Depot für Enkel: Was Großeltern beachten müssen
Das Sparbuch ist tot! Großeltern können Enkeln mit einem Junior-Depot echte Vermögenswerte schaffen. Trotz bürokratischer Hürden und der Notwendigkeit der Eltern-Zustimmung winken Steuer-Vorteile und langfristiges Wachstum per ETF. Dein Enkel wird's dir danken!
Das Sparbuch ist tot – lang lebe das Junior-Depot
Oma steckt einen Fünfziger zu Weihnachten in den Umschlag. Opa überweist monatlich auf das Sparbuch. Das war jahrzehntelang der Goldstandard der großelterlichen Fürsorge. Doch im Jahr 2025 sieht die Realität anders aus. Die Inflation hat in den letzten Jahren an der Kaufkraft genagt, und das klassische Sparbuch ist faktisch eine Geldvernichtungsmaschine. Wer seinen Enkeln wirklich etwas Gutes tun will, kommt am Kapitalmarkt nicht vorbei.
Du willst für deinen Enkel vorsorgen, ihm den Führerschein, das Studium oder die erste Wohnung finanzieren? Dann ist ein Aktiendepot die einzige logische Wahl. Doch hier fangen die Probleme meist an. Anders als beim Sparbuch, wo man früher einfach mit dem Enkel zur Filiale spaziert ist, ist die Eröffnung eines Depots ein bürokratischer Hürdenlauf. Banken und der Gesetzgeber haben hohe Mauern errichtet, um Geldwäsche zu verhindern und den Schutz des Minderjährigen zu garantieren.

Als Großvater oder Großmutter bist du rechtlich gesehen erst einmal außen vor. Du bist kein Erziehungsberechtigter. Das bedeutet: Du kannst nicht einfach zur Bank gehen und ein Depot auf den Namen des Enkels eröffnen. Das Privileg liegt exklusiv bei den Eltern. Aber keine Sorge, es gibt Wege, wie du trotzdem zum Finanz-Helden der Familie wirst. Wir schauen uns an, wie du die rechtlichen Klippen umschiffst, welche steuerlichen Geschenke der Staat verteilt und warum eine Vollmacht essenziell ist.
Die rechtliche Hürde: Warum du die Eltern brauchst
Es klingt paradox: Du hast das Geld, du hast den Willen zu schenken, aber die Bank sagt "Nein". Der Grund liegt im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Die Vermögenssorge für ein minderjähriges Kind liegt allein bei den sorgeberechtigten Eltern. Banken dürfen Verträge, die auf den Namen eines Minderjährigen laufen, nur mit der Unterschrift aller Erziehungsberechtigten abschließen.
Das bedeutet im Klartext: Wenn du ein echtes Junior-Depot eröffnen willst – also ein Depot, das rechtlich dem Kind gehört –, müssen die Eltern mitspielen. Sie müssen den Antrag ausfüllen, sich identifizieren (PostIdent oder VideoIdent) und unterschreiben. Bei unverheirateten Paaren mit geteiltem Sorgerecht müssen beide Elternteile zustimmen. Das kann bei familiären Spannungen kompliziert werden, ist aber unumgänglich.
Die Alternative wäre, du eröffnest ein Depot auf deinen eigenen Namen und besparst es für den Enkel. Das klingt einfacher, ist aber steuerlich und rechtlich oft die schlechtere Variante. Wenn das Depot auf deinen Namen läuft, gehört das Geld dir. Stirbst du, fällt es in die Erbmasse. Wirst du pflegebedürftig und das Sozialamt prüft dein Vermögen, ist das "Enkel-Geld" weg. Zudem verschenkst du massive Steuervorteile, die wir uns gleich noch genauer ansehen. Der Königsweg bleibt also: Das Depot läuft auf den Namen des Kindes.
Wem gehört das Geld? Ein unwiderruflicher Abschied
Bevor du den ersten Euro überweist, musst du dir über eine Sache im Klaren sein: Geld, das auf dem Junior-Depot landet, gehört dem Kind. Und zwar sofort und unwiderruflich. Du kannst es nicht zurückholen, wenn du mal knapp bei Kasse bist. Du kannst es auch nicht zurückfordern, wenn der Enkel mit 16 Jahren plötzlich einen Musikgeschmack entwickelt, den du furchtbar findest, oder die Schule schmeißt.
Rechtlich gesehen agieren die Eltern (und du, falls du eine Vollmacht hast) nur als Treuhänder. Das Vermögen muss im Sinne des Kindes verwaltet werden. Ein Auto für die Eltern vom Kindergeld kaufen? Verboten. Das Geld in hochspekulative Derivate stecken und alles verlieren? Haftbar. Das Eigentum des Kindes ist im deutschen Recht sehr stark geschützt. Das ist gut für den Enkel, erfordert aber von den Schenkenden Disziplin. Es ist ein Geschenk ohne Rückfahrkarte.
Der Steuer-Turbo: 1.000 Euro Freibetrag pro Jahr nutzen
Kommen wir zum angenehmen Teil. Der Staat ist bei der Besteuerung von Kapitaleinkünften bei Kindern überraschend großzügig. Jedes Kind in Deutschland ist ein eigenständiges Steuersubjekt. Das bedeutet, dein Enkel hat eigene Freibeträge, die er nutzen kann. Und genau hier liegt der massive Vorteil gegenüber einem Depot, das auf deinen Namen läuft.
Der Sparer-Pauschbetrag liegt aktuell bei 1.000 Euro pro Jahr. Das heißt: Die ersten 1.000 Euro an Gewinnen – sei es durch Dividenden oder Kurssteigerungen bei Verkäufen – sind komplett steuerfrei. Dazu kommt der Grundfreibetrag. Wenn das Kind keine anderen Einkünfte hat (was bei Minderjährigen die Regel ist), können theoretisch Erträge bis zum Grundfreibetrag (im Jahr 2025 deutlich über 11.000 Euro) steuerfrei vereinnahmt werden.
Um das in der Praxis zu nutzen, müssen die Eltern zwei Dinge tun:
- Einen Freistellungsauftrag bei der Bank einrichten. Das deckt die 1.000 Euro Sparer-Pauschbetrag ab. Damit wird keine Abgeltungssteuer abgeführt.
- Falls die Erträge höher sind, eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV-Bescheinigung) beim Finanzamt beantragen. Damit winkt die Bank auch Erträge weit über 1.000 Euro durch, solange das Gesamteinkommen des Kindes unter dem Grundfreibetrag bleibt.
Vergleich das mal mit deiner Situation: Wenn du das Geld auf deinem Depot anlegst, ist dein eigener Freibetrag wahrscheinlich schon ausgeschöpft. Du zahlst auf jeden Euro Gewinn 25 % Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer. Das sind knapp 26,3 % bis 28 %, die dem Zinseszinseffekt fehlen. Auf 18 Jahre gerechnet macht dieser Steuerunterschied oft mehrere tausend Euro aus.
Vollmacht für Großeltern: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Du willst nicht nur Geld überweisen, sondern auch mitentscheiden, in welche ETFs investiert wird? Dann brauchst du eine Vollmacht. Da das Depot offiziell den Eltern gehört (als gesetzliche Vertreter des Kindes), müssen diese dir eine Vollmacht erteilen. Ohne dieses Papier darfst du der Bank gegenüber keine Order aufgeben und erhältst auch keine Auskunft über den Kontostand.
Die Einrichtung einer solchen Vollmacht ist heute oft einfacher als früher, aber immer noch ein bürokratischer Akt. Viele Direktbanken wie die Comdirect oder Consorsbank bieten Formulare an, die die Eltern ausfüllen müssen. Wichtig:
- Die Vollmacht muss meist explizit für das spezifische Depot gelten.
- Du musst dich als Bevollmächtigter ebenfalls identifizieren (PostIdent).
- Die Vollmacht erlaubt dir in der Regel den Kauf und Verkauf von Wertpapieren, aber keine Entnahmen auf deine eigenen Konten (Schutz des Kindesvermögens).
Mit einer Vollmacht kannst du das Depot aktiv managen. Du kannst umschichten, wenn ein ETF nicht mehr performt, oder den Sparplan anpassen. Aber Vorsicht: Auch als Bevollmächtigter bist du dem Wohl des Kindes verpflichtet. Wilde Spekulationen mit Hebel-Zertifikaten sind tabu. Die meisten Banken sperren für Junior-Depots ohnehin risikoreiche Anlageklassen (Finanztermingeschäfte), um das Risiko zu begrenzen.

Der magische 18. Geburtstag: Kontrollverlust mit Ansage
Es ist der Elefant im Raum, über den niemand gerne spricht: Was passiert, wenn der süße Enkel 18 wird? In diesem Moment endet die elterliche Sorge und damit auch deine Verwaltungsmacht. Das Depot geht vollautomatisch in die alleinige Verfügungsgewalt des Enkels über. Alle Vollmachten erlöschen oder können vom Enkel jederzeit widerrufen werden.
Es gibt keine rechtliche Möglichkeit, das Geld über den 18. Geburtstag hinaus zu sperren oder an Bedingungen zu knüpfen (wie "nur für Studium" oder "erst mit 25"). Das Vermögen ist Eigentum des nun Volljährigen. Er kann es nehmen und damit eine Weltreise machen, es für eine Ausbildung nutzen – oder es im schlimmsten Fall für Konsumgüter verpulvern.
Das klingt bedrohlich, ist aber auch eine Chance. Finanzielle Bildung beginnt nicht erst mit 18. Wenn du das Depot über Jahre besparst, solltest du den Enkel frühzeitig einbinden. Zeig ihm mit 14 oder 15, wie sich das Geld entwickelt hat. Erkläre den Zinseszinseffekt. Wer versteht, wie Geld arbeitet, wird es mit 18 nicht sofort auf den Kopf hauen. Vertrauen und Bildung sind hier die einzige "Versicherung", die du hast.
Schenkungssteuer: Wann der Fiskus die Hand aufhält
Auch beim Schenken gibt es Grenzen, wenn auch sehr großzügige. Die Schenkungssteuer ist für die meisten Großeltern kein Thema, sollte aber bekannt sein, um böse Überraschungen zu vermeiden. Der Freibetrag für Schenkungen von Großeltern an Enkel liegt bei 200.000 Euro pro Enkelkind. Und zwar von jedem Großelternteil separat.
Das bedeutet: Oma kann 200.000 Euro schenken, Opa auch. Dieser Freibetrag erneuert sich alle 10 Jahre. Solange du also keine Villen oder riesigen Aktienpakete auf einmal überträgst, bist du auf der sicheren Seite. Ein monatlicher Sparplan von 50, 100 oder auch 500 Euro kratzt diese Grenze über 18 Jahre nicht mal annähernd an (500 € * 12 Monate * 18 Jahre = 108.000 €).
Vorsicht ist nur geboten, wenn die Eltern des Kindes (also deine Kinder) bereits verstorben sind. In diesem traurigen Fall erhöht sich der Freibetrag der Enkel auf 400.000 Euro – er entspricht dann dem Freibetrag, den Kinder von ihren Eltern hätten.
Die richtige Strategie: Keep it simple
Du hast die Eltern überzeugt, das Depot ist eröffnet, die steuerlichen Weichen sind gestellt. Was kaufst du nun? In den 90ern hätte dir der Bankberater vielleicht einen teuren aktiven Fonds mit 5 % Ausgabeaufschlag angedreht. Heute wissen wir es besser. Ein breit gestreuter ETF (Exchange Traded Fund) ist das Mittel der Wahl. Er ist kostengünstig, transparent und schlägt langfristig die meisten aktiven Fondsmanager.
Da der Anlagehorizont bei einem Neugeborenen 18 Jahre oder mehr beträgt, kannst du kurzfristige Marktschwankungen ignorieren. Ein weltweites Portfolio ist ideal. Du musst nicht versuchen, die nächste Apple oder Tesla zu finden. Kauf einfach den ganzen Markt.
Ein Klassiker für solche Zwecke ist der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (Thesaurierend).
ISIN: IE00BK5BQT80
Warum dieser? Er investiert in über 3.500 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Er deckt die Weltwirtschaft ab. Die Kosten (TER) liegen bei schlanken 0,22 % pro Jahr. Da er thesaurierend ist, werden Dividenden automatisch wieder angelegt. Das verstärkt den Zinseszinseffekt und du musst dich um nichts kümmern. "Fire and Forget" im besten Sinne.
Historisch betrachtet hat der globale Aktienmarkt langfristig eine Rendite von etwa 7 % bis 8 % pro Jahr erwirtschaftet. Das ist keine Garantie für die Zukunft, aber eine solide Basis für Hochrechnungen. Bei einem monatlichen Sparplan von 100 Euro kommen über 18 Jahre bei 7 % Rendite rund 42.000 Euro zusammen. Eingezahlt hast du aber nur 21.600 Euro. Der Rest ist der "Lohn" des Kapitalmarkts für deine Geduld.
Frühstart-Rente: Der neue Spieler ab 2026
Wir schreiben den 12. Dezember 2025, und politisch tut sich was. Die viel diskutierte "Frühstart-Rente" (auch als Generationenkapital für Kinder diskutiert) steht in den Startlöchern für 2026. Der Plan der Bundesregierung sieht vor, dass der Staat für jedes Kind ab einem bestimmten Alter (geplant ab 6 Jahren) monatlich einen kleinen Betrag, etwa 10 Euro, in einen staatlich organisierten Fonds einzahlt.
Das klingt nach wenig, ist aber ein wichtiges Signal. Diese Erträge sollen bis zum Renteneintritt steuerfrei bleiben. Es ist eine Ergänzung, kein Ersatz für dein privates Engagement. Das Junior-Depot bleibt flexibler. Während die staatliche Rente bis zum Alter von 67 (oder dann vielleicht 70) Jahren festliegt, steht das Depot-Vermögen dem Enkel zum Start ins Erwachsenenleben zur Verfügung. Sieh die staatlichen Maßnahmen als Basis-Baustein, aber verlasse dich nicht darauf, dass dies für ein Studium in München oder ein Auslandsjahr in den USA reicht.
Kostenfalle vermeiden: Augen auf bei der Broker-Wahl
Ein letzter, aber entscheidender Punkt sind die Kosten. Die Rendite bestimmt der Markt, die Kosten bestimmst du. Filialbanken verlangen oft noch Depotführungsgebühren und hohe Orderprovisionen. Bei einem 25-Euro-Sparplan sind 1,50 Euro Gebühr pro Ausführung schlichtweg Wucher – das sind 6 % Kostenquote, die deine Rendite sofort auffressen.
Moderne Neobroker wie Trade Republic oder Direktbanken wie die ING und Comdirect bieten Junior-Depots oft komplett kostenlos an. Achte auf:
- Keine Depotführungsgebühren: Das sollte heute Standard sein.
- Kostenlose ETF-Sparpläne: Viele Broker haben Aktions-ETFs oder bieten Sparpläne generell für 0 Euro Ausführungsgebühr an.
- Niedrige Spreads: Achte darauf, dass die Handelsplätze faire Kurse stellen. Xetra-Zeiten (werktags 9:00 bis 17:30 Uhr) sind meist am besten für Einmalkäufe.
Bei der Comdirect oder Consorsbank gibt es oft gute Gesamtpakete mit Girokonto für Kinder, was später für das Taschengeld praktisch wird. Trade Republic besticht durch extrem niedrige Kosten und Zinsen auf das nicht investierte Guthaben, erfordert aber ein Smartphone zur Verwaltung, was bei einer reinen "Großeltern-Verwaltung" via Vollmacht technisch manchmal etwas umständlicher sein kann, wenn man nicht digital-affin ist.
Ein Depot für den Enkel ist eines der nachhaltigsten Geschenke, die du machen kannst. Es lehrt Finanzwissen, nutzt den Zinseszins und baut echte Freiheit auf. Die bürokratischen Hürden am Anfang sind nervig, aber sie sind nur einmalig zu überwinden. Danach arbeitet die Zeit für dich – und für deinen Enkel.
Fazit
Ein Depot für Enkelkinder ist eine attraktive Möglichkeit, langfristig Vermögen aufzubauen. Achten Sie auf die rechtlichen Aspekte, holen Sie die Zustimmung der Eltern ein und nutzen Sie den steuerlichen Freibetrag optimal aus.
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