Rohstoffe im Depot 2026: Gold, Metalle & breite ETFs im Check
rohstoffeETFsagrarrohstoffeGeldanlageportfolio
Rohstoffe als Depot-Beimischung 2026: Diversifikation und Inflationsschutz, aber ehrlich zu Contango, Rollverlusten und Zyklik. Mit handelbaren UCITS-ETFs und Gold-ETC.
Rohstoffe gelten seit jeher als Baustein, der sich anders verhält als Aktien und Anleihen. Wer sein Depot breiter aufstellen will, stößt schnell auf Gold, Industriemetalle und Agrarrohstoffe. Dieser Beitrag ordnet ein, was eine Rohstoffbeimischung 2026 realistisch leisten kann, wo die Fallstricke liegen und mit welchen in Deutschland handelbaren UCITS-Produkten Privatanleger das Thema abbilden können. Stand: Juli 2026. Es handelt sich nicht um eine Preisprognose und nicht um eine Anlageberatung.
Warum Rohstoffe überhaupt ins Depot?
Der Hauptgrund für eine Rohstoffbeimischung ist Diversifikation. Rohstoffpreise folgen anderen Treibern als Unternehmensgewinne: Angebot und Nachfrage am physischen Markt, Wetter, Förderquoten, Lagerbestände und geopolitische Ereignisse. In manchen Phasen, etwa bei einem Inflationsschub, haben sich Rohstoffe historisch besser gehalten als klassische Anlageklassen. Das macht sie zu einem potenziellen Inflationsschutz und zu einem Baustein, der die Schwankungen des Gesamtdepots glätten kann.
Wichtig ist die Betonung auf kann. Der Zusammenhang ist nicht stabil, und es gibt lange Phasen, in denen breite Rohstoffkörbe real Geld verlieren. Rohstoffe werfen anders als Aktien oder Anleihen keine laufenden Erträge ab, keine Dividende, keinen Zins. Die Rendite muss allein aus dem Preis kommen. Deshalb eignen sie sich als kleine Beimischung, nicht als Kern eines langfristigen Depots.
Der entscheidende Haken: Contango und Rollverluste
Wer keinen physischen Rohstoff kaufen will, investiert über Terminkontrakte (Futures). Genau das tun breite Rohstoff-ETFs, die einen Index wie den Bloomberg Commodity Index nachbilden. Futures laufen aus und müssen laufend in den nächsten Kontrakt gerollt werden. Ist der spätere Kontrakt teurer als der aktuelle, spricht man von Contango. Beim Rollen entstehen dann Verluste, selbst wenn der Kassapreis des Rohstoffs unverändert bleibt.
Diese Rollverluste sind kein Detail, sondern haben in der Vergangenheit über lange Zeiträume erhebliche Teile der Rendite aufgezehrt. Im umgekehrten Fall (Backwardation, der spätere Kontrakt ist billiger) entstehen Rollgewinne. Wer einen Rohstoff-ETF kauft, wettet also nicht nur auf steigende Rohstoffpreise, sondern erbt zusätzlich die Rollstruktur der Terminmärkte. Das sollte man verstanden haben, bevor man investiert.
Zyklik: Rohstoffe sind kein Selbstläufer
Rohstoffmärkte sind ausgeprägt zyklisch. Hohe Preise ziehen Investitionen in neue Förderung und Kapazitäten nach sich, das Angebot steigt zeitverzögert, und die Preise fallen wieder. Umgekehrt führt Unterinvestition irgendwann zu Knappheit und steigenden Preisen. Diese Zyklen können viele Jahre dauern. Einzelne Rohstoffe wie Kupfer profitieren strukturell von Themen wie Elektrifizierung und Netzausbau, aber auch hier gilt: Nachfragetrends sind das eine, das Angebot und die Preisbildung am Terminmarkt das andere. Eine sichere Einbahnstraße nach oben gibt es nicht.
Zwei Bausteine für Privatanleger
Für die Umsetzung als Privatanleger sind vor allem zwei Wege gebräuchlich, die sich in Struktur, Kosten und Besteuerung deutlich unterscheiden.
Breiter Rohstoffkorb über einen UCITS-ETF
Ein diversifizierter Ansatz bildet einen breiten Index über viele Sektoren ab: Energie, Edelmetalle, Industriemetalle, Agrar und Vieh. Ein in Deutschland handelbares Beispiel ist der iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF (ISIN IE00BDFL4P12), der den Bloomberg Commodity Index abbildet. Die laufenden Kosten liegen bei 0,19 Prozent pro Jahr, der Fonds ist thesaurierend, in Irland domiziliert und repliziert den Index synthetisch über einen Swap (Stand Juli 2026, Quellen: justETF und extraETF). Synthetisch bedeutet, dass die Wertentwicklung über ein Tauschgeschäft mit einer Gegenpartei nachgebildet wird, statt einzelne Futures direkt zu halten. Das ist bei breiten Rohstoffindizes üblich, bringt aber ein gewisses Kontrahentenrisiko mit sich.
Steuerlich ist wichtig: Ein breiter Rohstoff-ETF gilt nicht als Aktienfonds und erhält deshalb keine Teilfreistellung. Kursgewinne unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag (zusammen 26,375 Prozent, zuzüglich gegebenenfalls Kirchensteuer).
Physisches Gold über einen ETC
Wer gezielt Gold als Absicherung möchte, greift meist zu einem physisch hinterlegten Gold-ETC. Ein bekanntes, in Deutschland handelbares Beispiel ist Xetra-Gold (ISIN DE000A0S9GB0) der Deutsche Börse Commodities GmbH. Jeder Anteil verbrieft einen Anspruch auf physisches Gold, das in Deutschland verwahrt wird. Eine klassische Verwaltungsgebühr fällt nicht an, allerdings berechnet der Emittent ein Verwahrentgelt (rund 0,36 Prozent pro Jahr inklusive Umsatzsteuer, je nach Depotbank), sodass der Werbeslogan von 0,00 Prozent laufenden Kosten irreführend wäre (Quellen: justETF und finanzfluss, Stand Juli 2026).
Ein Vorteil betrifft die Steuer: Weil Xetra-Gold einen Lieferanspruch auf physisches Gold verbrieft, hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass Veräußerungsgewinne wie bei physischem Gold nach einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei sind. Bei einem breiten Rohstoff-ETF gilt das nicht. Bitte beachten: Steuerregeln können sich ändern, und die individuelle Situation sollte im Zweifel mit einem Steuerberater geklärt werden.
Wie viel Rohstoffe ins Depot?
Eine belastbare Faustregel gibt es nicht, aber in der Praxis wird eine Rohstoffbeimischung meist klein gehalten, häufig im einstelligen Prozentbereich des Gesamtdepots. Der Sinn ist Diversifikation und ein möglicher Inflationspuffer, nicht die Renditeerwartung. Wer Gold und breite Rohstoffe kombiniert, sollte sich der unterschiedlichen Eigenschaften bewusst sein: Gold ist eher ein Krisen- und Währungsbaustein, ein breiter Korb bildet die konjunkturabhängige Rohstoffnachfrage ab.
Die Umsetzung ist unkompliziert. Beide Produkte lassen sich bei gängigen Neobrokern und Direktbanken handeln, teils auch als Sparplan. Bei Trade Republic und Scalable Capital etwa lassen sich ETFs und viele ETCs kostengünstig besparen. Achten Sie beim Handel von ETCs auf die Handelsspanne (Spread) und wählen Sie liquide Handelszeiten.
Weiterlesen
Wer tiefer einsteigen will, findet in unseren weiterführenden Beiträgen mehr Kontext: Rohstoffmärkte im Wandel und neue Chancen für Privatanleger sowie Rohstoff-ETFs und wie sich die langfristige Performance optimieren lässt.
Fazit
Rohstoffe sind 2026 ein sinnvoller, aber keineswegs risikoloser Diversifikationsbaustein. Sie können in Inflationsphasen puffern und laufen anders als der Aktienmarkt, kosten aber Rendite durch Rollverluste, werfen keine laufenden Erträge ab und schwanken stark. Als kleine Beimischung, über einen breiten UCITS-ETF und ergänzend einen physischen Gold-ETC, lassen sie sich sauber umsetzen. Entscheidend ist, die Mechanik (Contango, Zyklik, Besteuerung) verstanden zu haben und die Position bewusst klein zu halten.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links (mit „sponsored" gekennzeichnet). Schließen Sie über einen solchen Link ein Produkt ab, erhalten wir gegebenenfalls eine Provision. Für Sie entstehen dadurch keine Mehrkosten. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar und ersetzt keine individuelle Beratung. Alle Angaben nach bestem Wissen, Stand Juli 2026, ohne Gewähr.
Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.
Mehr zum Thema:
rohstoffeETFsagrarrohstoffeGeldanlageportfolio