Cannabis Aktien kaufen? Diese Firmen sind einen Blick wert

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Cannabis-Aktien zu kaufen, könnte sich nun und mit einem mittelfristigen Anlagehorizont lohnen - aber welche Unternehmen kommen in Frage?

Cannabis Aktien kaufen? Diese Firmen sind einen Blick wert

Cannabis-Aktien waren 2021 einer der größten Hype-Werte an der Börse. Wer damals eingestiegen ist, sitzt heute in vielen Fällen auf Verlusten von 90 Prozent und mehr. Dieser Artikel wurde grundlegend überarbeitet und zeigt ehrlich, wie der Sektor Stand Juli 2026 tatsächlich dasteht: Was hat sich bei der US-Reklassifizierung und der deutschen Teil-Legalisierung getan, welche Aktien sind noch übrig, und warum es aktuell praktisch keine handelbaren Cannabis-ETFs in Europa mehr gibt.

Die wichtigste Wahrheit zuerst: Der Sektor ist eingebrochen

Nach dem Hype von 2021 hat der gesamte börsennotierte Cannabis-Sektor massiv an Wert verloren. Die einstigen Aushängeschilder notieren heute weit über 80, teils über 99 Prozent unter ihren Höchstständen:

  • Tilray (ISIN CA88688T1003): rund 4,60 USD (Stand: Anfang Juli 2026) gegenüber einem Höchststand von über 200 USD in 2021. Marktkapitalisierung nur noch etwa 550 Millionen USD.
  • Canopy Growth (ISIN CA1380351009): rund 1 USD, ein Minus von über 99 Prozent gegenüber dem Hoch.
  • Aurora Cannabis: rund 3,50 USD, ebenfalls über 96 Prozent unter dem Hoch.

Wer über ein Investment in Cannabis-Aktien nachdenkt, sollte sich diese Zahlen vor Augen halten. Es handelt sich um einen hochspekulativen Sektor, der seit Jahren mit Verlusten, Verwässerung durch Kapitalerhöhungen und regulatorischer Unsicherheit kämpft. Kein seriöser Text kann hier ein sicheres Kursziel versprechen.

US-Reklassifizierung 2026: Was wirklich passiert ist

Die größte regulatorische Bewegung seit Jahren fand 2026 statt. Nach einer Executive Order von Präsident Trump im Dezember 2025 hat das US-Justizministerium den festgefahrenen Rescheduling-Prozess beschleunigt. Das Ergebnis:

  • Mit Wirkung zum 28. April 2026 hat die DEA zwei eng abgegrenzte Kategorien von Schedule I nach Schedule III herabgestuft: FDA-zugelassene Arzneimittel mit Cannabis-Bestandteilen sowie Cannabis, das einer bundesstaatlichen medizinischen Cannabis-Lizenz unterliegt.
  • Freizeit-Cannabis bleibt in Schedule I. Die vollständige, bundesweite Legalisierung ist also weiterhin nicht erfolgt.
  • Eine erweiterte Anhörung der DEA lief vom 29. Juni bis voraussichtlich 15. Juli 2026, in der geprüft wird, ob Cannabis breiter nach Schedule III eingestuft werden soll. Es gibt dazu laufende rechtliche Einwände.

Wichtig für Anleger: Eine Einstufung in Schedule III würde vor allem eine steuerliche Erleichterung für US-Cannabis-Firmen bedeuten (Wegfall der Steuerregel 280E). Sie legalisiert Cannabis aber nicht bundesweit. Die Kursreaktionen auf die Ankündigungen waren zudem widersprüchlich, auf Hoffnungsrallyes folgten teils Abverkäufe.

SAFE Banking Act: immer noch nicht durch

Der SAFE Banking Act, der Banken den Umgang mit legalen Cannabis-Unternehmen erleichtern würde, wurde im Juni 2026 erneut in beide Kammern des Kongresses eingebracht (Senat am 24. Juni, Repräsentantenhaus am 25. Juni 2026). Das Gesetz hat das Repräsentantenhaus bereits mehrfach passiert, ist aber bis heute nie durch den Senat gekommen. Es gibt also weiterhin keine Sicherheit, dass es Gesetz wird.

Deutschland: Teil-Legalisierung und der Medizin-Boom

Seit dem 1. April 2024 ist der Besitz und Eigenanbau von Cannabis in Deutschland unter dem Konsumcannabisgesetz (KCanG) für Erwachsene in engen Grenzen legal. Der kommerzielle Verkauf in Fachgeschäften (die sogenannte Säule 2 mit regionalen Modellprojekten) ist Stand Juli 2026 aber noch nicht gestartet. Erste Ausschreibungen für Modellregionen werden frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2026 erwartet, ein flächendeckender legaler Verkauf existiert nicht.

Deutlich dynamischer entwickelte sich der Markt für medizinisches Cannabis. Nach der Herausnahme aus dem Betäubungsmittelrecht stiegen Importe und Patientenzahlen stark: In einem 12-Monats-Zeitraum wurden über 218 Tonnen medizinisches Cannabis importiert, die Zahl der Patienten stieg auf über 900.000. Wichtig für die ehrliche Einordnung: Im ersten Quartal 2026 gingen die Importe erstmals seit zwei Jahren zurück (rund 50,5 Tonnen), und die Politik plant Einschränkungen, unter anderem ein mögliches Verbot des Versandhandels mit Cannabisblüten und strengere Regeln für Telemedizin-Rezepte. Der Boom ist also kein Selbstläufer.

Handelbare Cannabis-ETFs: Das große Problem

Hier hat sich die Lage seit der letzten Version dieses Artikels grundlegend geändert und zwar zum Schlechteren. Der früher hier empfohlene Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF (ISIN IE00BJXRZ273, Ticker FLWR) existiert nicht mehr. Nachdem ARK Invest den Anbieter Rize übernommen hatte, wurde der Fonds mangels Volumen liquidiert.

Auch der zweite europäische Anlauf, der HANetf Medical Cannabis and Wellness UCITS ETF (CBDX), wurde bereits vorher als „nicht mehr tragfähig“ in einen breiteren Gesundheits-ETF verschmolzen. Das Fazit ist unbequem, aber wichtig:

  • Es gibt Stand Juli 2026 praktisch keinen breit gestreuten, in Europa handelbaren Cannabis-ETF mehr.

Der Grund ist genau die Sektorschwäche, die dieser Artikel beschreibt: Zu viele Pure-Play-Firmen wurden zu klein oder verschwanden ganz von der Börse, sodass die zugrunde liegenden Indizes zusammenschrumpften. Wer trotzdem in das Thema investieren will, ist damit faktisch auf Einzelaktien oder auf US-notierte, für deutsche Privatanleger oft schwer oder gar nicht handelbare ETFs zurückgeworfen. Wenn du verstehen willst, wie stark Gebühren und Fondsgröße über den Erfolg entscheiden, hilft unser Grundlagenartikel zu den ETF-Kosten.

Wenn überhaupt: breit streuen statt auf einen Namen setzen

Cannabis ist ein winziger, spekulativer Nischensektor. Für die allermeisten Anleger gehört so etwas höchstens als kleine Beimischung ins Depot und niemals als Kern. Wer Cannabis-Aktien handeln möchte, braucht zunächst ein Depot, in dem Einzelaktien und Sparpläne günstig verfügbar sind. Zwei in Deutschland weit verbreitete Broker sind:

  • Trade Republic – mobiler Neobroker mit sehr günstigen Ordergebühren und großer Sparplan-Auswahl.
  • Scalable Capital – Broker mit Flatrate-Modell für Vieltrader und breitem ETF- und Aktienangebot.

Ob ein Broker die konkrete Cannabis-Aktie handelbar anbietet, solltest du vor dem Kauf im jeweiligen Angebot prüfen, gerade kleinere kanadische oder US-Nebenwerte sind nicht überall verfügbar. Grundsätzliches zur Funktionsweise breit gestreuter Fonds findest du in unserem Artikel Was ist ein ETF?, und wie sich der Gesamtmarkt auf einzelne Branchen auswirkt, erklären wir am Beispiel Konjunkturzyklus.

Fazit

Cannabis-Aktien sind kein Selbstläufer, sondern eine hochriskante Wette. Der Sektor ist seit 2021 dramatisch gefallen, viele Unternehmen sind unprofitabel, und selbst die positiven regulatorischen Signale von 2026 (die begrenzte US-Reklassifizierung nach Schedule III, die Wiedereinbringung des SAFE Banking Act) sind noch keine vollständige Legalisierung. In Deutschland läuft der medizinische Markt, während der kommerzielle Verkauf weiter aussteht. Und die früher genannten Cannabis-ETFs für europäische Anleger existieren schlicht nicht mehr. Wer investiert, sollte nur Geld einsetzen, dessen Totalverlust er verkraften kann, breit im Gesamtportfolio streuen und sich nicht von Legalisierungs-Schlagzeilen zu Einzelwetten verleiten lassen.


Stand: Juli 2026. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Aktien sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Einige Links in diesem Beitrag sind Affiliate-Links: Wenn du darüber ein Konto eröffnest, erhalten wir ggf. eine Vergütung. Für dich entstehen keine Mehrkosten, und unsere redaktionelle Einschätzung bleibt davon unberührt.

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