High Yield Bonds: Alternative in unsicheren Aktienmärkten
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High‑Yield‑Bonds, auch Junk‑Bonds genannt, sind Unternehmensanleihen unter Investment‑Grade‑Rating. Sie bieten 6‑12 % Kupon und höhere Spreads, aber erhöhen das Ausfallrisiko.
Definition und Abgrenzung – Was steckt hinter dem Namen?
High‑Yield‑Bonds sind Unternehmensanleihen mit einem Rating unterhalb von Investment Grade, also schlechter als BBB‑/Baa3 bei den großen Ratingagenturen S&P und Moody’s. Sie werden oft als Junk Bonds bezeichnet, weil sie höhere Zinsen zahlen, um das erhöhte Ausfallrisiko zu kompensieren. Typisch sind Kupons von 6 % bis 12 % – deutlich über dem, was Staats‑ oder Investment‑Grade‑Anleihen aktuell bieten.
Renditechancen im Vergleich – Mehr Ertrag, aber zu welchem Preis?
In den letzten zwölf Monaten lag der durchschnittliche Spread zwischen US‑HY‑Bonds und vergleichbaren Investment‑Grade‑Bonds bei etwa +4,5 % (vgl. Bloomberg). Das bedeutet: Für jede 1 % Rendite, die ein Investment‑Grade‑Bond erwirtschaftet, erhalten HY‑Bonds rund 5,5 %. In Phasen niedriger Zinsen können diese zusätzlichen Erträge verlockend sein, weil sie das Gesamtkapitalwachstum unterstützen, ohne komplett auf Kursgewinne zu setzen.
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Risiken im Überblick – Nicht alles Gold, was glänzt
Die Renditechancen gehen Hand in Hand mit drei Haupt‑risiken:
- Kreditrisiko: Das Risiko, dass der Emittent zahlungsunfähig wird. In der COVID‑19‑Krise 2020 stieg die US‑HY‑Ausfallrate laut Moody’s auf über 8 % – fast das Doppelte des langfristigen Durchschnitts von 4‑5 %.
- Liquiditätsrisiko: HY‑Bonds werden seltener gehandelt als Staats‑ oder Investment‑Grade‑Anleihen. In Stressphasen kann der Spread plötzlich breiter werden, weil Käufer fehlen.
- Zinsänderungsrisiko: Zwar sind HY‑Bonds meist kürzer gelaufen und weniger zinssensitiv, doch ein starker Zinsänderungsrisiko kann auch hier zu Kursverlusten führen.
Verhalten in Krisen – Wie robust ist der HY‑Markt?
Während eines Aktiencrashs tendieren HY‑Bonds dazu, stärker zu fallen als Staats‑ oder Investment‑Grade‑Anleihen, weil ihre Emittenten stärker von der Konjunktur abhängen. Dennoch zeigen historische Daten, dass sie häufig weniger volatil sind als Aktien. Im Jahr 2008 verloren US‑HY‑Bonds etwa 30 % ihres Werts, während der S&P 500 rund 38 % einbrach. Der Unterschied ist nicht riesig, aber er kann für einen Anleger, der reine Kursgewinne vermeiden möchte, entscheidend sein. Wer in solchen Phasen dennoch Anleihen halten möchte, kann über inflationsgeschützte Anleihen‑ETFs diversifizieren oder auf Volatilitäts‑Targeting‑ETFs zurückgreifen, die das Risiko gezielt steuern.
Portfolio‑Rolle und Diversifikation – Wo passen HY‑Bonds rein?
Für Anleger mit mittlerer Risikobereitschaft können HY‑Bonds einen interessanten Diversifikations‑Boost liefern. Sie korrelieren stärker mit Aktien (Korrelation ca. 0,4 – 0,5) als Investment‑Grade‑Bonds (Korrelation ≈ 0,1), bieten aber meist eine geringere Volatilität als reine Aktien. Durch die Kombination von HY‑Bonds, Aktien und Staatsanleihen entsteht ein ausgewogeneres Risiko‑/Ertrags‑Profil, das sich gut in ein Portfolio einfügt.
Praktische Auswahl: Kriterien & ein konkretes Beispiel
Bei der Auswahl von HY‑Bonds solltest du folgende Punkte prüfen:
- Rating: BBB‑/Baa3 ist das unterste Investment‑Grade‑Level – alles darunter gilt als High‑Yield.
- Branche: Zyklische Sektoren wie Energie, Konsumgüter und Telekommunikation sind häufiger vertreten.
- Laufzeit: Kürzere Laufzeiten (3‑7 Jahre) reduzieren das Zinsänderungsrisiko.
- Emittenten‑Diversifikation: Verteile das Kapital auf viele Emittenten, um das Einzel‑Ausfallrisiko zu senken.
Ein leicht zugängliches Beispiel ist der iShares $ High Yield Corporate Bond ETF (Ticker: HYLD). Der Fonds investiert breit in US‑HY‑Bonds und hat die ISIN US46434V6210. Mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von ca. 5,8 % (Stand 31.08.2025) und einer TER von 0,49 % bietet er sofortige Diversifikation, ohne dass du einzelne Anleihen auswählen musst.
Steuerliche & regulatorische Punkte – Was du im Blick behalten solltest
In Deutschland unterliegen Zinsen aus HY‑Bonds der Abgeltungssteuer von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Bei ausländischen Anleihen kann zudem eine Quellensteuer anfallen, die du im Idealfall anrechnen lassen kannst. Bei Fonds, die HY‑Bonds halten, greifen zusätzlich Teilfreistellungen nach § 20 Abs. 3 EStG, die die Steuerlast leicht mindern können.
Regulatorisch gilt seit 2023 die EU‑Verordnung MiFID II, die mehr Transparenz bei Anleihenhandel verlangt. Das bedeutet: Vor dem Kauf erhältst du einen detaillierten Prospekt, der Rating, Laufzeit, Kupon und Risiko‑Hinweise enthält – ein Plus für Privatanleger, die sonst im Undurchsichtig‑Markt tappen würden.
Strategische Umsetzung – Wie du HY‑Bonds praktisch einbaust
Wenn du dich für HY‑Bonds entscheidest, gibt es zwei gängige Wege:
- Direktkauf einzelner Anleihen: Ideal, wenn du gezielt in bestimmte Emittenten oder Branchen investieren willst. Beachte jedoch die Mindestnennwerte (oft €1.000) und das geringere Handelsvolumen.
- ETF oder aktiv gemanagter Fonds: Bietet sofortige Diversifikation und professionelles Management. Achte auf die Gesamtkostenquote (TER) und die durchschnittliche Duration, die das Zinsrisiko steuert. Mehr zu ETF und Fonds findest du in unseren Themenseiten.
Ein bewährter Ansatz ist das sogenannte „Laddering“: Du kaufst HY‑Bonds mit gestaffelten Laufzeiten (z. B. 3, 5 und 7 Jahre). So hast du regelmäßig Fälligkeiten, kannst von steigenden Zinsen profitieren und reduzierst das Risiko, dass dein gesamtes Kapital gleichzeitig an Wert verliert. Weitere Informationen zur Portfolio‑Strategie gibt es hier.
Deine nächsten Schritte – Mach den ersten Move
Du hast jetzt einen Überblick über die Chancen und Fallstricke von High‑Yield‑Bonds. Der nächste Schritt liegt in deiner Hand: Prüfe deine Risikobereitschaft, vergleiche die aktuellen Spreads (z. B. HY‑Spread ≈ +4,5 % gegenüber 10‑Jahres‑US‑Treasury) und entscheide, ob du über einen ETF wie den iShares $ High Yield Corporate Bond (ISIN US46434V6210) oder über einzelne Anleihen einsteigen willst.
Bleib informiert – die Märkte ändern sich schneller als ein Tweet. Wenn du regelmäßig die Entwicklungen verfolgst, kannst du HY‑Bonds gezielt einsetzen, um dein Portfolio in unsicheren Zeiten stabiler zu machen.
Rating‑Entwicklung im Blick
Ein zentrales Element beim HY‑Bond‑Investment ist das kontinuierliche Monitoring der Rating‑Entwicklungen. Ratingagenturen passen ihre Einschätzungen häufig an, sobald neue Unternehmenszahlen oder makroökonomische Daten veröffentlicht werden. Ein Downgrade von BBB‑ zu BB+ kann den Spread innerhalb weniger Tage um 100–150 Basispunkte erhöhen, weil das Ausfallrisiko neu bewertet wird. Deshalb sollten Anleger nicht nur das aktuelle Rating, sondern auch das Rating‑Outlook (positiv, stabil, negativ) berücksichtigen. Ein negatives Outlook signalisiert, dass ein weiterer Herabstufungs‑Schritt wahrscheinlich ist – das ist ein guter Zeitpunkt, um das Exposure zu reduzieren oder durch breiter diversifizierte Fonds zu ersetzen.
Zusätzlich empfiehlt es sich, ein Alert‑System bei deinem Broker einzurichten, das dich sofort über Rating‑Änderungen informiert. So verlierst du keine Gelegenheit, rechtzeitig zu reagieren.
Fazit
High‑Yield‑Bonds bieten in unsicheren Aktienmärkten höhere Renditen als reine Staatsanleihen, bringen jedoch ein deutlich höheres Ausfall‑ und Zinsrisiko mit sich. In Krisenzeiten reagieren sie meist stärker als Staatsanleihen, können aber in Branchen‑ und Konjunkturkrisen dennoch an Wert verlieren. Für ein ausgewogenes Portfolio sind sie daher eine sinnvolle Ergänzung, wenn man die höheren Risiken akzeptiert und sie als Teil einer breiteren Diversifikation einsetzt.
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