Abfindung clever anlegen: Steuern sparen mit der Fünftelregelung und Vermögen aufbauen

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Seit 2025 wendet dein Arbeitgeber die Fünftelregelung nicht mehr automatisch an, du musst sie selbst über die Steuererklärung holen. Was das für deine Abfindung bedeutet und wie du das Geld danach klug anlegst.

Abfindung clever anlegen: Steuern sparen mit der Fünftelregelung und Vermögen aufbauen
Foto: Pixabay / Pexels

Stand: Juni 2026. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links: Schließt du über einen solchen Link ein Produkt ab, kann etf.capital eine Provision erhalten. Für dich ändert sich am Preis nichts.

Eine Abfindung ist erst einmal ein Glücksfall im Unglück: Der Job ist weg, aber auf dem Konto landet eine größere Summe. Die zwei Fragen, die dann zählen, hängen eng zusammen. Wie viel davon frisst das Finanzamt? Und was machst du mit dem Rest, damit er nicht auf dem Girokonto verpufft? Die kurze Antwort vorweg: Mit der sogenannten Fünftelregelung lässt sich die Steuerlast auf die Abfindung spürbar drücken. Seit 2025 musst du dafür aber selbst aktiv werden, weil dein Arbeitgeber sie nicht mehr automatisch berücksichtigt. Und beim Anlegen gilt eine klare Reihenfolge: erst Sicherheit, dann teure Schulden weg, dann breit gestreut investieren.

Das Wichtigste zuerst: Was sich 2025 bei der Fünftelregelung geändert hat

Die zentrale Neuerung, die in vielen älteren Ratgebern noch falsch steht: Seit dem 1. Januar 2025 wendet dein Arbeitgeber die Fünftelregelung beim Lohnsteuerabzug nicht mehr an. Grundlage ist das Wachstumschancengesetz, das den entsprechenden Passus im Lohnsteuerverfahren gestrichen hat. Dein Arbeitgeber zieht von der Abfindung also zunächst die volle Lohnsteuer nach dem normalen Tarif ab, so als wäre es ein extrem hohes Monatsgehalt.

Wichtig: Die Steuervergünstigung selbst ist nicht abgeschafft. Sie steht weiterhin in § 34 Einkommensteuergesetz (EStG) und gilt unverändert. Geändert hat sich nur der Weg dorthin: Du holst dir den Vorteil jetzt über deine Einkommensteuererklärung im Folgejahr zurück. Bekommst du die Abfindung 2026, beantragst du die Fünftelregelung also in der Steuererklärung für 2026, die du Anfang bis Mitte 2027 abgibst. Das Finanzamt prüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, und erstattet dir die zu viel gezahlte Steuer.

Die praktische Folge ist ein Liquiditätsnachteil, kein dauerhafter Verlust: Du legst dem Staat einige tausend Euro zinslos vor und bekommst sie erst Monate später zurück. Wer 2025 oder später eine Abfindung erhält und vorher keine Steuererklärung abgegeben hat, kommt um eine jetzt nicht mehr herum, sonst verschenkt er den kompletten Steuervorteil. Plane diese Verzögerung in deine Liquidität ein, bevor du das Geld fest verplanst.

Wie die Fünftelregelung funktioniert

Eine Abfindung trifft dich steuerlich hart, weil das deutsche Steuersystem progressiv ist: Je höher das Einkommen in einem Jahr, desto höher der Steuersatz auf den oberen Teil. Eine Einmalzahlung von beispielsweise 60.000 Euro schiebt dich für dieses eine Jahr in einen sehr hohen Grenzsteuersatz, obwohl die Summe wirtschaftlich für mehrere Jahre gedacht ist.

Genau hier setzt § 34 EStG an. Vereinfacht gesagt rechnet das Finanzamt so: Es nimmt nur ein Fünftel der Abfindung, addiert es zu deinem übrigen zu versteuernden Einkommen und ermittelt die Mehrsteuer, die allein durch dieses eine Fünftel entsteht. Diese Mehrsteuer wird dann mit fünf multipliziert. Weil die Steuerprogression so auf einem niedrigeren Niveau ansetzt, fällt die Gesamtsteuer geringer aus, als wenn die volle Abfindung auf einen Schlag versteuert würde. Im Gesetzestext klingt das sperrig, das Prinzip ist aber simpel: Der Sprung in der Progression wird gedämpft.

Wie groß die Ersparnis ausfällt, hängt stark von deinem sonstigen Einkommen ab. Finanztip rechnet ein Beispiel durch: Bei 40.000 Euro Abfindung und 50.000 Euro sonstigem Einkommen sinkt die Steuerlast von rund 27.714 auf 26.100 Euro, also etwa 1.614 Euro Ersparnis. Verdienst du im Abfindungsjahr dagegen wenig oder nichts, weil du das ganze Jahr arbeitslos bist, kann der Effekt deutlich größer sein.

Voraussetzung: Zusammenballung von Einkünften

Die Fünftelregelung gibt es nicht geschenkt. Es muss eine sogenannte Zusammenballung von Einkünften vorliegen. Das bedeutet: Durch die Abfindung musst du in dem betreffenden Jahr mehr einnehmen, als du bei normaler Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses verdient hättest. Außerdem muss die Zahlung eine echte Entschädigung für entgangene oder entgehende Einnahmen sein, sie muss also wegen der Auflösung des Arbeitsverhältnisses fließen. Nachgezahlter Lohn, ausstehende Boni oder Urlaubsabgeltung zählen nicht, weil das bereits verdientes Geld ist.

Eine technische Falle: Die Abfindung sollte grundsätzlich in einem einzigen Kalenderjahr zufließen. Wird sie auf zwei Jahre gestückelt, kann die Zusammenballung kippen und damit der Steuervorteil. Kleine Teilzahlungen aus sozialer Fürsorge sind in engen Grenzen unschädlich, aber das ist Detailarbeit für den Steuerberater. Wenn dein Arbeitgeber dir anbietet, die Auszahlung über den Jahreswechsel zu strecken, prüfe das vorher genau.

Drei Hebel, um die Steuer auf die Abfindung zu senken

Über die reine Fünftelregelung hinaus gibt es legale Gestaltungsspielräume. Sie wirken besonders dann, wenn du sie vor der Auszahlung mit Arbeitgeber und Steuerberater abstimmst.

  • Auszahlungszeitpunkt steuern. Die Fünftelregelung wirkt am stärksten, wenn dein übriges Einkommen im Auszahlungsjahr niedrig ist. Wer ohnehin zum Jahresende ausscheidet und im Folgejahr zunächst wenig verdient, fährt mit einer Auszahlung im Januar des neuen Jahres oft besser als im Dezember des alten.
  • In die Altersvorsorge umlenken. Ein Teil der Abfindung lässt sich steuer- und sozialabgabenbegünstigt in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen. Steuerfrei sind 2026 bis zu 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung, die bei 101.400 Euro im Jahr liegt, also bis zu 8.112 Euro. Für Abfindungen gibt es zusätzlich die Vervielfältigungsregelung, mit der je nach Beschäftigungsdauer höhere Beträge möglich sind. Das lohnt vor allem, wenn du das Geld langfristig nicht brauchst.
  • Werbungskosten und Sonderausgaben bündeln. Kosten für Bewerbungen, Weiterbildung, eine Outplacement-Beratung oder den Anwalt im Kündigungsstreit mindern dein zu versteuerndes Einkommen. Im Abfindungsjahr ist das besonders wertvoll, weil dein Grenzsteuersatz dann hoch ist.

Ein Hinweis zur Sozialversicherung: Eine echte Abfindung als Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes ist beitragsfrei in der Sozialversicherung. Eine Ausnahme betrifft freiwillig gesetzlich Krankenversicherte, bei denen unter Umständen Beiträge anfallen können. Auch das gehört in die Vorab-Planung.

Vom Steuern sparen zum Vermögen aufbauen

Steht fest, was netto übrig bleibt, kommt der zweite Teil. Hier macht es einen großen Unterschied, ob du strukturiert vorgehst oder spontan. Halte dich an eine einfache Reihenfolge, bevor du auch nur einen Euro in den Aktienmarkt steckst.

  1. Notgroschen auffüllen. Drei bis sechs Netto-Monatsausgaben gehören auf ein jederzeit verfügbares Konto, nicht in Aktien. Wenn du gerade den Job verloren hast, ist dieser Puffer wichtiger denn je. Für diesen Teil eignen sich Tagesgeld oder ein Geldmarktkonto, weil das Geld sicher und schnell verfügbar bleibt. Wie ein solches Konto funktioniert, erklärt unser Geldmarktkonto-Guide.
  2. Teure Schulden tilgen. Ein Dispokredit oder Konsumkredit mit 8, 10 oder mehr Prozent Zinsen ist eine garantierte Negativrendite. Keine seriöse Geldanlage schlägt diese Zinslast zuverlässig. Solche Schulden zuerst wegzuräumen ist die risikofreieste Rendite, die du bekommen kannst.
  3. Den Rest langfristig anlegen. Erst jetzt geht es ans Investieren, und zwar nur mit Geld, das du in den nächsten Jahren nicht brauchst.

Alles auf einmal oder gestaffelt einsteigen?

Die häufigste Frage bei einer größeren Summe: Soll ich alles sofort investieren oder lieber über Monate verteilt? Gefühlt wirkt das Verteilen sicherer. Die Datenlage spricht aber für die Einmalanlage. Eine viel zitierte Vanguard-Untersuchung über die Märkte USA, Großbritannien und Australien kam zu dem Ergebnis, dass die sofortige Einmalanlage das gestaffelte Einsteigen in rund zwei Dritteln der untersuchten Zeiträume geschlagen hat. Der Grund ist unspektakulär: Märkte steigen häufiger, als sie fallen, und wer wartet, bleibt im Schnitt länger an der Seitenlinie.

Das ist eine Wahrscheinlichkeitsaussage, keine Garantie. Wenn dir die Vorstellung schlaflose Nächte bereitet, die ganze Abfindung am Tag vor einem Crash investiert zu haben, ist ein Mittelweg legitim: die Summe über sechs bis zwölf Monate in festen Tranchen einzahlen. Das kostet dich statistisch etwas Rendite, schützt aber vor der Panikreaktion, im Tief alles wieder zu verkaufen. Diszipliniert durchgehalten schlägt jede Strategie das ständige Hin und Her.

Womit anlegen?

Für den langfristigen Teil ist ein breit gestreutes Weltportfolio aus ETFs für die meisten Privatanleger die solideste Basis. Ein einzelner ETF auf einen Weltindex bildet tausende Unternehmen aus Industrieländern ab. Welche konkreten Produkte sich eignen und worauf du bei Kosten und Replikationsmethode achten solltest, haben wir im Vergleich der besten MSCI-World-ETFs aufbereitet. Magst du laufende Ausschüttungen statt reiner Kursgewinne, ist ein Blick auf Dividenden-ETFs im Vergleich sinnvoll. Wer das Ganze nicht selbst steuern will, findet in einem Robo-Advisor eine Lösung, die Portfolio und Rebalancing übernimmt, dafür aber eine zusätzliche Servicegebühr kostet.

Die laufenden Kosten sind der Hebel, den du selbst in der Hand hast. Ein breiter Welt-ETF kostet oft rund 0,2 Prozent pro Jahr, also etwa 20 Euro je 10.000 Euro angelegtem Kapital. Vergiss auch den Sparerpauschbetrag nicht: Seit 2023 bleiben 1.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr steuerfrei (2.000 Euro bei gemeinsam veranlagten Paaren), wenn du bei deiner Bank einen Freistellungsauftrag einrichtest.

Rechenbeispiel: 60.000 Euro Abfindung

Nehmen wir an, du erhältst 2026 eine Abfindung von 60.000 Euro und hast in diesem Jahr nur noch wenig sonstiges Einkommen, weil du zum Jahresanfang ausgeschieden bist. Dein Arbeitgeber behält zunächst nach normalem Tarif Lohnsteuer ein, die Fünftelregelung holst du dir 2027 über die Steuererklärung zurück. Was du mit dem Netto sinnvoll anstellst, könnte so aussehen:

VerwendungBetragWarum
Notgroschen auf Tagesgeld/Geldmarkt15.000 €Puffer für die Jobsuche, jederzeit verfügbar
Dispo-/Konsumkredit tilgen5.000 €Garantierte Ersparnis bei hohen Kreditzinsen
Welt-ETF-Portfolio35.000 €Langfristiger Vermögensaufbau, breit gestreut
Reserve für Steuernachzahlung/Liquidität5.000 €Falls die Erstattung erst spät kommt

Die Zahlen sind illustrativ und ersetzen keine individuelle Planung. Wer keine teuren Schulden hat, lenkt diesen Anteil in den Anlageteil oder die Altersvorsorge. Wer einen Immobilienkauf plant, hält den dafür nötigen Teil bewusst aus dem Aktienmarkt heraus, weil ein Anlagehorizont unter fünf Jahren für Aktien zu kurz ist.

Die ehrliche Risikoseite

Aktien-ETFs können kurzfristig 30, 40 Prozent oder mehr verlieren. Wer Geld investiert, das er in zwei Jahren für die Anzahlung einer Wohnung braucht, spielt mit dem falschen Topf. Der zweite Stolperstein ist die Steuer: Verlässt du dich darauf, dass die Fünftelregelung automatisch greift, wirst du seit 2025 enttäuscht, du musst die Erklärung abgeben. Und drittens ist die Steuergestaltung bei großen Abfindungen schnell komplex. Ab einer fünfstelligen Summe ist das Honorar für einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein meist gut investiert, weil ein einziger Fehler beim Auszahlungszeitpunkt mehr kosten kann als die Beratung.

Wenn dir ein Teil der Abfindung als kurzfristig parkbare Reserve dienen soll, lies dir an, wie verzinste Tagesgeld-Alternativen funktionieren, etwa in unserem Beitrag zu LIQID Income als Tagesgeld-Alternative.

Fazit

Eine Abfindung ist die Chance, einen finanziellen Grundstein zu legen, aber nur, wenn du beide Hälften ernst nimmst. Steuerlich gilt seit 2025: Die Fünftelregelung ist nicht weg, du musst sie dir nur selbst über die Steuererklärung holen, und das kostet dich vorübergehend Liquidität. Bei der Anlage zählt die Reihenfolge aus Notgroschen, Schuldentilgung und breit gestreutem Investieren mehr als jeder Markt-Geheimtipp. Wer beides sauber durchzieht, macht aus dem Ende eines Jobs den Anfang eines Vermögens.

Dieser Artikel ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Für deine individuelle Situation, insbesondere bei der konkreten Steuergestaltung der Abfindung, wende dich an einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein.

Quellen

Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.

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