Anleihen vs. Aktien: Kippt das Chance/Risiko-Verhältnis zugunsten der Bonds?

Zuletzt aktualisiert am

Seit Anfang 2024 drehen sich die Diskussionen um Aktien und Anleihen schneller: sinkende Aktienrenditen, steigende Bond‑Erträge und geopolitische Risiken kippen das klassische Risiko‑Chance‑Verhältnis. Kommunale Anleihen‑ETFs bieten Sicherheit.

Anleihen vs. Aktien: Kippt das Chance/Risiko-Verhältnis zugunsten der Bonds?

Warum das Risiko‑Chance‑Verhältnis gerade kippt

Wir schreiben das Jahr 2026, und die Finanzwelt hat sich spürbar verändert. Hast du das Gefühl, dass Anleihen plötzlich nicht mehr nur „langweiliges Beiwerk“, sondern echte Renditebringer sind? Damit liegst du goldrichtig. Während wir in den Jahren 2024 und 2025 noch mit hoher Volatilität und unsicheren Zinspfaden kämpften, hat sich der Nebel nun gelichtet. Die Zentralbanken haben ihre Hausaufgaben gemacht, die Inflation scheint gezähmt, und wir befinden uns in einer Phase der „neuen Normalität“. Das Ergebnis: Das klassische Dogma „Aktien für Rendite, Anleihen für Sicherheit“ gilt nicht mehr uneingeschränkt. Bonds sind zurück auf der Bühne – und zwar als ernstzunehmende Konkurrenz für Aktien.

Die Diskussionen um die Asset-Allokation drehen sich heute, im Februar 2026, nicht mehr um die Frage, ob man Anleihen braucht, sondern wie hoch ihr Anteil sein sollte. Makroökonomische Daten aus den USA und der Eurozone zeigen eine Stabilisierung, die Anleihegläubigern in die Hände spielt. Während Aktienmärkte mit ambitionierten Bewertungen kämpfen und die Gewinnprognosen für den S&P 500 und den DAX moderater ausfallen, bieten festverzinsliche Wertpapiere wieder das, was Anleger jahrelang vermisst haben: planbare, attraktive Erträge deutlich oberhalb der Inflationsrate. Für sicherheitsorientierte Anleger, die in den letzten Jahren oft in den sauren Apfel negativer Realrenditen beißen mussten, bieten Segmente wie kommunale Anleihen‑ETFs oder solide Staatsanleihen nun wieder eine echte Alternative zum reinen Aktienrisiko.

Rendite‑Prognosen im Überblick: Die neuen Zahlen für 2026

Um die aktuelle Situation zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die harten Zahlen. Die großen Vermögensverwalter wie Vanguard und BlackRock haben ihre Kapitalmarktannahmen für die nächste Dekade angepasst – und die Botschaft ist eindeutig. Die Zeiten, in denen man blindlings alles auf Aktien setzen musste, um reale Gewinne zu erzielen, sind vorbei.

Für globale Anleihen und insbesondere US-Staats- und Unternehmensanleihen liegen die Renditeerwartungen für die kommenden zehn Jahre nun stabil im Bereich von 4,0 % bis 5,0 %. Das ist ein Niveau, das wir seit vor der Finanzkrise 2008 kaum noch gesehen haben. Im Kontrast dazu wurden die Prognosen für US-Aktien gedämpft: Hier rechnen Experten nur noch mit annualisierten Erträgen zwischen 2,8 % und 4,8 %. Der Grund liegt in den hohen Bewertungen, die sich über die KI-Hausse der letzten Jahre aufgebaut haben und nun langsam abgebaut werden müssen.

In Europa zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, jedoch mit einer interessanten Nuance: Die Renditeabstände haben sich verringert, was europäische Anleihen relativ gesehen attraktiver macht. Während der Euro-Stoxx-50 zwar solide Dividenden liefert, bietet der Anleihemarkt nun Kursgewinne plus Kupon. Das Verhältnis von Risiko zu Ertrag hat sich massiv verschoben. Wer heute sein Portfolio baut, muss nicht mehr das volle Aktienrisiko tragen, um die Kaufkraft seines Vermögens zu erhalten. Das verdeutlicht, dass die Rendite‑Unterschiede zwischen beiden Klassen so gering sind wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Die Realität der Zinsen 2026: Ein Turbo für Anleihen

Lass uns konkret auf die aktuellen Marktdaten schauen, die im Februar 2026 die Bildschirme der Händler dominieren. Die Zinslandschaft hat sich beruhigt, aber auf einem Niveau eingependelt, das für Sparer und Investoren gleichermaßen erfreulich ist.

  • US-Treasuries (10 Jahre): Die Rendite für die wichtigste Benchmark der Welt liegt aktuell bei rund 3,3 %. Das spiegelt die Erwartung wider, dass die Fed den Leitzins auf einem neutralen Niveau hält, ohne die Wirtschaft abzuwürgen.
  • Deutsche Bundesanleihen (10 Jahre): Hier sehen wir Renditen um die 2,9 %. Dieser Wert ist bemerkenswert. Er liegt nur knapp unter den US-Renditen, was bedeutet, dass der Zinsvorteil der USA (der sogenannte „Carry“) deutlich geschrumpft ist.

Warum sind diese Zahlen so wichtig? Weil sie in Relation zur Inflation gesetzt werden müssen. Mit einer Inflationsrate, die sich in der Eurozone bei etwa 1,7 % und in den USA bei rund 2,4 % eingependelt hat, bieten beide Staatsanleihen nun positive Realrenditen. Besonders deutsche Bundesanleihen stechen hervor: Mit 2,9 % Nominalzins und nur 1,7 % Inflation erzielen Euro-Anleger eine reale Rendite von ca. 1,2 % – ohne Währungsrisiko. Das ist ein Argument, das viele institutionelle Investoren zurück in Staatsanleihen mit hoher Bonität treibt.

Bei fallenden oder stabilen Zinsen profitieren zudem die Kurse bestehender Anleihen. Wer sich jetzt diese Renditen sichert, loggt nicht nur den Zinsstrom für ein Jahrzehnt ein, sondern hat zusätzlich die Chance auf Kursgewinne, sollte die Konjunktur doch schwächeln und die Zentralbanken die Zinsen weiter senken müssen. Die aktuelle Zinskurve ist nicht mehr so stark invertiert wie in den Vorjahren, was das Investieren am „langen Ende“ (also bei langen Laufzeiten) wieder rationaler macht.

Volatilität im Fokus: Warum Ruhe jetzt Rendite bringt

Ein Blick auf die Schwankungsbreite (Volatilität) der Märkte in den ersten Wochen des Jahres 2026 zeigt, warum viele Anleger umschichten. Aktien reagieren nach wie vor extrem sensibel auf geopolitische Schocks, Nachrichten aus dem Tech-Sektor oder kleinste Abweichungen bei den Quartalszahlen. Die tägliche Volatilität im DAX und S&P 500 bleibt historisch gesehen erhöht, getrieben durch algorithmischen Handel und die Unsicherheit über die zukünftige Gewinnmargen im KI-Sektor.

Im Gegensatz dazu wirken Anleihen, insbesondere Staatsanleihen mit Top-Rating (AAA), wie ein Fels in der Brandung. Ihre Schwankungen sind deutlich geringer und folgen berechenbaren makroökonomischen Pfaden. Das bedeutet jedoch nicht, dass Anleihen völlig risikofrei sind: Längere Laufzeiten (Duration) bringen Zinsänderungsrisiken mit sich. Doch in einem Umfeld, in dem der Zinsgipfel bereits hinter uns liegt, ist dieses Risiko asymmetrisch – die Wahrscheinlichkeit fallender Renditen (und damit steigender Kurse) wird höher eingeschätzt als ein erneuter Zins-Schock.

Auch im Segment der Unternehmensanleihen hat sich die Lage differenziert. High-Yield-Bonds (Hochzinsanleihen) bieten zwar noch höhere Kupons, aber die Spreads (Risikoaufschläge) haben sich leicht ausgeweitet. Das ist ein Warnsignal: Der Markt preist hier eine steigende Ausfallgefahr bei schwächeren Firmen ein, die ihre Schulden zu den nun dauerhaft höheren Zinsen refinanzieren müssen.

Spread‑Entwicklung als Risikobarometer

Der „Spread“ ist der Fiebermesser des Anleihemarktes. Er misst den Renditeaufschlag, den ein Unternehmen zahlen muss, um sich Geld zu leihen, im Vergleich zu Staatsanleihen gleicher Laufzeit. Im Jahr 2026 sehen wir eine interessante Zweiteilung:

  • Investment-Grade (Solide Firmen): Der Spread ist relativ stabil geblieben. Der Markt vertraut darauf, dass Unternehmen wie Apple, Siemens oder Nestlé auch bei 3–4 % Zinsen profitabel wirtschaften können. Hier bekommst du einen moderaten Aufschlag auf die Staatsanleihe (ca. 80–120 Basispunkte), was die Gesamtrendite oft auf attraktive 4,0 % bis 4,5 % hebt.
  • High-Yield (Riskantere Firmen): Hier ist der Spread gestiegen. Von ehemals engen 300 Basispunkten bewegen wir uns nun eher Richtung 400 Basispunkte oder mehr. Das zeigt, dass Investoren vorsichtiger werden. Sie verlangen mehr Schmerzensgeld für das Risiko, dass ein hoch verschuldetes Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten gerät.

Für dein Portfolio bedeutet das: Qualität ist Trumpf. Ein solider Kern aus Investment-Grade-Bonds reduziert das Risiko erheblich, ohne die Rendite zu sehr zu schmälern. Ein gezielter „High-Yield-Slice“ kann das Rendite-Potential erhöhen, sollte aber aktiv gemanagt oder breit diversifiziert (über ETFs) erfolgen, da die Ausfallwahrscheinlichkeiten 2026 realer sind als noch zu Zeiten des Nullzinses.

Steuer‑ und Liquiditätsaspekte: Was bleibt netto übrig?

Ein oft unterschätzter Unterschied liegt in der steuerlichen Behandlung und der Verfügbarkeit deines Geldes. Zinszahlungen aus Anleihen unterliegen in Deutschland der Abgeltungssteuer von 25 % (plus Soli und ggf. Kirchensteuer). Da Anleihen den Großteil ihrer Rendite über diese Zinszahlungen generieren, ist der Steuerabfluss hier stetig. Bei Aktien hingegen, insbesondere bei Wachstumsaktien, entsteht ein Großteil der Rendite durch Kursgewinne, die erst beim Verkauf versteuert werden (Steuerstundungseffekt). Dividenden werden jedoch sofort besteuert. In einem Umfeld, in dem Anleiherenditen (z. B. 3,3 %) deutlich über den Dividendenrenditen (z. B. 1,5 %) liegen, generieren Anleihen heute mehr laufendes, zu versteuerndes Einkommen.

Auch die Liquidität spielt eine Rolle. Während du einen großen DAX-ETF oder US-Treasuries sekundenschnell zu minimalen Spreads verkaufen kannst, sieht das bei einzelnen Unternehmensanleihen anders aus. Manche Corporate Bonds werden nur selten gehandelt. In Stressphasen können die Geld-Brief-Spannen hier extrem auseinandergehen. Deshalb raten wir Privatanlegern oft zu Anleihen-ETFs: Sie bündeln Tausende von Papieren und sorgen durch den Creation/Redemption-Prozess für fortlaufende Liquidität, die der einzelne Anleihemarkt oft nicht bietet. Diese Unterschiede solltest du bei deiner Asset-Allocation und der Planung deines Notgroschens berücksichtigen.

Duration – das geheime Werkzeug für Zins‑Strategien

Wer Anleihen verstehen will, muss die Duration verstehen. Sie ist das Maß für die Zinssensitivität. Eine Duration von 7 Jahren bedeutet vereinfacht: Steigt das Zinsniveau um 1 %, fällt der Kurs der Anleihe um 7 %. Fällt der Zins um 1 %, steigt der Kurs um 7 %. Im Jahr 2026, wo die Zinsen ein Plateau erreicht haben und tendenziell leicht sinken könnten, ist Duration dein Freund.

Kurzlaufende Anleihen (Geldmarkt, Duration < 1 Jahr) bieten zwar Sicherheit und aktuell noch ordentliche Renditen, aber sie haben ein Wiederanlagerisiko. Wenn in 12 Monaten die Zinsen fallen, musst du dein Geld zu schlechteren Konditionen neu anlegen. Länger laufende Bonds (z. B. 7–10 Jahre) hingegen „loggen“ die aktuelle Rendite von 2,9 % (Bunds) oder 3,3 % (US) für ein ganzes Jahrzehnt ein. Sollten die Zinsen im Zuge einer Rezession wieder auf 2 % fallen, würdest du mit diesen Papieren massive Kursgewinne einfahren. Für dich könnte ein Mix aus dem „Bauch“ der Kurve (3–7 Jahre Laufzeit) ideal sein: Er bietet einen guten Kompromiss aus attraktiver Verzinsung und überschaubarem Zinsänderungsrisiko.

Historische Einordnung: Keine Angst vor Bonds

Viele Anleger haben das Trauma von 2022 noch im Kopf, als Anleihen und Aktien gleichzeitig fielen. Doch das war eine historische Anomalie, ausgelöst durch den schnellsten Zinsanstieg aller Zeiten. Normalerweise – und das sehen wir auch 2026 wieder – korrelieren Aktien und Staatsanleihen oft negativ oder nur schwach positiv. In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren, als die Zinsen hoch waren, lieferten Staatsanleihen über Jahre hinweg höhere Erträge als Aktien. Auch nach dem Platzen der Dotcom-Blase oder in der Finanzkrise 2008 waren Anleihen der stabilisierende Anker, der Portfolios rettete. Die aktuelle Situation mit positiven Realzinsen erinnert stark an Phasen gesunder Märkte, in denen Bonds ihre Schutzfunktion voll erfüllen können.

Online Broker Vergleich 2026: Bestes Depot für ETF & Aktien
Der Broker kann zwar nicht die Rendite deiner Aktien und ETFs beeinflussen, aber durch möglichst geringe Kosten exzellente Grundvoraussetzungen für eine positive Entwicklung schaffen. Hier zeigen wir dir, bei welchem Broker und in welchem Depot 2026 deine Aktien und ETFs am besten aufgehoben sind.

Praktische Tipps für deine Portfolio‑Entscheidung 2026

Wie setzt du dieses Wissen nun um? Hier ist eine Checkliste für das aktuelle Marktjahr:

  1. Realzins-Check: Vergleiche nicht nur Nominalzinsen. Bei 2,9 % Bund-Rendite und 1,7 % Inflation machst du real Gewinn. Das ist der wichtigste Indikator für langfristigen Vermögenserhalt.
  2. Währungs-Absicherung: US-Anleihen locken mit 3,3 %. Aber der Spread zu Euro-Anleihen (2,9 %) ist auf nur noch 0,4 Prozentpunkte geschrumpft. Lohnt sich das Währungsrisiko (USD/EUR)? Oftmals fressen die Kosten für eine Währungsabsicherung (Hedging) diesen kleinen Vorteil komplett auf. Für Euro-Anleger sind heimische Euro-Staatsanleihen aktuell oft die klügere Wahl („Home Bias“ wins).
  3. Kreditqualität vor Renditejagd: Bleib im Investment-Grade-Bereich. Die aktuellen Spreads für Junk-Bonds entschädigen kaum für das steigende Insolvenzrisiko in einer Welt, die sich an höhere Zinsen erst noch gewöhnen muss.
  4. Mischung macht's: Das 60/40-Portfolio (60 % Aktien, 40 % Anleihen) wurde oft totgesagt, erlebt 2026 aber ein fulminantes Comeback. Mit 40 % Anleihen, die jetzt wieder 3–4 % abwerfen, hast du einen soliden Einkommensstrom, der Aktienverluste viel besser abfedert als zu Nullzinszeiten.
  5. Kostenkontrolle: Nutze ETFs für den Anleihenteil. Aktive Fonds schaffen es in effizienten Märkten wie Staatsanleihen selten, ihre Kosten (TER) wieder reinzuholen.

Wie du das Risiko‑Chance‑Verhältnis jetzt einschätzt

Fassen wir die Lage im Februar 2026 zusammen: Die Waagschale hat sich geneigt. Aktien sind nicht „out“, aber sie sind teuer und ihre Risikoprämie (Equity Risk Premium) ist historisch niedrig. Das bedeutet, du bekommst für das Risiko, Aktien zu halten, aktuell nur wenig mehr erwartete Rendite als für sichere Anleihen. Anleihen hingegen bieten eine solide Basisrendite mit der „Gratis-Option“ auf Kursgewinne bei einer Wirtschaftsabschwächung.

Das bedeutet nicht, dass du panisch umschichten sollst. Aktien bleiben der Motor für langfristiges reales Wachstum und Diversifikation. Aber die Zeit der „TINA“-Strategie (There Is No Alternative) ist offiziell vorbei. Es gibt Alternativen, und sie heißen Anleihen. Ein Portfolio, das heute zu 30–40 % aus festverzinslichen Wertpapieren besteht, hat ein deutlich besseres Sharpe-Ratio (Ertrag pro Einheit Risiko) als noch vor drei Jahren.

Bleib am Puls der Zeit: Dynamik ist gefragt

Auch wenn die Märkte 2026 stabiler wirken, ist Stillstand gefährlich. Die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen kann sich drehen, wenn die Inflation wider Erwarten zurückkehrt. Neue geopolitische Spannungen könnten die Energiemärkte und damit die Teuerungsraten beeinflussen, was wiederum die Zinsentscheidungen der Fed und EZB torpedieren würde.

Ein halbjährliches Rebalancing ist Pflicht. Ist dein Aktienanteil durch eine Rallye gestiegen? Verkauf Gewinne und kauf günstigere Anleihen nach. Sind Anleihen durch Kursgewinne zu schwer geworden? Schichte in Aktien um. Dieses antizyklische Handeln ist der Schlüssel zum Erfolg. Nutze moderne Tools, um die Yield-Curve im Auge zu behalten. Eine steiler werdende Kurve (langfristige Zinsen steigen stärker als kurzfristige) signalisiert oft wachsenden Konjunkturoptimismus – gut für Aktien. Eine invertierende Kurve warnt vor Rezession – Zeit für mehr Duration in Bonds.

Währungsrisiken und internationale Anleihen: Der feine Unterschied

Viele Anleger lassen sich von den nominell höheren US-Zinsen blenden. Doch Vorsicht: Wenn der Euro gegenüber dem Dollar aufwertet, wird deine Rendite aus US-Bonds schnell negativ. Ein Beispiel: Du kaufst eine US-Anleihe mit 3,3 % Rendite. Der Euro steigt im gleichen Jahr um 5 % gegenüber dem Dollar. Dein Ergebnis in Euro: -1,7 %. Verlust statt Gewinn.

Deshalb gehört der „sichere“ Teil deines Portfolios immer in deine Heimatwährung oder in währungsgesicherte (gehedgte) Produkte. Euro-Staatsanleihen sind hier das Mittel der Wahl. Wenn du global diversifizieren willst, greife zu „Global Aggregate Bond“-ETFs mit der Bezeichnung „EUR Hedged“. Das kostet zwar eine kleine Gebühr (die Zinsdifferenz), eliminiert aber das Währungsrisiko komplett. So wird aus der Zockerei mit Wechselkursen eine reine Zins-Strategie.

Dynamische Rebalancing‑Strategien für Fortgeschrittene

Ein statisches Portfolio ist gut, ein dynamisches oft besser. Im Jahr 2026 nutzen Profis „Bänder-Rebalancing“. Statt stur am Kalenderdatum umzuschichten, definierst du Toleranzbänder. Beispiel: Dein Ziel ist 60 % Aktien. Erst wenn der Anteil auf 65 % steigt oder auf 55 % fällt, wirst du aktiv. Das spart Transaktionskosten und lässt Gewinne laufen („Momentum“), greift aber bei Übertreibungen korrigierend ein.

Auch die Anleihen-Komponente selbst kann dynamisch gesteuert werden. In Phasen, in denen die Zinsstrukturkurve flach ist (kurze und lange Zinsen sind gleich hoch), kannst du das Risiko reduzieren, indem du auf kurzlaufende Anleihen setzt. Wird die Kurve steiler (langfristige Zinsen deutlich höher), lohnt sich der Griff zu längeren Laufzeiten, um die „Term Prämie“ zu vereinnahmen. Solche taktischen Feinjustierungen können über Jahre hinweg 0,5 % bis 1 % Zusatzrendite bringen, ohne das Risiko massiv zu erhöhen.

Rating‑Downgrades: Die stille Gefahr im Depot

In einer Welt mit Zinsen von 3–4 % ist die Refinanzierung für Unternehmen teuer. Das führt zwangsläufig dazu, dass schwächere Marktteilnehmer unter Druck geraten. Ein „Downgrade“ (Herabstufung der Bonität durch Ratingagenturen) ist für Anleihegläubiger schmerzhaft. Fällt eine Anleihe vom sicheren „Investment Grade“ in den „High Yield“ Bereich (sogenannte „Fallen Angels“), müssen viele institutionelle Fonds (wie Pensionskassen) zwangsverkaufen. Der Kurs stürzt ab.

Achte daher penibel auf die Bonität. Ein breit gestreuter ETF auf Unternehmensanleihen mit Filter auf „ESG“ oder „Quality“ kann helfen, die Wackelkandidaten frühzeitig auszusortieren. Verlasse dich nicht blind auf die Ratings der Vergangenheit, sondern schau auf den Ausblick (Outlook) von Agenturen wie Moody’s oder S&P. Ein „Negative Outlook“ ist oft der Vorbote für Kursverluste.

Liquidität: Warum ETFs oft die bessere Wahl sind

Der Anleihemarkt ist riesig, aber fragmentiert. Viele Anleihen wechseln wochenlang nicht den Besitzer. Wenn du genau dann verkaufen musst, akzeptierst du hohe Abschläge. ETFs lösen dieses Problem elegant. Sie agieren wie ein Liquiditätspuffer. Selbst wenn der unterliegende Markt für italienische Unternehmensanleihen gerade ausgetrocknet ist, kannst du deine ETF-Anteile an der Börse Xetra oder Tradegate sekündlich handeln. Die Market Maker sorgen für faire Preise.

Zudem ist die Stückelung ein Problem bei Direktinvestments. Viele attraktive Anleihen haben eine Mindeststückelung von 100.000 Euro. Das macht eine sinnvolle Diversifikation für Privatanleger unmöglich. Ein ETF kauft genau diese Groß-Anleihen und stückelt sie für dich in handliche 50-Euro-Häppchen. So bekommst du Zugang zu den Konditionen der Großinvestoren.

Fazit: Die Renaissance der Anleihen ist da

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt. Das Risiko-Chance-Verhältnis hat sich zugunsten von Anleihen verschoben – nicht weil Aktien schlecht wären, sondern weil Anleihen endlich wieder gut sind. Mit US-Treasuries bei 3,3 % und Bundesanleihen bei 2,9 % erhältst du einen fairen, real positiven Lohn für dein Kapital. Die Volatilität in Aktien bleibt hoch, die Bewertungen sind sportlich. Anleihen bieten hier den perfekten Gegenpol: Ruhe, Einkommen und Stabilität.

Für dein Portfolio heißt das: Überprüfe deine Allokation. Ist dein Anleihen-Anteil noch auf dem Stand von 2021? Dann ist es Zeit, zu handeln. Ein robustes Portfolio braucht heute wieder beide Standbeine. Die „Nullzins-Ära“ ist Geschichte, und mit ihr die Notwendigkeit, unkalkulierbare Risiken einzugehen, nur um überhaupt Rendite zu sehen. Willkommen zurück in der Welt des vernünftigen Investierens.

Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.

Mehr zum Thema:





Rechtliche Hinweise: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Die in den Artikeln erwähnten ETFs und anderen Finanzprodukte stellen keine Kaufempfehlung dar. Wir können keine Finanzberatung oder ähnliches anbieten. Der Wert von Aktien, ETFs und ETCs, die über ein Wertpapierdepot gekauft wurden, kann sowohl steigen als auch fallen. Börsengeschäfte stellen ein erhebliches Risiko dar, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. etf.capital haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden. Der Autor besitzt keinen der genannten ETFs. Keiner der Inhalte stellt ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Kryptoassets sind hochvolatile unregulierte Anlageprodukte. Es existiert kein EU-Anlegerschutz.

Vergleiche: Unsere Anbieter-Vergleiche bieten keinen kompletten Marktüberblick. Zur Finanzierung dieser Website erhalten wir von den Anbietern eine Provision bei Kontoeröffnung. Die Vergleiche beginnen mit den Anbietern mit der höchsten Abschlussquote und endet mit der niedrigsten. Bei gleicher Abschlussquote werden die Aufrufe hinzugezogen. D. h. Produkte, die im Verhältnis zu den Aufrufen hier öfter gewählt werden, sind höher platziert. Bewertungen können nicht auf Echtheit geprüft werden. Der Anbieter auf Platz 1 wird zusätzlich farblich hervorgehoben. Testsiegel werden angezeigt, sofern sie uns vom Anbieter zur Verfügung gestellt wurden.

"Kostenlose ETF-Sparpläne" bezieht sich auf die Ausführung der Sparpläne. Es entstehen ggfs. weitere Produktkosten und Zuwendungen. Bei Aktionsangeboten gelten die Teilnahmebedingungen des jeweiligen Anbieters.

Die mit einem Sternchen (*) oder versehenen Links oder farblich hervorgehobenen Schaltflächen sind i.d.R. bezahlte Produktplatzierung zur Finanzierung dieser Website. Dir entstehen dadurch keinerlei Nachteile. Du unterstützt damit unsere Arbeit.

Anleihen vs. Aktien: Kippt das Chance/Risiko-Verhältnis zugunsten der Bonds?
Teilen
Twitter icon Facebook icon