Thematic ETFs für Circular Economy: Recycling & Upcycling
Circular‑Economy‑ETFs bündeln Unternehmen, die Ressourcen schließen – von Recycling über Up‑cycling bis nachhaltiges Design. Mit EU‑Taxonomie‑Filtern investierst du in Firmen, die Abfall in Wert verwandeln, und profitierst vom wachsenden Marktvolumen.
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung, sondern dient der allgemeinen Information. Alle Angaben zu Fonds, Kosten und ISINs wurden nach bestem Wissen recherchiert, können sich aber jederzeit ändern. Prüfe vor einer Anlage stets das aktuelle Factsheet und die wesentlichen Anlegerinformationen (KID) des Anbieters.
Was steckt hinter Circular-Economy-ETFs?
Ein Circular-Economy-ETF bündelt Unternehmen, die Ressourcenkreisläufe schließen statt sie linear zu verbrauchen: Recycling, Ressourceneffizienz, Abfallmanagement, wiederverwendbares Design und Reparatur. Rechtlicher Bezugsrahmen ist häufig die EU-Taxonomie, die seit 2023 auch Kriterien für den Umweltschwerpunkt "Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft" definiert. Die Idee ist attraktiv, hat aber einen entscheidenden Haken, den wir weiter unten ehrlich benennen: "Kreislaufwirtschaft" ist kein scharf abgegrenzter Sektor, sondern eine Auslegungssache der jeweiligen Index-Methodik. Wer nachhaltig anlegen will, findet in unserem Überblick nachhaltige ETFs (ESG, SRI und mehr) die breitere Einordnung.
Der Markt: klein und eine Nische
Circular-Economy-ETFs sind ein Themen-Nischenprodukt und entsprechend klein. Die verfügbaren UCITS-Fonds bewegen sich im niedrigen zwei- bis dreistelligen Millionenbereich, während breite Welt-ETFs zweistellige Milliardenvolumina erreichen. Kleine Fondsvolumina bedeuten ein reales Schließungsrisiko: Erreicht ein Fonds nicht genug Volumen, kann der Anbieter ihn liquidieren. Das ist bei Themen-ETFs regelmäßig passiert, weshalb du bei diesen Produkten das Fondsvolumen im Blick behalten solltest.
Handelbare UCITS-ETFs (für deutsche Anleger)
Diese drei UCITS-ETFs decken das Thema Kreislaufwirtschaft ab und sind über deutsche Broker handelbar. Alle Angaben Stand Juli 2026, Quelle justETF und Emittenten-Factsheets:
- BNP Paribas Easy ECPI Circular Economy Leaders UCITS ETF (ISIN LU1953136527, thesaurierend, EUR). TER 0,30 % p.a., physisch (Vollreplikation), rund 340 Mio. EUR Fondsvolumen, rund 49 Titel, bildet den ECPI Circular Economy Leaders Equity Index ab. Der derzeit größte und günstigste der Gruppe. Wichtig zur Einordnung: Die größten Positionen sind teils Halbleiter- und Industriewerte (etwa Intel, Texas Instruments, Cisco, Caterpillar), nicht klassische Recyclingfirmen. Das zeigt, wie weit "Kreislaufwirtschaft" hier gefasst wird.
- VanEck Circular Economy UCITS ETF (ISIN IE0001J5A2T9, thesaurierend). TER 0,40 % p.a., physisch, rund 15 Mio. EUR Volumen, bildet den MVIS Global Circular Economy ESG Index ab (rund 25 Titel, Einzelgewicht auf 8 % gedeckelt). Deutlich konzentrierter und kleiner.
- Rize Circular Economy Enablers UCITS ETF (ISIN IE000RMSPY39, thesaurierend, USD; Kürzel CYCL/CIRC). TER 0,45 % p.a., physisch, aufgelegt 2023, Emittent inzwischen ARK Invest Europe, nach SFDR als Artikel-9-Produkt eingestuft. Sehr klein (rund 2 Mio. EUR), daher mit erhöhtem Schließungsrisiko.
Hinweis zu Altquellen: Für den Rize-ETF kursiert teils noch die alte ISIN IE00BF2M3M37, die inzwischen überholt ist; maßgeblich ist IE000RMSPY39. Prüfe die ISIN vor dem Kauf immer selbst im Depot deines Brokers.
Wie werden die Titel ausgewählt?
Die Fonds kombinieren meist eine Geschäftsmodell-Analyse (Umsatzanteil in kreislaufrelevanten Aktivitäten) mit ESG-Filtern. Geprüft wird typischerweise, ob ein Unternehmen:
- relevante Umsätze mit Recycling, Ressourceneffizienz, Materialtechnologie oder Abfallmanagement erzielt,
- Nachhaltigkeits- und Ausschlusskriterien des jeweiligen Index erfüllt,
- über eine ausreichende Transparenz- und Reporting-Struktur verfügt.
Der Knackpunkt: Jeder Indexanbieter (ECPI, MarketVector/MVIS, der Rize-Index) definiert "Kreislaufwirtschaft" anders. Dadurch überschneiden sich die drei Fonds inhaltlich nur begrenzt und können sehr unterschiedliche Branchen enthalten. Das erschwert den Vergleich und erhöht das Greenwashing-Risiko, wenn Titel eher lose mit dem Thema verbunden sind.
Kosten und Struktur im Überblick
Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei diesen Themen-ETFs zwischen 0,30 % und 0,45 % pro Jahr und damit deutlich über der eines breiten Welt-ETF, der oft bei 0,10 % bis 0,20 % liegt. Über lange Anlagezeiträume summiert sich dieser Aufschlag spürbar. Alle drei genannten Fonds replizieren physisch und thesaurieren die Erträge, was die Handhabung im deutschen Steuerrecht vereinfacht. Wer solche Nischen-ETFs handeln oder besparen möchte, kann das etwa über einen Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital tun. Prüfe vorher, ob der jeweilige Fonds dort tatsächlich sparplanfähig und handelbar ist, denn kleine Themen-ETFs sind nicht überall verfügbar.
Risiken ehrlich benannt
Circular-Economy-ETFs sind ein Satelliten-Investment, kein Basisbaustein. Die wichtigsten Risiken:
- Definitions- und Greenwashing-Risiko: Was als "kreislaufwirtschaftlich" gilt, entscheidet die Index-Methodik. Enthalten sind teils Standard-Industrie- und Tech-Werte, deren Kreislaufbezug diskutabel ist.
- Themen- und Konzentrationsrisiko: Wenige Dutzend Titel, oft starke Branchen-Klumpen. Ein schwaches Jahr in der Nische schlägt voll durch.
- Kostennachteil: Höhere TER als bei Standard-ETFs schmälert langfristig die Nettorendite.
- Schließungs- und Liquiditätsrisiko: Kleine Fondsvolumina, teils dünnere Handelsvolumina und breitere Spreads. Liquidiert der Anbieter den Fonds, wird zu einem festgelegten Zeitpunkt zwangsverkauft.
- Marktrisiko: Wie bei jedem Aktien-ETF sind Kursverluste möglich; Themen-ETFs schwanken in der Regel stärker als der breite Markt.
Belastbare, geprüfte Langfrist-Renditezahlen für diese jungen und kleinen Fonds liegen nicht in vergleichbarer Qualität vor, daher verzichten wir hier bewusst auf konkrete Performance-Versprechen. Wer harte Zahlen sucht, findet sie im jeweils aktuellen Factsheet des Anbieters.
Wie du das Thema einordnest
Wenn dich Kreislaufwirtschaft überzeugt, gehört ein solcher ETF allenfalls als kleiner Satellit (Größenordnung wenige Prozent) in ein bereits breit diversifiziertes Depot, nicht als Kern. Kläre vorab drei Fragen: Verstehst du, was der zugrunde liegende Index wirklich abbildet? Ist das Fondsvolumen groß genug, um ein Schließungsrisiko zu begrenzen? Und rechtfertigt das Thema die höhere TER gegenüber einem breiten, günstigen Nachhaltigkeits- oder Welt-ETF? Eine breitere Alternative findest du in unserer Übersicht zu ETFs allgemein.
Fazit
Circular-Economy-ETFs bieten einen thematischen Zugang zu Recycling, Ressourceneffizienz und Abfallmanagement, sind aber klein, vergleichsweise teuer und stark von der jeweiligen Index-Definition abhängig. Der BNP-Paribas-Fonds (LU1953136527) ist derzeit der größte und günstigste, gefolgt von VanEck (IE0001J5A2T9) und dem sehr kleinen Rize/ARK-Fonds (IE000RMSPY39). Für die meisten Anleger bleibt es ein optionaler Satellit mit erhöhtem Risiko, kein Pflichtbaustein.
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