Leverage Shares: Long & Short ETPs für Bitcoin & Ethereum
Leverage Shares hat 3-fach gehebelte Long- und Short-ETPs auf Bitcoin und Ethereum an der SIX gelistet. Warum diese Produkte hochspekulativ und nur für erfahrene Trader geeignet sind: Chancen, Risiken und Kosten im Faktencheck.
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung und keine Anlageberatung.
Was Leverage Shares im November 2025 gestartet hat
Leverage Shares hat am 25. November 2025 als 20. Krypto-Emittent an der SIX Swiss Exchange vier gehebelte Krypto-ETPs gelistet: jeweils ein Long- und ein Short-Produkt auf Bitcoin und Ethereum. Nach Angaben des Emittenten und der SIX handelt es sich um die weltweit ersten dreifach gehebelten Krypto-ETPs an einer regulierten Primärbörse. Die Produkte werden in EUR und USD gehandelt, Market Maker ist Virtu.
Anders als bei einem physisch besicherten Bitcoin-ETP, das du langfristig halten kannst, geht es hier ausschließlich um kurzfristige, spekulative Positionierung. Wer den regulierten, unaufgeregten Zugang zu Krypto sucht, ist bei einem klassischen Spot-ETP besser aufgehoben. Einen Überblick dazu findest du in unserem Vergleich der Bitcoin-ETFs und ETPs.
Die vier Produkte im Überblick
Die folgenden Namen, Ticker und ISINs stammen aus der Emittenten-Dokumentation und der SIX-Mitteilung vom November 2025. Prüfe vor jedem Kauf das aktuelle Factsheet, da sich Konditionen ändern können.
| Produkt | Ticker | ISIN | Hebel (täglich) |
|---|---|---|---|
| Leverage Shares 3x Long Bitcoin (BTC) ETP | BTC3 | GB00BTWSDN84 | 3x Long |
| Leverage Shares -3x Short Bitcoin (BTC) ETP | BTC3S | GB00BTWSDP09 | -3x Short |
| Leverage Shares 3x Long Ethereum (ETH) ETP | ETH3 | GB00BTWSDQ16 | 3x Long |
| Leverage Shares -3x Short Ethereum (ETH) ETP | ETH3S | GB00BTWSDR23 | -3x Short |
Die Produkte sind in Jersey aufgelegt und bilden die Hebelwirkung über regulierte BTC- und ETH-Futures ab, deren Positionen täglich neu ausgerichtet werden. Seit Februar 2026 sind die Produkte zusätzlich am italienischen SeDeX gelistet.
Funktionsweise: warum „3x“ nicht 3x über die Zeit bedeutet
Ein Long-ETP strebt das Dreifache der täglichen Wertentwicklung des Basiswerts an, ein Short-ETP das minus Dreifache. Beispiel: Steigt Bitcoin an einem Tag um 2 Prozent, zielt das Long-ETP auf rund plus 6 Prozent (vor Kosten). Fällt Bitcoin um 2 Prozent, verliert das Long-ETP entsprechend rund 6 Prozent.
Entscheidend ist das Wort „täglich“. Der Hebel bezieht sich nur auf einen einzigen Handelstag. Nach Handelsschluss wird die Position zurückgesetzt, um am nächsten Tag wieder exakt den 3-fachen Hebel abzubilden. Über mehrere Tage weicht die Gesamtrendite deshalb teils erheblich von „3x der Kursbewegung des Basiswerts“ ab. Wie dieser Mechanismus grundsätzlich funktioniert, erklären wir in unserem Beitrag zu Hebel-ETFs (leveraged ETFs).
Der Kern des Risikos: Volatility-Drag und Pfadabhängigkeit
Das tägliche Zurücksetzen erzeugt eine starke Pfadabhängigkeit: Nicht nur wohin der Kurs läuft, sondern wie er dorthin läuft, entscheidet über dein Ergebnis. In einem schwankungsreichen Seitwärtsmarkt frisst der sogenannte Volatility-Drag laufend Substanz.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Fällt Bitcoin an Tag 1 um 10 Prozent und steigt an Tag 2 wieder um 10 Prozent, steht der Basiswert bei rund minus 1 Prozent. Ein 3x-Long-ETP verliert an Tag 1 rund 30 Prozent und gewinnt an Tag 2 rund 30 Prozent auf den bereits reduzierten Wert, wodurch es bei rund minus 9 Prozent landet, also deutlich mehr als das Dreifache des Basiswert-Verlusts. Genau dieser Effekt macht die Produkte in volatilen Phasen so gefährlich, gerade bei Krypto, wo Tagesbewegungen von 5 bis 10 Prozent häufig sind.
Beim Short-ETP kommt hinzu, dass Kursanstiege des Basiswerts theoretisch unbegrenzt sind. Ein Bitcoin-Anstieg von 33 Prozent an einem Tag würde ein -3x-Short-ETP rechnerisch nahezu vollständig auslöschen. In extremen Marktphasen kann der Emittent ein Produkt zwangsweise schließen (Redemption), was einen Verlust des Restwerts nahe null bedeuten kann.
Kosten: 2,00 Prozent Verwaltungsgebühr plus impliziter Aufwand
Laut Emittenten-Factsheets liegt die jährliche Verwaltungsgebühr der aktuellen Krypto-ETPs bei 2,00 Prozent p.a. Das ist deutlich mehr als bei klassischen Spot-Krypto-ETPs, die teils unter 0,20 Prozent liegen. Hinzu kommen:
- Finanzierungs- und Rollkosten: Die Futures-Positionen verursachen Kosten, die je nach Marktlage schwanken.
- Rebalancing-Kosten: Das tägliche Anpassen der Position verursacht impliziten Aufwand, der bei hoher Volatilität besonders ins Gewicht fällt.
- Spread und Ordergebühren: Wie bei jedem börsengehandelten Produkt zahlst du den Geld-Brief-Spread und die Gebühren deines Brokers.
Diese Kosten wirken jeden einzelnen Tag und verstärken den Wertverlust bei längerer Haltedauer zusätzlich.
Handel, Verfügbarkeit und Mindestinvestition
Die ETPs werden an der SIX (und seit Anfang 2026 am italienischen SeDeX) wie Aktien während der Börsenzeiten gehandelt. Der Einstieg ist ab einer einzelnen Einheit möglich, die Mindestinvestition liegt damit meist im niedrigen dreistelligen Euro-Bereich. Ob du diese Schweizer beziehungsweise italienischen Handelsplätze erreichst, hängt von deinem Broker ab. Nicht jedes deutsche Depot bietet Zugang zur SIX.
Regulatorische Einordnung
Die Produkte sind börsengelistete Schuldverschreibungen (ETPs), keine UCITS-Fonds. Damit tragen Anleger zusätzlich ein Emittentenrisiko: Kommt der Emittent in Schwierigkeiten, kann das den Wert unabhängig von der Kursentwicklung des Basiswerts belasten. In Deutschland überwacht die BaFin den Vertrieb an Privatanleger und kann die Bewerbung solcher Hochrisikoprodukte beschränken. Das Factsheet enthält Gebühren, Indexmethodik und das Rebalancing-Schema.
Steuerliche Behandlung in Deutschland
Gewinne aus dem Handel mit diesen synthetisch replizierenden, futures-basierten ETPs werden nach aktuellem Stand mit der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag (in Summe 26,375 Prozent) und gegebenenfalls Kirchensteuer besteuert. Anders als beim direkten Kauf von Coins gibt es keine einjährige Spekulationsfrist mit anschließender Steuerfreiheit. Die genaue Einordnung kann komplex sein, kläre sie im Zweifel mit einem Steuerberater.
Für wen sind die Produkte (nicht) geeignet?
Die ETPs richten sich ausschließlich an erfahrene, risikobewusste Trader, die kurzfristige Bewegungen ausnutzen oder taktisch absichern wollen und einen Totalverlust verkraften können. Ungeeignet sind sie für:
- Buy-and-Hold, weil tägliches Rebalancing und Volatility-Drag die Rendite über die Zeit systematisch erodieren.
- Einsteiger ohne Erfahrung mit gehebelten Derivaten.
- Jeden, der das eingesetzte Kapital nicht vollständig verlieren möchte.
Risikomanagement, falls du trotzdem handelst
- Positionsgröße strikt begrenzen: nur ein kleiner Teil des Portfolios, den ein Totalverlust nicht schmerzhaft macht.
- Sehr kurze Haltedauer: In stark volatilen Phasen sind das oft nur Stunden bis wenige Tage, danach dominiert der Drag.
- Klare Ausstiegsregeln: Stop-Loss und Gewinnmitnahme vorab definieren und einhalten.
- Tägliche Kontrolle: Diese Produkte darfst du nicht „liegen lassen“.
Fazit
Die Leverage-Shares-Krypto-ETPs machen dreifach gehebelte Long- und Short-Wetten auf Bitcoin und Ethereum in einer regulierten Börsenumgebung zugänglich, ohne Wallet und ohne Margin-Nachschusspflicht. Das ändert aber nichts daran, dass es sich um hochspekulative Instrumente handelt. Der feste Tageshebel, die extreme Krypto-Volatilität, der Volatility-Drag und Kosten von 2,00 Prozent p.a. plus impliziter Aufwand machen sie zu einem reinen Trading-Werkzeug für Profis, nicht zu einem Baustein für den langfristigen Vermögensaufbau. Wer Krypto langfristig im Depot haben will, fährt mit einem günstigen, physisch besicherten Spot-ETP besser.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Investitionen in gehebelte Krypto-ETPs sind hochspekulativ und können zum Totalverlust führen. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand Juli 2026.
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