Globale Produktionsketten im Umbruch: ETFs für 'Friendshoring'-Profiteure

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Die globale Wirtschaft erlebt einen Umbruch: Geopolitische Spannungen und Pandemie-Erfahrungen haben die Verwundbarkeit von Lieferketten offengelegt. Als Reaktion setzen Unternehmen verstärkt auf Friendshoring - die Verlagerung von Produktion in befreundete Länder. Für ETF-Anleger eröf

Globale Produktionsketten im Umbruch: ETFs für 'Friendshoring'-Profiteure

Globale Produktionsketten im Umbruch: Friendshoring als neue Realität

Die Weltwirtschaft erlebt gerade einen tiefgreifenden Wandel. Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie haben die Verwundbarkeit globaler Lieferketten schonungslos offengelegt. Als Reaktion darauf setzen immer mehr Unternehmen auf eine Strategie, die als "Friendshoring" bezeichnet wird. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff und welche Chancen ergeben sich daraus für ETF-Anleger? Friendshoring beschreibt die Verlagerung von Produktionskapazitäten und Lieferketten in befreundete oder verbündete Länder. Unternehmen und Regierungen streben danach, ihre wirtschaftlichen Beziehungen mit gleichgesinnten Partnern zu stärken und gleichzeitig die Abhängigkeit von potenziell riskanten Märkten zu reduzieren. Diese Entwicklung hat weitreichende Auswirkungen auf die globale Wirtschaftsstruktur und bietet interessante Anlagemöglichkeiten. Für ETF-Investoren eröffnen sich durch diesen Trend neue Perspektiven. Globale ETF-Strategien, die gezielt auf Länder und Regionen setzen, die vom Friendshoring profitieren könnten, gewinnen an Bedeutung. Dabei rücken insbesondere Schwellenländer mit stabilen politischen Verhältnissen und wettbewerbsfähigen Produktionskosten in den Fokus. Anleger sollten jedoch bedenken, dass der Strukturwandel in der Weltwirtschaft auch Risiken birgt. Die Absicherung gegen geopolitische Risiken durch eine breite Diversifikation bleibt daher ein wichtiger Aspekt bei der ETF-Auswahl. Eine ausgewogene Strategie, die sowohl etablierte Märkte als auch aufstrebende "Friendshoring"-Destinationen berücksichtigt, könnte sich für langfristig orientierte Investoren als vorteilhaft erweisen.

Was ist Friendshoring?

Friendshoring beschreibt die gezielte Verlagerung von Produktions- und Lieferketten in Länder, die als politisch und wirtschaftlich verlässlich gelten und ähnliche Werte teilen. Der Begriff wurde 2022 von der US-Finanzministerin Janet Yellen geprägt und markiert einen Paradigmenwechsel in der globalen Wirtschaft. Statt auf reine Kostenoptimierung zu setzen, rücken nun Aspekte wie Sicherheit, politische Zuverlässigkeit und gemeinsame Wertvorstellungen in den Vordergrund.

Diese Entwicklung ist keine Modeerscheinung, sondern eine handfeste Reaktion auf die geopolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Der Handelskrieg zwischen den USA und China, der russische Angriff auf die Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen haben Unternehmen weltweit zum Umdenken gezwungen. Plötzlich stehen Fragen der Versorgungssicherheit und der politischen Stabilität ganz oben auf der Agenda der Konzernchefs. Diese Veränderungen in der Weltwirtschaft haben auch Auswirkungen auf ETF-Portfolios und Anlagestrategien.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Einige Wirtschaftszweige spüren den Druck zur Neuausrichtung ihrer Lieferketten besonders stark. Dazu gehören:

  • Die Halbleiterindustrie
  • Der Maschinenbau
  • Die Pharmaindustrie
  • Die Automobilbranche

Diese Sektoren sind auf komplexe, internationale Lieferketten angewiesen und gelten gleichzeitig als systemrelevant für die nationale Sicherheit und technologische Souveränität vieler Länder.

Ein prägnantes Beispiel für den Friendshoring-Trend liefert Apple. Der Tech-Gigant hat begonnen, Teile seiner iPhone-Produktion von China nach Indien zu verlagern. Laut einer Analyse von JP Morgan könnten bis 2025 bereits 25 % der Apple-Produkte außerhalb Chinas gefertigt werden – aktuell sind es nur etwa 5 %. Diese Entwicklung verdeutlicht nicht nur die Dynamik des Friendshoring, sondern auch die Bedeutung alternativer Produktionsstandorte.

Vorteile und Herausforderungen des Friendshoring

Für Unternehmen bietet Friendshoring einige handfeste Vorteile. Es erhöht die Resilienz der Lieferketten, reduziert geopolitische Risiken und erleichtert die Einhaltung von Compliance- und ESG-Standards. Zudem profitieren die Firmen von stabileren Handelsbeziehungen und einer besseren Planbarkeit ihrer Geschäftsaktivitäten.

Doch die Medaille hat auch eine Kehrseite. Die Umstellung auf Friendshoring ist komplex und mit erheblichen Kosten verbunden. Neue Produktionsstandorte müssen aufgebaut, Lieferanten qualifiziert und regulatorische Hürden überwunden werden. Hinzu kommt die Gefahr einer weiteren Fragmentierung der Weltwirtschaft, was letztlich zu steigenden Preisen für Endverbraucher führen könnte.

Welche Regionen profitieren vom Friendshoring?

Einige Länder kristallisieren sich als klare Gewinner des Friendshoring-Trends heraus. Dazu zählen:

  • Indien
  • Vietnam
  • Mexiko
  • Polen und andere mittel- und osteuropäische Staaten

Diese Nationen profitieren von den Investitionen westlicher Unternehmen, die nach politischer Stabilität und Rechtssicherheit suchen. Gleichzeitig bieten sie oft günstigere Produktionskosten als etablierte Industrieländer. Der Strukturwandel in der Weltwirtschaft durch Deglobalisierung und Reshoring könnte sich auch auf ETF-Portfolios auswirken.

ETF-Nischen mit Potenzial

Für ETF-Anleger ergeben sich durch den Friendshoring-Trend spannende Möglichkeiten. ETFs, die gezielt Unternehmen aus den genannten Profiteur-Ländern abbilden, gewinnen an Bedeutung. Konkret lohnt sich ein Blick auf:

  • Indien-ETFs
  • Vietnam-ETFs
  • Mexiko-ETFs
  • Themen-ETFs auf die Bereiche Halbleiter, Automatisierung und Industrie 4.0

Auch Infrastruktur-ETFs könnten interessant sein, da neue Produktionsstandorte massive Investitionen in Logistik und Energie erfordern. Hier ein konkretes Beispiel: Der iShares MSCI India ETF hat seit Anfang 2023 bereits um über 15% zugelegt – ein Indiz dafür, dass Investoren das Potenzial Indiens als Friendshoring-Destination erkannt haben.

Innovationen in der Lieferketten-Optimierung

Der Umbau globaler Lieferketten geht Hand in Hand mit technologischen Innovationen. Künstliche Intelligenz, Blockchain und das Internet der Dinge (IoT) werden verstärkt eingesetzt, um Transparenz, Effizienz und Sicherheit in den neuen, fragmentierten Lieferketten zu gewährleisten.

Unternehmen investieren massiv in digitale Plattformen zur Echtzeitüberwachung und Risikobewertung ihrer Lieferketten. Diese Entwicklung eröffnet wiederum Chancen für ETFs, die auf den Strukturwandel in der Weltwirtschaft setzen. Insbesondere Technologieunternehmen im Bereich Supply Chain Management könnten von diesem Trend profitieren.

Strategien für ETF-Anleger

Als ETF-Anleger solltest du die Entwicklung geopolitischer Allianzen, Handelsabkommen und die Standortpolitik großer Unternehmen genau im Auge behalten. Die Auswahl von ETFs, die auf Länder oder Sektoren mit hohem Friendshoring-Potenzial setzen, kann ein cleverer Weg sein, um von diesem Megatrend zu profitieren. ETFs können als langfristiger Schutz vor geopolitischen Risiken dienen.

Wichtig ist dabei eine regelmäßige Überprüfung der ETF-Zusammensetzung und der politischen Rahmenbedingungen. Friendshoring ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess, der sich mit den geopolitischen Realitäten weiterentwickelt. Ein regelmäßiges Portfolio-Rebalancing kann den ETF-Erfolg langfristig sichern.

Fazit: Friendshoring als Chance für weitsichtige Anleger

Der Trend zum Friendshoring verändert die globalen Produktionsketten nachhaltig und bietet cleveren ETF-Anlegern spannende Möglichkeiten. Durch die gezielte Auswahl von ETFs, die auf Profiteur-Länder oder -Branchen setzen, kannst du dein Portfolio diversifizieren und von diesem Megatrend profitieren.

Behalte jedoch im Hinterkopf, dass Friendshoring auch Risiken birgt. Die höheren Produktionskosten könnten mittelfristig zu Preissteigerungen führen, und die geopolitische Lage bleibt volatil. Eine ausgewogene Anlagestrategie, die Friendshoring-ETFs als Beimischung nutzt, ohne das gesamte Portfolio darauf auszurichten, erscheint daher sinnvoll.

Letztlich zeigt der Friendshoring-Trend einmal mehr, wie eng Wirtschaft und Politik miteinander verwoben sind. Als aufmerksamer ETF-Anleger hast du die Chance, von diesen Entwicklungen zu profitieren – vorausgesetzt, du bleibst informiert und agierst mit der nötigen Weitsicht.

Steuerliche Aspekte des Friendshoring für ETF-Anleger

Ein oft übersehener Aspekt des Friendshoring-Trends sind die steuerlichen Implikationen für ETF-Anleger. Mit der Verlagerung von Produktionsstandorten können sich auch die Quellensteuerregelungen für Dividenden ändern.

Während etablierte Industrieländer oft günstige Doppelbesteuerungsabkommen haben, können Schwellenländer höhere Quellensteuern erheben. Dies kann die Nettorendite von ETFs, die stark in Friendshoring-Destinationen investieren, beeinflussen.

Beispielsweise erhebt Indien eine Quellensteuer von 20% auf Dividenden, während sie in Vietnam bei 5% liegt. Für dich als Anleger bedeutet das: Achte nicht nur auf die Performance der ETFs, sondern auch auf ihre steuerliche Effizienz. ETF-Anbieter, die Techniken zur Steueroptimierung einsetzen, könnten hier einen Vorteil haben.

Eine genaue Prüfung der Fondsdokumente und gegebenenfalls die Konsultation eines Steuerberaters können sich langfristig auszahlen. Besonders bei Frontier Markets ETFs sollten Anleger die steuerlichen Aspekte im Blick behalten. Auch bei der Anpassung des ETF-Portfolios ist es wichtig, die steuerlichen Auswirkungen zu berücksichtigen.

Währungsrisiken bei Friendshoring-ETFs

Ein wichtiger Aspekt, den du als ETF-Anleger im Kontext des Friendshoring nicht außer Acht lassen solltest, sind die damit verbundenen Währungsrisiken. Viele der aufstrebenden Friendshoring-Destinationen haben volatile Währungen, die starken Schwankungen unterliegen können.

Wenn du in ETFs investierst, die auf Länder wie Indien, Vietnam oder Mexiko setzen, setzt du dich nicht nur dem Aktienmarktrisiko aus, sondern auch den Bewegungen der jeweiligen Landeswährungen gegenüber dem Euro.

Diese Währungsschwankungen können deine Rendite sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. In manchen Fällen kann eine starke Performance des lokalen Aktienmarktes durch eine schwache Währungsentwicklung zunichte gemacht werden – oder umgekehrt.

Einige ETF-Anbieter bieten währungsgesicherte Varianten an, die dieses Risiko minimieren. Allerdings gehen diese oft mit höheren Kosten einher. Wäge also sorgfältig ab, ob die zusätzliche Sicherheit die höheren Gebühren rechtfertigt. Eine Allwetter-Strategie mit robusten ETF-Portfolios kann helfen, solche Risiken auszubalancieren.

Politische Risiken und ihre Auswirkungen auf Friendshoring-ETFs

Bei der Investition in Friendshoring-ETFs darfst du die politischen Risiken nicht unterschätzen. Obwohl diese Länder als "befreundet" gelten, können sich politische Landschaften schnell ändern.

Ein Regierungswechsel oder eine Verschiebung der geopolitischen Allianzen kann erhebliche Auswirkungen auf die Attraktivität eines Landes als Produktionsstandort haben. Dies kann wiederum die Performance der entsprechenden ETFs beeinflussen.

Beispielsweise könnte eine Verschärfung der Arbeitgesetze in Indien oder eine Änderung der Handelspolitik in Mexiko die Vorteile des Friendshoring schmälern. Als Anleger solltest du daher die politische Stabilität und die regulatorischen Entwicklungen in den Zielländern genau beobachten.

Eine Strategie könnte sein, dein Friendshoring-Exposure auf mehrere Länder und Regionen zu verteilen, um das politische Risiko zu streuen. So bleibst du flexibel und kannst auf Veränderungen in der globalen politischen Landschaft reagieren.

Liquiditätsaspekte bei Nischen-ETFs im Friendshoring-Kontext

Ein oft vernachlässigter Aspekt bei der Investition in Friendshoring-ETFs ist die Liquidität. Gerade bei sehr spezialisierten ETFs, die auf einzelne Länder oder Nischensektoren setzen, kann das Handelsvolumen begrenzt sein.

Dies kann zu weiteren Spreads zwischen Kauf- und Verkaufskursen führen, was deine Rendite schmälern kann. Besonders in Krisenzeiten, wenn viele Anleger gleichzeitig verkaufen wollen, kann mangelnde Liquidität zu starken Kursabschlägen führen.

Achte daher bei der Auswahl deiner Friendshoring-ETFs nicht nur auf die thematische Ausrichtung, sondern auch auf das Fondsvolumen und die durchschnittlichen Handelsvolumina. Größere, etabliertere ETFs bieten in der Regel bessere Liquidität und engere Spreads.

Eine Strategie könnte sein, einen Mix aus breiter aufgestellten ETFs und gezielten Nischen-ETFs zu wählen. So kannst du vom Friendshoring-Trend profitieren, ohne übermäßige Liquiditätsrisiken einzugehen. Dabei solltest du auch auf mögliche Handelsbarrieren bei exotischen ETFs achten, die den Verkauf erschweren können.

Technologische Innovationen als Treiber des Friendshoring

Ein oft übersehener Aspekt des Friendshoring-Trends sind die technologischen Innovationen, die ihn erst ermöglichen und vorantreiben. Fortschritte in den Bereichen Automatisierung, 3D-Druck und Industrie 4.0 machen es für Unternehmen zunehmend attraktiv, Produktion in "befreundete" Länder zu verlagern.

Diese Technologien reduzieren die Abhängigkeit von günstigen Arbeitskräften und ermöglichen eine flexiblere, dezentralere Produktion. Für ETF-Anleger eröffnet dies interessante Möglichkeiten: Neben länderspezifischen ETFs könnten auch Fonds, die auf Robotik, Automatisierung oder industrielle Software spezialisiert sind, vom Friendshoring-Trend profitieren.

Unternehmen, die Lösungen für die digitale Transformation von Produktionsprozessen anbieten, könnten zu den großen Gewinnern gehören. Als Anleger solltest du daher auch technologieorientierte ETFs in Betracht ziehen, um vom Friendshoring-Trend umfassend zu profitieren.

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