Krisenfest mit System: Managed Futures ETFs im Portfolio
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Managed Futures ETFs ermöglichen Gewinne bei steigenden & fallenden Kursen. Sie nutzen quantitative Trendfolge in diversen Märkten und bieten Krisenschutz durch geringe Korrelation zu traditionellen Assets. Erfahre, wie diese Alternative dein Portfolio widerstandsfähiger macht.
Stand: Juli 2026. Die Finanzmärkte bleiben unberechenbar. Wer sein Depot nicht nur auf steigende Kurse ausrichtet, stößt früher oder später auf Managed-Futures-ETFs: systematische Trendfolge, die auch von fallenden Märkten profitieren kann. Was lange nur Hedgefonds-Klientel und institutionellen Anlegern vorbehalten war, ist seit 2025 auch als UCITS-ETF für Privatanleger in Deutschland handelbar. Dieser Artikel erklärt die Systematik ehrlich, mit ihren Stärken und ihren erheblichen Schwächen.
Was sind Managed Futures ETFs? Die Systematik hinter der Strategie
Stell dir vor, du könntest nicht nur von steigenden Preisen profitieren, sondern auch von fallenden. Genau das ist die Grundidee hinter Managed Futures. Es geht darum, systematisch in Futures-Kontrakte zu investieren. Aber nicht irgendwie. Hier steckt Methode dahinter.
Managed Futures ETFs sind börsengehandelte Fonds, die genau das abbilden. Sie nutzen quantitative Modelle, um Long- und Short-Positionen in einer breiten Palette von Futures-Märkten einzugehen. Das Spektrum ist beeindruckend vielfältig:
- Rohstoffe (wie Öl, Gold, Weizen)
- Währungen (z.B. Euro/US-Dollar, Yen)
- Anleihen (Staatsanleihen verschiedener Laufzeiten)
- Aktienindizes (globale Indizes wie S&P 500, Euro Stoxx 50)
Der Kern ist: Diese ETFs sind nicht auf steigende Märkte angewiesen. Sie können auch profitieren, wenn Märkte nach unten tendieren. Das schafft eine Flexibilität, die traditionelle Anlageklassen oft vermissen lassen. Ein Algorithmus als stoischer Trendfolger, der ohne Emotionen handelt. Klingt fast zu gut, um wahr zu sein? Genau deshalb lohnt der nüchterne Blick auf beide Seiten der Medaille.
Der heilige Gral der Diversifikation? Geringe Korrelation als Schlüssel
Diversifikation ist ein Mantra in der Anlagewelt. Du streust dein Risiko, um nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Managed Futures heben diese Idee auf ein neues Level. Ihr größter Vorteil liegt in ihrer geringen, manchmal sogar negativen Korrelation zu klassischen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen. Was bedeutet das in der Praxis?
Stellen wir uns ein Szenario vor: Die Aktienmärkte brechen ein. Dein Aktienportfolio leidet. Doch währenddessen könnten Managed-Futures-Strategien, die auf fallende Trends setzen, Gewinne einfahren. Diese Eigenschaft macht sie zu einem potenziellen Krisenpuffer.
Ein oft zitiertes Beispiel ist das Jahr 2022: Während globale Aktien- und Anleihemärkte gleichzeitig zweistellig verloren, lieferten viele Trendfolgestrategien deutlich positive Renditen, weil sie früh auf fallende Anleihen und steigende Rohstoffe setzten. Auch in der Finanzkrise 2008 erzielten zahlreiche CTA-Strategien positive Erträge, als Aktien einbrachen. Diese Fähigkeit, gerade in schwierigen Zeiten positive Erträge zu generieren, wird als „Crisis Alpha“ bezeichnet: der Ertrag, der genau dann kommt, wenn du ihn am dringendsten brauchst.
Ehrlich bleibt aber: Es ist keine Garantie. Der März-2020-Crash rund um den Corona-Ausbruch kam so abrupt, dass viele Trendfolger zunächst mit auf dem falschen Fuß erwischt wurden, bevor sich Trends etablierten. Crisis Alpha wirkt zuverlässiger bei langsam ausrollenden Krisen als bei plötzlichen Schocks. Ein Fallschirm, der sich meistens öffnet, aber eben nicht in jeder Situation.
Wie genau funktioniert Trendfolge? Strategie im Detail
Die meisten Managed Futures ETFs basieren auf Trendfolgestrategien. Das Konzept ist verblüffend einfach und doch wirksam: Sie kaufen das, was steigt, und verkaufen das, was fällt. Dieses systematische Vorgehen verzichtet auf die oft emotionalen und fehleranfälligen fundamentalen Analysen. Stattdessen vertrauen sie auf technische Indikatoren und Preismuster.
Stell dir einen starken Aufwärtstrend bei Rohöl vor. Der Algorithmus des ETF würde Long-Positionen eingehen, um von weiteren Preissteigerungen zu profitieren. Fällt der Preis hingegen kontinuierlich, würde der Algorithmus Short-Positionen aufbauen. Das ist der große Unterschied zu einem traditionellen Aktienfonds, der nur von steigenden Kursen profitiert.
Diese Strategie ist agnostisch gegenüber der Marktrichtung. Sie passt sich an. Es geht nicht darum, den Markt zu schlagen, sondern mit dem Trend zu schwimmen, egal ob er bergauf oder bergab geht. Dieser Ansatz hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er in unterschiedlichen Marktphasen funktionieren kann. Die Kehrseite: In trendlosen Seitwärtsmärkten, wie sie über weite Strecken der 2010er-Jahre herrschten, verdient Trendfolge oft jahrelang nichts oder verliert schleichend.
Handelbare Produkte 2026: Was für deutsche Anleger real verfügbar ist
Lange gab es Managed Futures für Privatanleger in Europa fast ausschließlich als teure aktive Fonds. Das hat sich 2025 geändert. Seit dem Frühjahr 2025 ist mit dem iMGP DBi Managed Futures Fund UCITS ETF (aufgelegt von iM Global Partner in Zusammenarbeit mit Dynamic Beta Investments) der erste echte Managed-Futures-UCITS-ETF Europas handelbar. Er bildet einen Trendfolge-Ansatz nach, indem er über Long- und Short-Positionen in Futures und Forwards auf Aktien, Anleihen und Rohstoffe investiert.
Für Anleger in Deutschland ist das Produkt über die Deutsche Börse (Xetra) handelbar. Es gibt mehrere Anteilsklassen:
- iMGP DBi Managed Futures Fund R EUR UCITS ETF (ISIN LU2951555403), thesaurierend, in Euro notiert, TER 0,75 % p.a., aufgelegt am 24. März 2025, Fondsdomizil Luxemburg.
- iMGP DBi Managed Futures Fund R USD UCITS ETF (ISIN LU2951555585), USD-Anteilsklasse, TER 0,75 % p.a., aufgelegt Anfang März 2025.
- Zusätzlich existiert eine ex-Commodities-Variante (ISIN LU3024069877, TER 0,75 % p.a.), die auf den Rohstoff-Block verzichtet, falls du Rohstoffe bereits anderweitig abdeckst.
Wichtig zur Einordnung: Das ist ein sehr junges Produkt mit noch kurzer eigener Historie am europäischen Markt. Die zugrunde liegende Modell-Strategie hat einen längeren Track Record (auch über das US-Pendant), der ETF selbst wird sich in Europa erst über einen vollständigen Marktzyklus beweisen müssen. Prüfe vor jedem Kauf das aktuelle Basisinformationsblatt (PRIIP-KID) und die tagesaktuellen Daten bei justETF und beim Emittenten, denn TER, Fondsvolumen und Handelbarkeit können sich ändern.
Weitere Managed-Futures-Bausteine für Privatanleger sind meist klassische aktive UCITS-Fonds (etwa von Anbietern wie AQR, Man AHL oder Winton), oft mit höheren Kosten und Mindestanlagesummen. Der ETF-Mantel ist hier die neuere, kostengünstigere und börsentäglich handelbare Alternative.
Kosten im Blick: Was dich erwartet
Managed Futures ETFs haben deutlich höhere Gesamtkostenquoten (TER) als klassische, passiv verwaltete Index-ETFs. Das liegt daran, dass sie aktiv gemanagt werden und komplexe Derivategeschäfte tätigen. Beim iMGP DBi liegt die TER bei 0,75 % p.a. Zum Vergleich: Ein globaler Aktien-ETF liegt oft bei 0,20 % oder weniger. Über die Jahre summiert sich diese Differenz erheblich und muss durch echten Diversifikationsnutzen erst wieder verdient werden.
Neben der laufenden TER solltest du bei aktiven Strategien auf mögliche Performancegebühren achten, die einen Teil erzielter Gewinne abschöpfen, sowie auf Handelskosten und Geld-Brief-Spannen bei jüngeren, noch kleineren ETFs. Eine genaue Prüfung der Kostenstruktur im PRIIP-KID ist Pflicht, denn Kosten schmälern deine Nettorendite verlässlich, während der Zusatzertrag ungewiss bleibt.
Risiken und Tücken: Was du wissen solltest
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Managed Futures ETFs sind alles andere als ein Selbstläufer. Ihre Komplexität und der Einsatz von Derivaten bergen spezifische Risiken:
- Lange Durststrecken: In trendlosen oder von Zentralbanken getriebenen Bullenmärkten können Trendfolger jahrelang underperformen. Wer nicht diszipliniert durchhält, verkauft oft genau am Tiefpunkt.
- Underperformance in Bullenmärkten: In einem lang anhaltenden Aktienbullenmarkt bleibt ein Managed-Futures-ETF meist deutlich hinter einem simplen Welt-Aktien-ETF zurück. Das ist gewollt (er ist ein Diversifikator, kein Renditemotor), fühlt sich im Depot aber unangenehm an.
- Hebelwirkung: Obwohl intern kontrolliert, können plötzliche, unerwartete Marktbewegungen (Trendbrüche, „Whipsaws“) Verluste vergrößern.
- Liquidität und junges Produkt: Der ETF ist neu und noch vergleichsweise klein. In extremen Marktphasen können Spreads breiter werden.
- Modell- und Timingrisiko: Die quantitativen Modelle sind nicht unfehlbar. Abrupte Krisen (wie März 2020) können Trendfolger zunächst auf dem falschen Fuß erwischen.
Die Auswahl des richtigen Produkts ist entscheidend. Ein Blick auf die zugrunde liegende Strategie und die (hier noch kurze) Historie ist unerlässlich. Vergangene Performance ist kein Garant für zukünftige Ergebnisse.
Managed Futures in deinem Portfolio: Praktische Überlegungen
Wie integrierst du Managed Futures sinnvoll? Sie sind nicht dazu gedacht, den Löwenanteil deines Depots auszumachen. Vielmehr dienen sie als strategische Beimischung, um das Gesamtrisiko zu reduzieren und die Ertragsquelle zu diversifizieren.
Eine Allokation von etwa 5 % bis 15 % des Gesamtportfolios wird häufig als sinnvoller Rahmen genannt, um den Diversifikationseffekt spürbar zu machen, ohne das Depot durch die Komplexität zu dominieren. Betrachte den Baustein als eine Art Versicherungsprämie: Er kostet in guten Zeiten Rendite und soll sich in schlechten Zeiten auszahlen. Es geht darum, das Risiko-Rendite-Profil deines Portfolios zu glätten, nicht darum, es zu maximieren. Stell dir dein Depot als Schiff vor: Managed Futures sind die Stabilisatoren, die das Schaukeln in stürmischer See reduzieren, aber bei ruhiger See zusätzlichen Ballast bedeuten.
Wenn du einen solchen Baustein umsetzen willst, brauchst du ein Depot, über das der iMGP DBi UCITS ETF an Xetra handelbar ist. Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital bieten den Xetra-Handel und in vielen Fällen Sparpläne an. Prüfe vor dem Kauf jeweils, ob genau die gewünschte ISIN im Handel und (falls gewünscht) als Sparplan verfügbar ist, da sich das Angebot ändern kann.
Achte bei der Auswahl darauf, dass der ETF eine breite Streuung über verschiedene Futures-Märkte bietet und eine etablierte, nachvollziehbare Strategie verfolgt. Und sei dir bewusst: Es gibt keine Garantie für positive Renditen. Der Wert liegt in der Diversifikation, nicht in der Outperformance in jeder Marktphase.
Fazit: Krisenfest mit System, aber mit offenen Augen
Die Finanzmärkte sind dynamisch und unberechenbar. Stürme kommen und gehen. Managed Futures ETFs bieten einen ungewöhnlichen Baustein für ein wirklich diversifiziertes Portfolio, das nicht nur von steigenden Märkten lebt, sondern auch in turbulenten Phasen Widerstandskraft beweisen kann. Seit 2025 ist diese Strategie erstmals als UCITS-ETF für Privatanleger in Deutschland greifbar.
Ehrlich bleibt aber: Sie sind komplexer und teurer als ein einfacher Index-ETF, können jahrelang hinter dem Aktienmarkt zurückbleiben und liefern ihr „Crisis Alpha“ nicht auf Knopfdruck. Wer Managed Futures beimischt, sollte das aus Überzeugung tun, mit kleiner Quote, langem Atem und dem Wissen, dass der Nutzen sich oft erst über einen ganzen Marktzyklus zeigt. Für alle, die ihr Depot robuster aufstellen wollen, gehört diese Anlageklasse damit auf den Prüfstand, nicht blind ins Depot.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links (mit „/og/“ gekennzeichnet). Schließt du über einen solchen Link ein Konto ab, erhalten wir eine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts. Dies ist keine Anlageberatung. Angaben zu ETFs, ISINs und Kosten Stand Juli 2026 nach Daten von justETF und dem Emittenten iM Global Partner; sie können sich ändern. Prüfe vor einer Anlageentscheidung stets das aktuelle Basisinformationsblatt (PRIIP-KID).
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