ETFs Wasserstoffinfrastruktur: Brennstoffzellen & Speicher

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Wasserstoff‑ETFs boomen: Milliarden fließen in europäische H₂‑Infrastruktur, bieten Privatanlegern ein wachstumsstarkes Themen‑ETF‑Segment – jedoch mit den üblichen Risiken einer jungen Branche.

ETFs Wasserstoffinfrastruktur: Brennstoffzellen & Speicher

Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag wurde vollständig überarbeitet und auf den aktuellen Faktenstand gebracht.

Warum Wasserstoff-ETFs ein Thema mit zwei Gesichtern sind

Du hast sicher schon vom Wasserstoff-Boom gehört. In Europa fließen Milliarden in Projekte, die Wasserstoff vom Produzenten bis zum Endverbraucher transportieren. Für Privatanleger klingt das nach einem Wachstumssegment mit hohem Potenzial. Ehrlich ist aber auch die Kehrseite: Wer 2021 auf dem Höhepunkt des Hypes eingestiegen ist, sitzt bis heute auf teils deutlichen Verlusten. Dieser Artikel zeigt beide Seiten und nennt nur Produkte, die für deutsche Privatanleger tatsächlich handelbar sind.

Wenn du tiefer in das Thema einsteigen willst, lohnt sich vorher ein Blick auf unsere ergänzenden Beiträge Wasserstoff in Europa: Chancen für Privatanleger und Der große Wasserstoff-Check.

Die ehrliche Bilanz: H2-Aktien seit 2021 in der Verlustzone

Wasserstoff war 2020 und 2021 eines der heißesten Anlagethemen. Danach kam die Ernüchterung: Zwischen 2021 und 2025 verloren viele H2-Aktien 80 bis 90 Prozent an Wert. Der Grund ist real und nicht bloß Börsenstimmung. Grüner Wasserstoff ist in der Herstellung weiterhin teuer, angekündigte Großprojekte wurden verschoben oder gestrichen, und die Unternehmen schreiben überwiegend rote Zahlen und benötigen regelmäßig frisches Kapital.

Das schlägt direkt in die ETF-Performance durch. Der VanEck Hydrogen Economy UCITS ETF liegt seit Auflage 2021 mit rund minus 54 Prozent im Minus (Stand: Juli 2026). Der L&G Hydrogen Economy UCITS ETF steht seit Start bei etwa minus 16 Prozent. Erst 2026 hat sich das Bild etwas aufgehellt: Nach einer Bodenbildung legten Titel wie Nel ASA und Plug Power seit Jahresbeginn wieder deutlich zu, und einzelne Unternehmen wie Ballard Power meldeten operative Fortschritte. Ob das der Beginn einer nachhaltigen Trendwende ist oder nur eine Erholungsrally, ist offen. Wer investiert, sollte diese Unsicherheit einpreisen.

Handelbare Wasserstoff-ETFs im Überblick

Für deutsche Anleger sind im Kern zwei reine Wasserstoff-UCITS-ETFs relevant. Die im Netz kursierenden US-Fonds (etwa die US-ETFs HDRO oder HYDR) sind hierzulande in der Regel nicht handelbar. Alle Angaben Stand Juli 2026, verifiziert über justETF und die Emittenten-Seiten.

  • L&G Hydrogen Economy UCITS ETF, ISIN IE00BMYDM794. Physische Replikation, TER 0,49 % p.a., Fondsvolumen rund 430 Mio. Euro, thesaurierend. Bildet den Solactive Hydrogen Economy Index ab (etwa 30 Titel).
  • VanEck Hydrogen Economy UCITS ETF, ISIN IE00BMDH1538. Physische Replikation, TER 0,55 % p.a., Fondsvolumen rund 110 Mio. Euro, thesaurierend. Bildet den MVIS Global Hydrogen Economy ESG Index ab (etwa 20 Titel, stark konzentriert). Zu den größten Positionen zählen Doosan Fuel Cell, Bloom Energy und Plug Power.

Als ESG-gescreente Variante existiert der BNP Paribas Easy ECPI Global ESG Hydrogen Economy UCITS ETF (ISIN LU2365458145, TER 0,30 % p.a.). Achtung: Das Fondsvolumen ist mit rund 20 Mio. Euro sehr klein, was das Risiko einer Schließung erhöht und die Handelbarkeit einschränken kann. Wer breiter in saubere Energie investieren möchte, findet mit einem globalen Clean-Energy-ETF eine diversifiziertere Alternative, in der Wasserstoff aber nur einen kleinen Teil ausmacht.

Wer neben Wasserstoff auch benachbarte Themen abdecken will, findet passende Bausteine bei Lithium und seltenen Erden oder in der Carbon-Neutral-Infrastruktur.

Kostenstruktur: höher als beim Weltportfolio

Mit TERs zwischen 0,30 % und 0,55 % sind Wasserstoff-ETFs deutlich teurer als ein breiter Welt-ETF (dort sind 0,10 % bis 0,20 % üblich). Das ist typisch für Themen-ETFs, vergleichbar mit dem Solar- oder Lithium-Sektor. Bei 10.000 Euro Anlagesumme entspricht eine TER von 0,50 % rund 50 Euro pro Jahr. Wichtiger als die Gebühr ist bei einem so schwankungsstarken Thema aber das Kursrisiko selbst.

Unternehmensmix: entlang der Wertschöpfungskette

Die Fonds streuen über die gesamte Kette von Produktion über Speicherung und Transport bis zur Anwendung. Typische Namen in den Indizes sind Elektrolyseur-Hersteller wie Nel ASA, Brennstoffzellen-Spezialisten wie Plug Power und Ballard Power sowie Industriekonzerne wie Siemens Energy und Air Liquide. Die genaue Gewichtung unterscheidet sich je Fonds und ändert sich laufend, daher lohnt vor dem Kauf ein Blick in das aktuelle Factsheet des jeweiligen ETFs. Gerade der VanEck-ETF ist mit rund 20 Titeln stark konzentriert, ein Einzelwert kann dort spürbar auf die Kursentwicklung durchschlagen.

Volatilität: hoch und nicht für schwache Nerven

Wasserstoff-ETFs schwanken deutlich stärker als der breite Markt. Die Jahresvolatilität des L&G-ETFs lag zuletzt bei rund 28 Prozent, in einzelnen Phasen auch darüber. Kursbewegungen von zweistelligen Prozentwerten innerhalb weniger Wochen sind keine Seltenheit. Das kann in beide Richtungen gehen, wie die 90-Prozent-Verluste seit 2021 und die kräftige Erholung 2026 zeigen. Ähnlich sprunghaft verhalten sich andere junge Themen wie Uran-ETFs.

Regulatorische Treiber

Politik bleibt der wichtigste Kurstreiber. Die EU verfolgt im Rahmen ihrer Wasserstoffstrategie und des Green Deal ehrgeizige Ausbauziele für Elektrolyse-Kapazität bis 2030. In den USA fördert der Inflation Reduction Act Wasserstoffprojekte über Steuergutschriften, wobei dessen Ausgestaltung politisch umstritten bleibt. Solche Programme können die Branche beflügeln, ihre Verzögerung oder Rücknahme kann sie aber ebenso schnell wieder belasten. Genau das erklärt die extreme Kursabhängigkeit von politischen Entscheidungen.

Wie du das Thema ins Portfolio einbaust

Wasserstoff-ETFs eignen sich allenfalls als kleine thematische Beimischung zu einem breiten Kernportfolio, nicht als Basisinvestment. Angesichts des Risikos ist ein Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich des Aktienanteils sinnvoller als die früher oft genannten 5 bis 10 Prozent. Kombiniere ihn mit breiten Markt-ETFs, um das Klumpenrisiko zu begrenzen. Wer regelmäßig investieren möchte, kann einen Sparplan nutzen, um den Einstiegszeitpunkt zu glätten. Bei Trade Republic und Scalable Capital sind Sparpläne auf diese ETFs in der Regel kostenfrei oder sehr günstig möglich. Prüfe vor dem Kauf, ob der jeweilige ETF bei deinem Broker sparplanfähig ist.

Steuerliche Behandlung

In Deutschland unterliegen Erträge aus ETFs der Abgeltungsteuer von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer (zusammen 26,375 % ohne Kirchensteuer). Wasserstoff-Aktien-ETFs mit einem Aktienanteil von mindestens 51 % profitieren von der Teilfreistellung von 30 %, sodass ein Teil der Erträge steuerfrei bleibt. Bei thesaurierenden Fonds wie beiden hier genannten ETFs fällt zudem die Vorabpauschale an; der maßgebliche Basiszins liegt 2026 bei 3,20 %. Nutze deinen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) über einen Freistellungsauftrag bei deinem Broker.

Fazit

Wasserstoff-ETFs sind eine Wette auf eine Technologie, deren wirtschaftlicher Durchbruch noch aussteht. Die Verluste seit 2021 waren real und schmerzhaft, die Erholung 2026 ist ermutigend, aber noch kein Beweis für eine dauerhafte Trendwende. Wer investiert, sollte das mit einem kleinen Depotanteil tun, hohe Schwankungen aushalten können und die beiden handelbaren UCITS-Produkte (L&G und VanEck) samt aktuellem Factsheet genau vergleichen. Als solides Fundament bleibt ein breit gestreutes Weltportfolio die bessere Wahl.


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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Themen-ETFs auf Wasserstoff sind hochspekulativ und können erhebliche Verluste bis zum Totalverlust nach sich ziehen. Historische Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Triff Anlageentscheidungen stets eigenverantwortlich.

Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.

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