Seltene Erden-ETFs: Profitieren vom Chinas Rohstoff-Poker
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Seltene Erden-ETFs: Chance auf Profit im Technologie-Boom. Diese 17 Metalle sind unverzichtbar für Zukunftstechnologien wie KI und E-Autos. ETFs bieten Anlegern Zugang zu diesem volatilen, aber vielversprechenden Markt. Geopolitische Risiken durch Chinas Dominanz beachten.
Seltene-Erden-ETFs und Chinas Rohstoff-Poker
Neodym, Dysprosium, Terbium: Diese sperrig klingenden Elemente gehören zu den 17 Seltenen Erden, ohne die kaum ein modernes Hightech-Produkt funktioniert. Sie stecken in den Hochleistungsmagneten von Elektromotoren, Windkraftturbinen, Rüstungselektronik und den Servern, die den KI-Boom antreiben. 2025 sind diese Rohstoffe endgültig ins Zentrum der Geopolitik gerückt, weil China seine Marktmacht als handfestes Druckmittel einsetzt. Für Anleger klingt das nach Chance, ist aber vor allem eines: extrem volatil und politisch getrieben.
Dieser Beitrag zeigt, welche für deutsche Anleger handelbaren UCITS-ETFs es überhaupt gibt, wie der aktuelle Stand im chinesisch-amerikanischen Rohstoff-Poker ist und warum du dieses Thema nur mit sehr spitzer Feder anfassen solltest. Stand: Juli 2026.
Chinas Exportpoker: der Stand 2025/2026
China kontrolliert rund 60 bis 70 Prozent der weltweiten Förderung Seltener Erden und, wichtiger noch, etwa 90 Prozent der Weiterverarbeitung und Raffination. Diese Verarbeitungsdominanz ist der eigentliche Hebel, und Peking hat 2025 mehrfach daran gezogen:
- April 2025: China verhängte Exportkontrollen auf sieben schwere Seltene Erden sowie auf zugehörige Verbindungen, Metalle und fertige Magnete. Für jede Ausfuhr ist seither eine Lizenz nötig (Prinzip "eine Charge, eine Lizenz"), mit teils wochenlangen Bearbeitungszeiten. Diese Kontrollen sind weiterhin in Kraft.
- Oktober 2025: Eine zweite Welle weitete die Kontrollen aus, inklusive einer extraterritorialen Regel: Selbst ausländische Magnete mit nur 0,1 Prozent chinesischem Material oder mit chinesischer Prozesstechnologie sollten genehmigungspflichtig werden. Diese Oktober-Verschärfung wurde im November 2025 im Rahmen einer Handels-Teilentspannung für ein Jahr ausgesetzt, im Gegenzug zu einer US-Konzession.
- Gallium, Germanium, Antimon: Der Ende 2024 verhängte Exportstopp dieser Halbleiter- und Rüstungsrohstoffe in die USA wurde ebenfalls vorübergehend ausgesetzt (bis Ende November 2026).
Die Wirkung war messbar: Chinas Magnetexporte nach Japan und Südkorea brachen zwischen März und Mai 2025 um über 90 Prozent ein. Genau diese Sprunghaftigkeit ist der Kern der Investmentstory und zugleich ihr größtes Risiko. Wer hier investiert, wettet weniger auf einen stetigen Nachfragetrend als auf politische Schlagzeilen. Wie sich Rohstoff-Nationalismus generell auf Portfolios auswirkt, ordnen wir im Beitrag zu Rohstoff-Nationalismus und globalen Machtverschiebungen ein.
Warum die Nachfrage strukturell steigt
Jenseits der Tagespolitik gibt es einen realen Nachfragetreiber. Seltene Erden, insbesondere Neodym und Praseodym, sind zentral für Permanentmagnete. Diese Magnete stecken in:
- Elektromotoren von E-Autos
- Getriebelosen Windkraftanlagen
- Rechenzentren und Kühlsystemen für KI-Chips
- Rüstungs- und Medizintechnik
Die Verbindung zwischen Rechenleistung und kritischen Rohstoffen beleuchten wir im Detail im Beitrag zum KI-Goldrausch bei Seltenen Erdmetallen. Wichtig für die Erwartungshaltung: Steigende Nachfrage heißt nicht automatisch steigende Kurse der einschlägigen Aktien, denn ein Großteil der Wertschöpfung findet in China statt und nicht bei den westlich gelisteten Minenunternehmen.
Handelbare UCITS-ETFs für deutsche Anleger
Viele bekannte Rohstoff-ETFs, etwa der US-Fonds REMX, sind für deutsche Privatanleger nicht ohne Weiteres handelbar. Achte auf die UCITS-Variante. Aktuell gibt es faktisch ein einziges reines Seltene-Erden-Produkt in UCITS-Form:
- VanEck Rare Earth and Strategic Metals UCITS ETF (ISIN IE0002PG6CA6, WKN A3CRL9). Er bildet den MVIS Global Rare Earth/Strategic Metals Index ab, ist thesaurierend, in Irland domiziliert und laut justETF und Emittent mit einer laufenden Kostenquote (TER) von 0,59 Prozent p.a. sowie einem Fondsvolumen im Bereich von rund 1,1 Milliarden Euro der einzige ETF auf diesen Index. Achtung: Der Fonds ist stark auf wenige Titel und geografisch auf China und Australien konzentriert, also alles andere als breit gestreut.
Wer breiter in kritische Metalle statt nur in Seltene Erden investieren will, findet mit dem HANetf Sprott Energy Transition Materials UCITS ETF (ISIN IE000K6PPGX7, TER 0,75 Prozent p.a.) eine Alternative. Er umfasst neben Seltenen Erden auch Kupfer, Lithium, Nickel, Kobalt und Graphit. Ehrliche Einordnung: Dieser Fonds ist mit einem Volumen von nur wenigen Millionen Euro sehr klein, was das Risiko einer Schließung (Liquidation) erhöht, und er ist kein reines Seltene-Erden-Investment.
Einen umfassenderen Vergleich der Produkte und ihrer Kostenstrukturen findest du in unserem Beitrag zu Seltene-Erden-Indexfonds: Chancen und Risiken im globalen Tech-Rennen.
So kaufst du diese Nischen-ETFs
Beide UCITS-ETFs lassen sich über gängige Neobroker handeln, teils auch als Sparplan. Bei Trade Republic und Scalable Capital sind der VanEck- und der Sprott-ETF grundsätzlich verfügbar. Prüfe vor dem Kauf im jeweiligen Depot die konkrete Handelbarkeit und die Sparplan-Konditionen, denn bei Nischenprodukten kann die Verfügbarkeit variieren.
Ein Hinweis zu den Kosten des Handels: Ab dem 1. Juli 2026 gilt in der EU das Verbot der sogenannten Payment for Order Flow (PFOF). Das betrifft das Geschäftsmodell hinter vielen "kostenlosen" Neobroker-Trades und kann sich mittelfristig auf Ordergebühren und Spreads auswirken. Die genauen Konditionen deines Brokers solltest du daher aktuell im Blick behalten.
Die Risiken, ungeschönt
Seltene-Erden-ETFs sind keine Basisanlage, sondern eine spekulative Beimischung. Die wichtigsten Risiken:
- Extreme Preis- und Kursvolatilität: Der VanEck-ETF hat in den Jahren nach dem Hoch 2021/2022 deutlich verloren. Politische Nachrichten können den Kurs binnen Tagen zweistellig bewegen, in beide Richtungen.
- Politik statt Fundamentaldaten: Der Kurs hängt weniger an Unternehmensgewinnen als an Pekings Exportpolitik und an Handelsdeals zwischen den USA und China. Eine Entspannung, wie die Aussetzung im November 2025, kann Preise ebenso schnell fallen wie steigen lassen.
- Klumpenrisiko: Wenige Titel und eine starke geografische Konzentration auf China und Australien bedeuten geringe Diversifikation innerhalb des ETFs.
- China-Abhängigkeit im Portfolio: Viele der enthaltenen Firmen sitzen in China oder sind von chinesischer Verarbeitung abhängig, was das geopolitische Risiko doppelt einbaut.
- Substitution und Recycling: Forscher arbeiten an Magneten mit weniger oder ganz ohne Seltene Erden, und das Recycling aus Elektronikschrott wächst. Durchbrüche hier könnten die Nachfrage nach Primärrohstoffen langfristig dämpfen.
Als Faustregel gilt: Wenn überhaupt, gehört ein solches Thema nur mit einem kleinen, klar begrenzten Anteil ins Depot, den man auch komplett verschmerzen könnte.
Steuerliche Einordnung
Beide genannten ETFs sind Aktien-ETFs im Sinne des Investmentsteuerrechts (Aktienquote über 51 Prozent) und profitieren damit von der Teilfreistellung von 30 Prozent auf Erträge. Auf den steuerpflichtigen Teil fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli an, zusammen 26,375 Prozent, gegebenenfalls zuzüglich Kirchensteuer. Der Sparerpauschbetrag liegt bei 1.000 Euro pro Person (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung). Bei thesaurierenden Fonds wird zudem die jährliche Vorabpauschale fällig, deren Basiszins das BMF für 2026 auf 3,20 Prozent festgesetzt hat.
Fazit
Chinas Rohstoff-Poker macht Seltene Erden zu einem der spannendsten und zugleich riskantesten Nischenthemen an der Börse. Für deutsche Anleger gibt es mit dem VanEck Rare Earth and Strategic Metals UCITS ETF und, breiter aufgestellt, dem HANetf Sprott Energy Transition Materials UCITS ETF handelbare Zugänge. Beide sind hochvolatil, konzentriert und politikgetrieben. Wer investiert, sollte das mit kühlem Kopf, kleiner Positionsgröße und dem klaren Bewusstsein tun, dass hier weniger ein stetiger Megatrend als ein geopolitisches Wettspiel gehandelt wird.
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