrichtung hat Konsequenzen fuer dein Risiko. Der Fonds ist ein dynamischer Baustein, der stark von den Zyklen der Tech-Branche abhaengt. Wenn Zinsen steigen und Wachstumswerte unter Druck geraten, spuerst du das in diesem Portfolio unmittelbar. Gleichzeitig profitierst du von Innovationsschueben in Bereichen wie kuenstlicher Intelligenz oder Cloud-Computing direkter als mit einem weltweiten Standard-Index. Ein breiter MSCI World hat allerdings inzwischen selbst einen hohen US- und Tech-Anteil, der Unterschied ist also eher graduell als fundamental.

Rendite und Kosten im Haertetest

Die Zahlen der juengeren Vergangenheit lesen sich beeindruckend. Auf Sicht von einem Jahr lieferte der Fonds je nach Stichtag eine Wertentwicklung von rund 27 bis 28 Prozent (Stand Mitte 2026). Ueber drei Jahre lag die annualisierte Rendite bei etwa 17 Prozent, ueber fuenf Jahre bei knapp 9 Prozent pro Jahr. Solche Zahlen zeigen, dass die Wette auf Technologiewerte zuletzt aufgegangen ist. Doch Renditen der Vergangenheit sind, wie immer am Kapitalmarkt, keine Garantie fuer die Zukunft, und der Fonds hat in dieser Phase seine Benchmark nicht durchgehend geschlagen.

Entscheidend fuer den langfristigen Vermoegensaufbau, insbesondere bei der jahrzehntelangen Laufzeit einer Altersvorsorge, sind die Gebuehren. Hier zeigt der Siemens Global Growth sein zweites Gesicht. Die laufenden Kosten (TER) fuer die Anteilsklasse A liegen bei etwa 1,51 Prozent pro Jahr, inklusive Transaktionskosten kommt das PRIIP-Basisinformationsblatt auf rund 1,6 Prozent. Im Vergleich zu passiven ETFs, die oft nur 0,10 bis 0,30 Prozent kosten, ist das ein massiver Aufschlag.

Ueber Jahrzehnte kostet dieser Gebuehrenunterschied echtes Geld: Rund ein Prozentpunkt weniger Rendite pro Jahr kann bei langem Anlagehorizont einen fuenfstelligen Betrag an Endvermoegen ausmachen. Das aktive Stock-Picking muss diesen Kostennachteil erst einmal dauerhaft wieder einspielen, um eine echte Outperformance nach Kosten zu erzielen. Wer den kostenguenstigen Weg bevorzugt, kann einen breit gestreuten ETF-Sparplan aufsetzen, etwa ueber einen Broker wie Scalable Capital, und die Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen. Beide Wege haben Vor- und Nachteile, die wir im Steuerteil einordnen.

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Die Mechanik der betrieblichen Altersvorsorge

Ein Technologiefonds mit hoher Volatilitaet und eine betriebliche Altersvorsorge scheinen auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein. Der Gesetzgeber und die Aufsichtsbehoerde BaFin legen grossen Wert auf den Schutz der Anspargelder. Traditionell stand bei der bAV der Kapitalerhalt im Vordergrund. Doch das Zinsumfeld der letzten Jahre hat ein Umdenken erzwungen. Wie eine bAV grundsaetzlich funktioniert und wo ihre Schwaechen liegen, haben wir in unserem Ratgeber zu den Vor- und Nachteilen der betrieblichen Altersvorsorge ausfuehrlich erklaert.

Ob der Siemens Global Growth Fonds fuer dich Sinn macht, haengt stark vom Durchfuehrungsweg ab, den dein Arbeitgeber anbietet. Es gibt hier fundamentale Unterschiede:

  • Direktversicherung: Hier fliessen die Beitraege oft in klassische Versicherungsmaentel. Die Aktienquote ist meist reglementiert, um Beitragsgarantien zu gewaehrleisten. Ein purer Growth-Fonds ist hier selten das alleinige Vehikel, sondern allenfalls Beimischung in hybriden Modellen.
  • Pensionsfonds: Dieser Durchfuehrungsweg bietet deutlich mehr Beinfreiheit. Pensionsfonds unterliegen zwar ebenfalls der BaFin-Aufsicht, duerfen aber einen wesentlich hoeheren Anteil der Kundengelder in Aktien investieren. Hier kann ein offensiver Fonds seine Staerken ausspielen.
  • Unterstuetzungskasse: In diesem Modell wird das Geld oft im Traegerunternehmen selbst oder in rueckgedeckten Versicherungen angelegt. Die direkte Fondsauswahl durch den Arbeitnehmer ist hier meist eingeschraenkt.

Wenn dein Arbeitgeber dir die Wahl laesst, den Siemens Global Growth innerhalb eines Pensionsfonds zu besparen, bekommst du die Chance, die Wachstumsmotoren der US-Wirtschaft fuer deine Rente arbeiten zu lassen. Die Kehrseite bleibt jedoch das Risiko zwischenzeitlicher Kursrueckgaenge, die du psychologisch aushalten musst. Beachte ausserdem: In der bAV kommen zu den Fondskosten die Kosten des Versicherungs- oder Pensionsfondsmantels hinzu, die die Gesamtbelastung spuerbar erhoehen koennen.

Steuervorteile versus nachgelagerte Besteuerung

Die Faszination der bAV liegt nicht nur in der Anlageklasse, sondern in der Steuerlogik. Das Prinzip der Brutto-Entgeltumwandlung sorgt dafuer, dass du Beitraege in den Fonds einzahlst, bevor der Staat zugreift. Du sparst dir in der Ansparphase die Lohnsteuer und, bis zu bestimmten Beitragsbemessungsgrenzen, auch die Sozialabgaben. Dein Nettoaufwand ist also geringer als der Betrag, der tatsaechlich im Fonds landet.

Wenn der Fonds seine Wertentwicklung fortsetzen kann, arbeitet der Zinseszins auf dieses hoehere Bruttokapital. Das ist der mathematische Hebel, der die bAV attraktiv machen kann.

Die Rechnung hat jedoch einen zweiten Teil, der gerne uebersehen wird: die nachgelagerte Besteuerung. Wenn du in den Ruhestand gehst und dir das angesparte Kapital auszahlen laesst, greift der Fiskus zu. Die Leistungen muessen mit deinem persoenlichen Einkommensteuersatz im Alter versteuert werden. Hinzu kommen bei gesetzlich Versicherten in vielen Faellen die vollen Beitraege zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Wichtig ist auch: bAV-Kapital aus Entgeltumwandlung wird in der Auszahlungsphase in der Regel verrentet oder unterliegt Auszahlungsregeln des Vertrags, du kommst also nicht so frei an das Geld wie bei einem eigenen ETF-Depot.

Ein offensiver Technologiefonds muss in der Ansparphase stark genug wachsen, um diesen steuerlichen Bumerang in der Rentenphase mehr als auszugleichen. Bei mageren Renditen frisst die nachgelagerte Besteuerung zusammen mit den vollen Sozialabgaben den anfaenglichen Steuervorteil schnell auf. Bei hoher Performance und einem niedrigen persoenlichen Steuersatz im Alter kann die Gleichung fuer den Arbeitnehmer dagegen aufgehen. Ob sich die bAV lohnt, ist deshalb eine individuelle Rechnung, keine pauschale Wahrheit. Eine steuerlich schlankere Alternative kann der Aufbau der Rentenvorsorge mit ETFs im eigenen Depot sein, hier greift die 30-prozentige Teilfreistellung fuer Aktien-ETFs und du bleibst flexibel.

Marktschwankungen im Fokus

Wer einen grossen Teil seines Altersvorsorge-Kapitals in Tech-Werte steckt, braucht eine klare Strategie fuer den Umgang mit Kursverlusten. Volatilitaet ist der Preis, den man fuer eine hoehere Renditeerwartung zahlt. Im Rahmen einer monatlichen Besparung ueber das Gehalt wirkt jedoch der Cost-Average-Effekt. Wenn die Maerkte fallen und die Anteilspreise sinken, kaufst du fuer den gleichen monatlichen Sparbetrag automatisch mehr Anteile. Zieht der Markt spaeter wieder an, profitiert dein Depot von diesen guenstig erworbenen Stuecken.

Gerade fuer Arbeitnehmer in den 30ern oder fruehen 40ern ist ein langer Anlagehorizont der beste Schutz gegen kurzfristige Marktschwankungen. Wer noch 25 Jahre bis zur Rente hat, kann Krisen im Technologiesektor eher aussitzen. Schwieriger wird die Konstruktion, wenn der Renteneintritt naeher rueckt. Ein massiver Einbruch an der NASDAQ kurz vor der Pensionierung kann die kalkulierte Rente empfindlich schmaelern, sofern das Modell keine automatische Umschichtung in sichere Anlageklassen vor dem Rentenbeginn vorsieht.

Pruefe daher immer die Basisinformationsblaetter (PRIIP-KID) und den genauen Verkaufsprospekt deines bAV-Anbieters. Es reicht nicht, die Fondsrendite zu kennen. Du musst wissen, welche Sicherheitsmechanismen greifen, wenn der Markt dreht, und wie hoch die effektive Kostenbelastung inklusive aller Verwaltungskosten des Pensionsfonds oder Versicherers ist.

Fazit

Der Siemens Global Growth Fonds bietet in der betrieblichen Altersvorsorge Wachstumschancen, ist aber stark auf US-Aktien und Technologie konzentriert und mit rund 1,51 Prozent laufenden Kosten deutlich teurer als ein passiver ETF. Ob er sich lohnt, haengt vom Durchfuehrungsweg, den Zusatzkosten des bAV-Mantels und deiner persoenlichen Steuersituation im Alter ab. Rechne die staatliche Foerderung in der Ansparphase gegen nachgelagerte Besteuerung, Sozialabgaben und Kosten gegen und vergleiche das Ergebnis mit einem selbst bespaarten ETF-Depot.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Fondsdaten (ISIN, Kosten, Wertentwicklung) Stand Juli 2026, Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlaesslicher Indikator fuer die Zukunft. Der Link zu Scalable Capital ist ein Affiliate-Link (mit "sponsored" gekennzeichnet): Kauft jemand darueber, koennen wir eine Provision erhalten, fuer dich entstehen keine Mehrkosten. Das beeinflusst unsere Bewertung nicht.

Quellen

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