ETF

Warum Faktor-ETFs nicht immer die beste Wahl sind: Das Problem des 'Factor Decay

Zuletzt aktualisiert am

Faktor-ETFs versprechen überdurchschnittliche Renditen durch clevere Strategien. Doch das Phänomen des Factor Decay zeigt die Schattenseiten: Überrenditen können mit der Zeit abnehmen. Dieser Artikel beleuchtet die Komplexität, Risiken und Herausforderungen von Faktor-ETFs für Anlege

Warum Faktor-ETFs nicht immer die beste Wahl sind: Das Problem des 'Factor Decay

Jenseits des Alpha: Die Schattenseiten von Faktor-ETFs und das Phänomen des 'Factor Decay'

Du hast sicher schon von Faktor-ETFs gehört. Diese „smarten" Indexfonds versprechen, durch clevere Strategien den Markt zu schlagen. Doch wie bei vielen Dingen im Leben gibt es auch hier eine Kehrseite der Medaille. In diesem Artikel tauchen wir tiefer in die Welt der Faktor-ETFs ein und beleuchten insbesondere das Phänomen des „Factor Decay". Schnall dich an – es wird eine aufschlussreiche Reise!

Faktor-ETFs basieren auf der Idee, dass bestimmte Eigenschaften von Aktien zu überdurchschnittlichen Renditen führen können. Diese Eigenschaften werden als „Faktoren" bezeichnet und umfassen beispielsweise Value, Momentum oder Qualität. Viele Anleger setzen auf diese ETFs in der Hoffnung, bessere Ergebnisse als mit klassischen marktkapitalisierten Indexfonds zu erzielen.

Doch die Realität sieht oft anders aus. Das Phänomen des Factor Decay beschreibt, wie die Überrenditen von Faktoren mit der Zeit abnehmen können. Dies kann verschiedene Gründe haben, wie zum Beispiel eine Überbewertung der Faktoren oder veränderte Marktbedingungen. Für Anleger bedeutet dies, dass die erhofften Überrenditen möglicherweise ausbleiben und sie stattdessen mit höheren Kosten und Risiken konfrontiert werden.

Was sind Faktor-ETFs eigentlich?

Bevor wir uns den Schattenseiten widmen, lass uns kurz klären, worum es hier überhaupt geht. Faktor-ETFs, auch Smart-Beta-ETFs genannt, sind eine Weiterentwicklung klassischer ETFs. Statt einfach einen Marktindex nach Marktkapitalisierung abzubilden, setzen sie auf bestimmte Eigenschaften – sogenannte Faktoren – von Aktien.

Zu den bekanntesten Faktoren gehören:

  • Value (günstig bewertete Aktien)
  • Size (kleinere Unternehmen)
  • Momentum (Aktien mit positiver Kursdynamik)
  • Quality (Unternehmen mit stabilen Gewinnen)
  • Low Volatility (Aktien mit geringen Kursschwankungen)

Die Idee dahinter: Durch die gezielte Auswahl von Aktien mit diesen Eigenschaften soll eine Überrendite gegenüber dem Gesamtmarkt erzielt werden. Klingt clever, oder? Allerdings gibt es auch versteckte Risiken bei ETFs, die man beachten sollte.

Die Verlockung des Alpha

Faktor-ETFs versprechen das, wovon viele Anleger träumen: Alpha. Also eine Rendite, die über der des Gesamtmarktes liegt. Und tatsächlich haben akademische Studien gezeigt, dass bestimmte Faktoren in der Vergangenheit zu Überrenditen geführt haben.

Kein Wunder also, dass Faktor-ETFs in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt haben. Anleger hoffen, durch die clevere Kombination verschiedener Faktoren den Markt zu schlagen, ohne dabei die hohen Gebühren aktiv gemanagter Fonds zahlen zu müssen.

Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein...

Du ahnst es schon: Es gibt einen Haken. Oder besser gesagt, mehrere. Denn Faktor-ETFs haben einige Tücken, die man als Anleger kennen sollte.

Zunächst einmal sind da die höheren Kosten. Während klassische ETFs oft für weniger als 0,1% pro Jahr zu haben sind, liegen die Gebühren bei Faktor-ETFs meist zwischen 0,3% und 0,7%. Das mag auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, summiert sich aber über die Jahre.

Dann ist da die Komplexität. Die Konstruktion der zugrunde liegenden Indizes ist oft alles andere als transparent. Besonders bei Multi-Faktor-ETFs, die mehrere Faktoren kombinieren, wird es schnell unübersichtlich. Als Anleger weißt du oft nicht genau, was du da eigentlich kaufst.

Das Phänomen des „Factor Decay"

Doch das vielleicht größte Problem ist das sogenannte „Factor Decay". Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Factor Decay beschreibt das Phänomen, dass die Überrenditen bestimmter Faktoren mit der Zeit nachlassen oder sogar ganz verschwinden. Der Grund dafür ist simpel: Sobald ein Faktor bekannt wird und viele Anleger darauf setzen, verschwindet der Vorteil.

Stell dir vor, du hättest ein geheimes Rezept für den perfekten Kuchen gefunden. Solange nur du das Rezept kennst, kannst du damit gutes Geld verdienen. Doch sobald alle Bäcker in der Stadt das Rezept kennen und den gleichen Kuchen backen, ist dein Vorteil dahin.

Genauso verhält es sich mit Anlagefaktoren. Sobald sie weithin bekannt sind und viele Investoren darauf setzen, verschwinden die Überrenditen. Die Märkte passen sich an, und die ursprüngliche Prämie wird durch Arbitrage abgeschmolzen. Dieses Phänomen kann auch ETF-Anlageentscheidungen erschweren, da es die Auswahl der richtigen Strategie komplexer macht.

Faktoren unter der Lupe

Lass uns das am Beispiel einiger bekannter Faktoren genauer betrachten:

Value: Die Idee, in unterbewertete Aktien zu investieren, ist so alt wie die Börse selbst. Doch in den letzten Jahren hat der Value-Faktor oft enttäuscht. Viele Value-Aktien waren Opfer disruptiver Technologien und konnten mit dem Gesamtmarkt nicht mithalten. Value-Traps können eine Gefahr für ETF-Anleger darstellen.

Size: Kleine Unternehmen galten lange als Renditetreiber. Doch auch hier zeigt sich in jüngster Zeit ein gemischtes Bild. In manchen Phasen schneiden Small Caps sogar schlechter ab als Large Caps.

Momentum: Der Momentum-Faktor funktioniert oft gut – bis er es nicht mehr tut. In Marktwendephasen kann eine Momentum-Strategie zu hohen Verlusten führen. Verschiedene Allokations-Philosophien für ETF-Portfolios können hier hilfreich sein.

Die Gefahr der Überbewertung

Ein weiteres Risiko von Faktor-ETFs ist die potenzielle Überbewertung bestimmter Aktien oder Sektoren. Wenn zu viele Anleger auf denselben Faktor setzen, kann es zu einer regelrechten „Faktorblase" kommen.

Nehmen wir als Beispiel den Low-Volatility-Faktor. In Zeiten niedriger Zinsen waren Aktien mit geringen Schwankungen besonders gefragt. Das führte dazu, dass viele dieser Aktien – oft defensive Werte wie Versorger oder Konsumgüterhersteller – deutlich höher bewertet wurden als der Gesamtmarkt.

Das Problem: Je höher die Bewertung, desto geringer das zukünftige Renditepotenzial. Anleger, die zu spät auf den Zug aufspringen, könnten also enttäuscht werden. Diese Gefahr der Value Traps bei ETFs sollten Privatanleger erkennen und umgehen, um ihre Anlagestrategie zu optimieren.

Timing ist alles – oder doch nicht?

Ein weiterer Fallstrick bei Faktor-ETFs ist das Timing. Verschiedene Faktoren performen in unterschiedlichen Marktphasen gut oder schlecht. Das verleitet viele Anleger dazu, ständig zwischen verschiedenen Faktoren hin und her zu wechseln.

Doch Vorsicht: Market Timing ist selbst für Profis extrem schwierig. Wer ständig den Faktoren hinterherläuft, läuft Gefahr, immer zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Stattdessen kann eine Allwetter-Strategie mit robusten ETF-Portfolios für Privatanleger sinnvoller sein. Auch eine langfristige Portfolio-Resilienz mit ETFs kann mehr Schutz vor geopolitischen Risiken bieten als häufiges Umschichten.

Was bedeutet das für dich als Anleger?

Heißt das nun, dass du die Finger von Faktor-ETFs lassen solltest? Nicht unbedingt. Aber es ist wichtig, die Risiken zu kennen und realistisch zu bleiben.

Hier einige Tipps für den Umgang mit Faktor-ETFs:

  1. Betrachte Faktor-ETFs als Beimischung, nicht als Kerninvestment.
  2. Setze auf Multi-Faktor-ETFs, um das Risiko zu streuen.
  3. Habe einen langen Anlagehorizont. Faktoren brauchen Zeit, um sich zu entfalten.
  4. Achte auf die Kosten. Jeder Basispunkt zählt.
  5. Bleib skeptisch gegenüber Backtests. Die Vergangenheit ist kein Garant für die Zukunft.

Letztendlich sollten Faktor-ETFs nur ein Teil einer diversifizierten Anlagestrategie sein. Ein solides Kernportfolio aus breit gestreuten ETFs bleibt für die meisten Anleger der beste Weg zum langfristigen Erfolg. Faktor-ETFs können dieses Grundgerüst ergänzen, sollten es aber nicht ersetzen.

Fazit: Clever investieren statt blindem Vertrauen

Faktor-ETFs können eine interessante Ergänzung für dein Portfolio sein. Doch wie so oft an der Börse gilt: Es gibt keine Wunderwaffe. Das Phänomen des Factor Decay zeigt, dass auch vermeintlich clevere Strategien ihre Tücken haben.

Als kluger Anleger solltest du Faktor-ETFs mit einer gesunden Portion Skepsis begegnen. Verstehe die Mechanismen, kenne die Risiken und bleib vor allem deiner langfristigen Strategie treu. Denn am Ende des Tages ist es nicht der cleverste Faktor, der über deinen Anlageerfolg entscheidet – sondern deine Disziplin und dein kühler Kopf.

Bleib also wachsam, informiert und – vor allem – gelassen. Denn auch in der Welt der ETFs gilt: Hin und wieder ist weniger mehr.

Die Rolle der Marktkapitalisierung

Ein oft übersehener Aspekt bei Faktor-ETFs ist die Rolle der Marktkapitalisierung. In traditionellen Indizes wie dem MSCI World machen Small Caps oft nur einen kleinen Anteil aus – etwa 14%. Faktor-ETFs, die auf den Size-Faktor setzen, erhöhen diesen Anteil gezielt.

Das klingt zunächst vielversprechend, birgt aber auch Risiken. Kleinere Unternehmen sind oft weniger liquide und anfälliger für Marktschwankungen. In Krisenzeiten kann das zu erhöhter Volatilität führen.

Zudem besteht die Gefahr, dass der ETF bei starkem Wachstum an seine Grenzen stößt. Wenn zu viel Kapital in kleine Unternehmen fließt, kann das deren Bewertungen verzerren und die ursprüngliche Faktorprämie zunichtemachen.

Als Anleger solltest du dir dieser Dynamiken bewusst sein und die Gewichtungen in deinem Portfolio im Auge behalten. Eine ausgewogene Mischung aus verschiedenen Marktkapitalisierungen kann helfen, Risiken zu streuen und von verschiedenen Marktphasen zu profitieren. Dabei können Allokations-Philosophien für ETF-Portfolios jenseits der reinen Marktkapitalisierung hilfreich sein.

Die Bedeutung der Rebalancing-Strategie

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Faktor-ETFs ist die Rebalancing-Strategie. Anders als bei klassischen marktkapitalisierten Indizes müssen Faktor-ETFs regelmäßig umgeschichtet werden, um ihre spezifischen Kriterien zu erfüllen.

Dieses Rebalancing hat Vor- und Nachteile. Einerseits stellt es sicher, dass der ETF seinem Faktoransatz treu bleibt. Andererseits können häufige Umschichtungen zu höheren Transaktionskosten führen, die letztlich die Rendite schmälern.

Besonders bei Momentum-Strategien kann ein zu häufiges Rebalancing kontraproduktiv sein. Es besteht die Gefahr, dass Gewinnerактien zu früh verkauft und Verlierer zu lange gehalten werden.

Als Anleger solltest du daher auch die Rebalancing-Frequenz und -Methode eines Faktor-ETFs berücksichtigen. Ein ausgewogener Ansatz, der Stabilität und Flexibilität vereint, kann langfristig zu besseren Ergebnissen führen.

Die Herausforderung der Faktordefinition

Ein oft unterschätztes Problem bei Faktor-ETFs liegt in der Definition der Faktoren selbst. Was genau macht eine Aktie zu einem „Value"-Titel? Ist es das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Buchwert-Verhältnis oder eine Kombination verschiedener Kennzahlen?

Verschiedene Anbieter von Faktor-ETFs verwenden oft unterschiedliche Definitionen und Berechnungsmethoden. Das kann dazu führen, dass zwei ETFs, die scheinbar den gleichen Faktor abbilden, in der Praxis sehr unterschiedliche Portfolios und Performanceergebnisse aufweisen.

Für dich als Anleger bedeutet das: Vergleiche nicht nur die Kosten und die historische Performance, sondern schaue dir auch genau an, wie der jeweilige ETF-Anbieter die Faktoren definiert und umsetzt. Nur so kannst du sicherstellen, dass der ETF tatsächlich die Strategie verfolgt, die du im Sinn hast.

Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.

Mehr zum Thema:





Rechtliche Hinweise: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Die in den Artikeln erwähnten ETFs und anderen Finanzprodukte stellen keine Kaufempfehlung dar. Wir können keine Finanzberatung oder ähnliches anbieten. Der Wert von Aktien, ETFs und ETCs, die über ein Wertpapierdepot gekauft wurden, kann sowohl steigen als auch fallen. Börsengeschäfte stellen ein erhebliches Risiko dar, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. etf.capital haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden. Der Autor besitzt keinen der genannten ETFs. Keiner der Inhalte stellt ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Kryptoassets sind hochvolatile unregulierte Anlageprodukte. Es existiert kein EU-Anlegerschutz.

Vergleiche: Unsere Anbieter-Vergleiche bieten keinen kompletten Marktüberblick. Zur Finanzierung dieser Website erhalten wir von den Anbietern eine Provision bei Kontoeröffnung. Die Vergleiche beginnen mit den Anbietern mit der höchsten Abschlussquote und endet mit der niedrigsten. Bei gleicher Abschlussquote werden die Aufrufe hinzugezogen. D. h. Produkte, die im Verhältnis zu den Aufrufen hier öfter gewählt werden, sind höher platziert. Bewertungen können nicht auf Echtheit geprüft werden. Der Anbieter auf Platz 1 wird zusätzlich farblich hervorgehoben. Testsiegel werden angezeigt, sofern sie uns vom Anbieter zur Verfügung gestellt wurden.

"Kostenlose ETF-Sparpläne" bezieht sich auf die Ausführung der Sparpläne. Es entstehen ggfs. weitere Produktkosten und Zuwendungen. Bei Aktionsangeboten gelten die Teilnahmebedingungen des jeweiligen Anbieters.

Die mit einem Sternchen (*) oder versehenen Links oder farblich hervorgehobenen Schaltflächen sind i.d.R. bezahlte Produktplatzierung zur Finanzierung dieser Website. Dir entstehen dadurch keinerlei Nachteile. Du unterstützt damit unsere Arbeit.

Warum Faktor-ETFs nicht immer die beste Wahl sind: Das Problem des 'Factor Decay
Teilen
Twitter icon Facebook icon