ETFs nachhaltige Wasserstoffproduktion erneuerbarer Energie
Grüner Wasserstoff, erzeugt aus erneuerbarem Strom, gilt als Schlüssel zur Klimaneutralität. Mit 15 GW Elektrolysekapazität 2024 und starkem Wachstum bis 2030 bieten spezialisierte ETFs einen einfachen Zugang, wobei Kosten und ESG‑Filter entscheidend sind.
Stand: Juli 2026. Dieser Artikel wurde vollständig überarbeitet und auf den aktuellen Faktenstand gebracht. Keine Anlageberatung.
Warum grüner Wasserstoff im Fokus steht, und warum das für Anleger kein Selbstläufer ist
Du hast sicher schon von grünem Wasserstoff gehört: dem Gas, das entsteht, wenn erneuerbarer Strom Wasser per Elektrolyse spaltet. Im Gegensatz zu grauem (aus Erdgas) oder blauem Wasserstoff (Erdgas plus CO₂-Abscheidung) fällt dabei bei der Produktion praktisch kein CO₂ an. Technologisch gilt grüner Wasserstoff als ein Baustein der Energiewende, vor allem für Bereiche, die sich schwer direkt elektrifizieren lassen (Stahl, Chemie, Schwerlast).
Für Anleger ist wichtig, zwei Dinge auseinanderzuhalten: die langfristige industrielle Perspektive und die bisherige Kursrealität. Die Perspektive ist real, die Kursrealität ist ernüchternd. Wer seit 2021 in reine Wasserstoff-ETFs investiert hat, sitzt bis heute deutlich im Minus. Dieser Artikel nimmt beides ehrlich in den Blick. Eine breitere Einordnung findest du in unserem großen Wasserstoff-Check und mit europäischem Fokus unter Wasserstoff in Europa.
Die Kursrealität: seit 2021 tief im Minus
Der L&G Hydrogen Economy UCITS ETF (ISIN IE00BMYDM794), Europas erster reiner Wasserstoff-ETF, wurde im Februar 2021 aufgelegt. In den ersten Jahren verlor er massiv an Wert: Der maximale Rückgang vom Hoch lag bei rund 62 Prozent, der Tiefpunkt wurde Anfang April 2025 erreicht. Erst danach setzte eine Erholung ein (rund 27 Prozent Plus über drei Monate im Sommer 2025), doch auch nach dieser Gegenbewegung liegt der Fonds klar unter seinem Ausgabeniveau von 2021.
Der Grund liegt in den Portfoliounternehmen. Typische Schwergewichte solcher ETFs, etwa Elektrolyseur-Hersteller wie Nel ASA oder Brennstoffzellen-Firmen wie Plug Power, schreiben seit Jahren Verluste. Plug Power meldete allein im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust von rund 246 Mio. US-Dollar und hat 2025 sein großes New Yorker Elektrolyse-Projekt aufgegeben. Bei Nel ASA brach der Auftragseingang zeitweise um rund 73 Prozent ein. Im Februar 2026 stellte zudem Cummins den Verkauf neuer Elektrolyseure ein und verbuchte hohe Sonderabschreibungen, mit der Begründung, die Nachfrage nach grünem Wasserstoff sei dramatisch eingebrochen. Das ist die Kehrseite eines Sektors, der industriell noch am Anfang steht.
Marktgröße und Wachstumspotenzial, nüchtern betrachtet
Die installierte Elektrolyse-Kapazität wächst zwar, bleibt aber klein und hinter vielen früheren Prognosen zurück. Viele angekündigte Großprojekte werden verschoben oder gestrichen, weil belastbare Abnahmeverträge fehlen und die Produktionskosten für grünen Wasserstoff weiter deutlich über denen fossiler Alternativen liegen. Für Anleger heißt das: Das langfristige Nachfragepotenzial für Elektrolyseure und Brennstoffzellen ist vorhanden, der Weg dahin ist aber weder gerade noch schnell, und die politischen Rahmenbedingungen haben sich zuletzt eher abgekühlt als beschleunigt.
Die handelbaren Wasserstoff-ETFs im Überblick
Für deutsche Privatanleger sind mehrere in Europa zugelassene UCITS-ETFs handelbar. Die folgenden Angaben haben wir gegen justETF und die Emittenten-Factsheets geprüft (Stand Juli 2026, Werte schwanken):
- L&G Hydrogen Economy UCITS ETF (USD, thesaurierend) – ISIN IE00BMYDM794, TER 0,49 % p.a., Index Solactive Hydrogen Economy, Fondsvolumen rund 430 Mio. Euro, physische Replikation.
- VanEck Hydrogen Economy UCITS ETF (USD) – ISIN IE00BMDH1538, TER 0,55 % p.a., Index MVIS Global Hydrogen Economy ESG, Fondsvolumen rund 120 Mio. Euro, physische Replikation.
- Amundi Global Hydrogen ESG Screened UCITS ETF (EUR, thesaurierend) – ISIN FR0010930644, TER 0,45 % p.a., Index Bloomberg Hydrogen Screened, Fondsvolumen rund 230 Mio. Euro, physische Replikation.
- BNP Paribas Easy ECPI Global ESG Hydrogen Economy UCITS ETF – ISIN LU2533813023, Index ECPI Global ESG Hydrogen Economy, mit ESG-Filter.
Ein Hinweis zu älteren Quellen und Datenbanken: Für den L&G kursiert teils eine falsche ISIN, maßgeblich ist IE00BMYDM794. Beim VanEck existiert neben der irischen UCITS-Linie (IE00BMDH1538) eine separate deutsche Notierungskennung, für die Fondsauswahl zählt die ISIN des irischen UCITS-Produkts. Prüfe vor dem Kauf immer ISIN und aktuelles Factsheet.
Kostenstruktur im Detail
Die Total Expense Ratio (TER) ist die laufende Jahresgebühr des ETFs. Sie liegt bei diesen Fonds zwischen 0,45 % (Amundi) und 0,55 % (VanEck) und damit deutlich über dem, was ein breiter Welt-ETF kostet. Das ist typisch für enge Themen-ETFs. Über zehn Jahre summiert sich ein Kostenunterschied von 0,10 Prozentpunkten zwar spürbar, in diesem Segment ist die TER aber der kleinere Risikofaktor: Die Kursschwankungen des zugrunde liegenden Themas übertreffen die Gebührenunterschiede um ein Vielfaches. Wer generell auf günstige ETFs achtet, findet Hintergründe unter sinkende ETF-Kosten.
Nachhaltigkeits-Screening, mehr als ein Buzzword?
VanEck, Amundi und BNP Paribas filtern ihre Titel nach ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Governance). Das grenzt Unternehmen mit gravierenden Verstößen aus, es macht aus einem hochspekulativen Themen-ETF aber kein risikoarmes Impact-Investment. Ehrlich bleibt: Ein ESG-Label reduziert die Volatilität des Sektors nicht. Prüfe im Zweifel die tatsächlichen Portfoliopositionen im Factsheet, statt dich allein auf das Label zu verlassen.
Technologischer Fokus: Elektrolyseure und Brennstoffzellen
Die größten Positionen dieser Fonds liegen bei Herstellern von Elektrolyseuren und bei Brennstoffzellen-Anbietern. In der Theorie profitieren beide von Skaleneffekten: mehr produzierte Megawatt bedeuten niedrigere Stückkosten. In der Praxis kämpfen viele dieser Firmen bislang mit ausbleibenden Aufträgen und hohem Kapitalbedarf. Wer über einen ETF investiert, kauft also einen Korb überwiegend defizitärer Wachstumsfirmen, nicht etablierte Cashflow-Maschinen.
Risikoprofil und Volatilität
Reine Wasserstoff-ETFs gehören zu den schwankungsstärksten Aktienprodukten am Markt. Jahresbewegungen von plus/minus 30 Prozent und mehr sind normal, ein zwischenzeitlicher Rückgang von über 60 Prozent ist beim L&G bereits eingetreten. Für die meisten Anleger heißt das: Wenn überhaupt, taugt ein solcher ETF nur als kleine Beimischung (Größenordnung wenige Prozent), die du im Zweifel jahrelang aushalten musst. Als Kerninvestment ist er ungeeignet. Wer breiter in die Energiewende investieren will, findet mit CO₂-neutraler Infrastruktur eine breiter gestreute Alternative.
Regionale Schwerpunkte und Diversifikation
Die Fonds decken Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien ab. In der Praxis ist die Diversifikation aber begrenzt: Es handelt sich um wenige Dutzend Titel derselben Branche, die stark im Gleichlauf schwanken. Eine geografische Streuung senkt hier das Länderrisiko, nicht aber das dominante Themen- und Sektorrisiko.
Regulatorische Rahmenbedingungen
Die EU verfolgt mit ihrer Wasserstoffstrategie und dem REPowerEU-Rahmen ehrgeizige Ausbauziele für erneuerbaren Wasserstoff bis 2030, flankiert von nationalen Förderprogrammen. Wichtig für die Erwartungshaltung: Angekündigte Fördervolumina sind keine garantierten Unternehmensgewinne. Viele Projekte hängen an finalen Investitionsentscheidungen und Abnahmeverträgen, die zuletzt häufig ausblieben. Förderung kann Kurse kurzfristig beflügeln, ersetzt aber keine tragfähigen Geschäftsmodelle.
Steuerliche Aspekte für deutsche Privatanleger
Auf Gewinne und Ausschüttungen aus ETFs fällt in Deutschland die Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag (zusammen rund 26,375 %) und gegebenenfalls Kirchensteuer an. Da diese Fonds überwiegend Aktien halten, greift die Teilfreistellung von 30 % für Aktien-ETFs, das heißt, 30 % der Erträge bleiben steuerfrei. Der Sparerpauschbetrag liegt bei 1.000 Euro pro Person (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung). Bei thesaurierenden ETFs wie L&G und Amundi kommt in Jahren mit positiver Wertentwicklung die Vorabpauschale zum Tragen (Basiszins 2026: 3,20 %). Ob thesaurierend oder ausschüttend steuerlich günstiger ist, hängt von deiner persönlichen Situation ab.
Handel, Liquidität und Broker
Diese Themen-ETFs sind kleiner und weniger liquide als breite Indexfonds. Nutze deshalb möglichst Limit-Orders statt Market-Orders, um bei größeren Geld-Brief-Spannen keine ungünstigen Kurse zu erwischen, und handle bevorzugt zu den Haupthandelszeiten der jeweiligen Börse. Bei Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable Capital lassen sich viele dieser ETFs kostengünstig kaufen und teils auch besparen. Prüfe vor dem Kauf, ob dein Wunsch-ETF beim jeweiligen Broker verfügbar und (bei Sparplänen) sparplanfähig ist.
Tracking-Error und Indexmethodik
Der Tracking-Error misst, wie stark die ETF-Rendite von ihrem Index abweicht. Da die hier genannten Fonds physisch und weitgehend vollständig replizieren, ist die Indexabbildung meist eng. Wichtiger als der Tracking-Error ist bei diesem Thema aber die Frage, welchen Index ein Fonds überhaupt abbildet: Solactive, MVIS, Bloomberg und ECPI definieren die Wasserstoff-Wertschöpfungskette unterschiedlich, was zu spürbar abweichenden Portfolios und Renditen führt. Ein Vergleich der Indexmethodik im Factsheet ist daher aufschlussreicher als ein Blick allein auf die TER. Ergänzend kann ein Blick auf Ladeinfrastruktur-ETFs beim Verständnis verwandter Energiewende-Themen helfen.
Fazit
Grüner Wasserstoff bleibt technologisch ein wichtiger Baustein der Energiewende, aber als Investment ist er hochspekulativ und hat seit 2021 viel Anlegerkapital vernichtet. Wer investieren will, sollte das mit realistischen Erwartungen tun: als kleine, langfristige Beimischung, mit dem Wissen um jahrelange Verlustphasen und um Unternehmen, die überwiegend noch keine Gewinne schreiben. ETFs bieten dabei den einfachsten und breitesten Zugang und sind einer Wette auf einzelne Wasserstoff-Aktien meist vorzuziehen. Ein Selbstläufer ist dieses Segment aber nicht.
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