ESG-Bewertung in Indexfonds: Nachhaltigkeitsscores Portfolio

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Der ESG‑Score fasst Umwelt‑, Sozial‑ und Governance‑Risiken in einer Kennzahl von 0‑10 zusammen. Er gibt Aufschluss über die Nachhaltigkeitsrisiken eines Unternehmens, garantiert aber keine überlegene Performance.

ESG-Bewertung in Indexfonds: Nachhaltigkeitsscores Portfolio

Was steckt hinter dem ESG‑Score?

Der ESG‑Score versucht, Umwelt‑ (E), Sozial‑ (S) und Governance‑(G)‑Risiken in einer einzigen Kennzahl zu bündeln. Ratingagenturen sammeln Daten zu CO₂‑Emissionen (Recycling‑ und Upcycling‑ETFs), Wasserverbrauch, Arbeitsbedingungen, Diversität (Energie‑ETFs in Schwellenländern) und Vorstandsethik. Anschließend werden Gewichtungen festgelegt und ein Zahlenwert zwischen 0 und 10 (oder 0 % – 100 %) ausgegeben. Ein hoher Score signalisiert, dass das Unternehmen weniger Nachhaltigkeitsrisiken birgt (Carbon‑neutral‑Infrastruktur‑ETFs) – das ist aber kein Freifahrtschein für uneingeschränkte Performance.

Methoden der großen Ratinganbieter

Die drei Marktführer MSCI, Sustainalytics und ISS nutzen unterschiedliche Modelle:

  1. MSCI ESG Research: Bewertet rund 7.500 Unternehmen, analysiert 650.000 Wertpapiere und liefert den „Fund ESG Quality Score“ von 0 bis 10. Die Gewichtung von Umwelt‑ gegenüber Governance‑Kriterien variiert je nach Branche.
  2. Sustainalytics: Nutzt einen „Risk‑Based Approach“, bei dem das Risiko von Kontroversen im Fokus steht. Ein Unternehmen mit hoher CO₂‑Intensität, aber wenig Governance‑Problemen kann einen besseren Score erhalten als ein Unternehmen mit moderaten Emissionen, aber schweren Menschenrechtsverletzungen.
  3. ISS ESG: Legt besonderen Wert auf Governance‑Parameter und verwendet einen „Best‑in‑Class“-Ansatz, bei dem Unternehmen innerhalb ihrer Sektor‑Peers verglichen werden.

Das Ergebnis: Das gleiche Unternehmen kann je nach Agentur sehr unterschiedliche Scores erhalten – ein klassisches Beispiel für fehlende Vergleichbarkeit.

Wie ESG‑Scores Indexfonds formen

Indexfonds übernehmen die ESG‑Bewertung ihrer Bestandteile auf drei Arten:

  • Ausschlusskriterien: Branchen wie Waffen, Tabak oder Kohle werden komplett aus dem Index gestrichen.
  • Gewichtungsanpassungen: Unternehmen mit überdurchschnittlichen ESG‑Scores erhalten ein leichtes Aufwind‑Boost, während schwächere Unternehmen abgewichtet werden.
  • Screening‑Layer: Einige ETFs kombinieren Ausschluss und Gewichtung, etwa indem sie nur die Top‑30 % der ESG‑Scores innerhalb eines Sektors zulassen.

Die Praxis zeigt, dass die meisten ESG‑ETFs nur marginal von ihren klassischen Pendants abweichen. Der iShares MSCI World SRI UCITS ETF (ISIN IE00BYX5JQ15) beispielsweise nutzt den MSCI World‑Index und schließt lediglich Unternehmen aus, die in den Bereichen Kohle‑Energie oder kontroverse Waffen aktiv sind. Das Ergebnis: Die Zusammensetzung bleibt zu etwa 95 % identisch mit dem Standard‑MSCI‑World‑ETF.

Performance und Volatilität im Blick

Studien aus den Jahren 2020‑2024 zeigen, dass ESG‑ETFs im Durchschnitt eine Rendite von +6,2 % pro Jahr erzielen – im Vergleich zu +5,9 % bei den entsprechenden klassischen ETFs. Der Unterschied ist also klein, aber nicht vernachlässigbar. In Krisenzeiten, etwa während der Pandemie‑Welle 2020, lag die Volatilität von ESG‑Fonds etwa 0,15 Prozentpunkte unter der von Nicht‑ESG‑Fonds, weil Unternehmen mit solider Governance weniger anfällig für Schocks waren.

Allerdings hängt die Performance stark von der angewandten Methodik ab. Ein Fonds, der stark auf Ausschlüsse setzt, kann unterdurchschnittliche Renditen erzielen, wenn er dadurch auf wachstumsstarke, aber „grüne“ Unternehmen verzichtet. Umgekehrt kann ein Fonds, der ESG‑Scores zur Gewichtung nutzt, von Unternehmen profitieren, die gleichzeitig ökologisch stark und profitabel sind.

Kosten, Transparenz und regulatorischer Druck

Zusätzliche Analyse- und Monitoring‑Aufwände führen bei ESG‑ETFs meist zu höheren Gesamtkostenquoten (TER). Während ein klassischer MSCI‑World‑ETF bei 0,20 % TER liegen kann, kostet der nachhaltige Gegenpart häufig 0,30 % – 0,35 %. Für einen Anleger mit 100.000 € Anlagevolumen entspricht das einer Jahresdifferenz von 100 € bis 150 €. Wer in nachhaltige Energie‑ETFs in Schwellenländern investiert, sollte diese höheren Kosten in die Gesamtrendite einrechnen.

Die EU‑Offenlegungsverordnung (SFDR) und die Taxonomie‑Verordnung verlangen seit 2023 detaillierte Angaben zu Nachhaltigkeitsmerkmalen. Fonds, die diese Vorgaben nicht erfüllen, riskieren Sanktionen und Vertrauensverlust. Transparenz‑Reports enthalten heute neben den ESG‑Scores auch den Anteil an „grünen“ Anlagen (z. B. 23 % des Fondsvermögens sind in erneuerbare Energien investiert) und die Methode zur Datenbeschaffung. Interessierte Anleger können sich zudem über Carbon‑Neutral‑Infrastruktur‑ETFs informieren, die gezielt in Projekte zur Dekarbonisierung von Bau und Verkehr investieren.

Ein weiterer Trend im ESG‑Umfeld ist die zunehmende Bedeutung von digitalen Gesundheitslösungen. Telemedizin‑ETFs bieten Anlegern die Möglichkeit, von innovativen, nachhaltigen Gesundheitsdiensten zu profitieren, die gleichzeitig den Zugang zu medizinischer Versorgung verbessern.

Risiken durch Inkonsistenzen und Greenwashing

Ein zentrales Problem bleibt die Uneinheitlichkeit der Ratings. Wenn MSCI einem Unternehmen ein Score von 8,5 gibt und Sustainalytics nur 4,2, kann das Portfolio‑Manager verwirren. Anleger sollten daher nicht blind auf ein einzelnes Rating vertrauen, sondern mehrere Quellen vergleichen. Ein Blick auf ETFs für Energie in Schwellenländern zeigt, dass selbst hier die ESG‑Bewertungen stark divergieren können.

Greenwashing ist ein weiterer Stolperstein. Einige Anbieter deklarieren ESG‑Kriterien, entfernen jedoch nur ein oder zwei kontroverse Unternehmen, während der Rest des Portfolios unverändert bleibt. Ein kurzer Blick in den Jahresbericht des iShares MSCI World SRI zeigt, dass das Unternehmen weiterhin Anteile an einem Ölkonzern hält, dessen CO₂‑Intensität im oberen Drittel der Branche liegt – das ist ein klassisches „Partial‑Exclusion“-Szenario. Solche Praktiken werden häufig durch den Fokus auf Carbon‑Neutral‑Infrastruktur‑ETFs kritisiert, die strengere Ausschlusskriterien anwenden.

Für Investoren, die wirklich nachhaltige Themen unterstützen wollen, bieten sich auch spezialisierte Produkte wie Recycling‑ und Upcycling‑ETFs an, die gezielt Unternehmen mit geschlossenen Lieferketten fördern.

Werkzeuge für die eigenständige Analyse

Damit du die ESG‑Bewertung deines Portfolios selbst prüfen kannst, stehen dir folgende Hilfsmittel zur Verfügung:

  1. ESG‑Datenbanken: Bloomberg ESG, Refinitiv und das kostenlose EU‑Sustainable Finance Disclosure Regulation‑Portal bieten Unternehmensscores und historische Entwicklungen.
  2. Fonds‑Fact‑Sheets: Achte auf die Rubrik „Sustainability Highlights“ und prüfe, ob die Quelle (MSCI, Sustainalytics, ISS) klar angegeben ist.
  3. Vergleichs‑Tools: Websites wie JustETF oder Morningstar ermöglichen den Gegenvergleich von ESG‑ und klassischen ETFs nach TER, Tracking‑Error und Score‑Durchschnitt. Mehr dazu findest du im Netfonds‑Vergleichsrechner.
  4. Screening‑Software: Programme wie Portfolio Visualizer erlauben, eigene Ausschluss‑ und Gewichtungsregeln zu definieren und die Auswirkungen auf Risiko‑ und Renditekennzahlen zu simulieren.

Durch die Kombination dieser Quellen kannst du die Glaubwürdigkeit des ESG‑Claims prüfen und mögliche Lücken im Portfolio aufdecken. Weitere Informationen zu nachhaltigen Anlagethemen findest du etwa im Carbon‑Neutral‑Infrastruktur‑ETF.

Praxisbeispiel: Der Einfluss eines ESG‑Scores auf deine Asset‑Allocation

Stell dir vor, du besitzt einen breiten Aktien‑ETF, der den MSCI World abbildet. Du möchtest nun einen Carbon‑Neutral‑ETF-Tilt einbauen, ohne das Risiko zu erhöhen. Du entscheidest dich für einen Filter, der Unternehmen mit einem MSCI‑Score unter 5 ausschließt. Das reduziert das Portfolio um etwa 8 % der Unternehmen, erhöht den durchschnittlichen ESG‑Score von 6,2 auf 7,4 und senkt die erwartete Volatilität um 0,12 %‑Punkte. Gleichzeitig steigt die TER von 0,20 % auf 0,28 %.

Die Zahlen zeigen: Ein gezielter ESG‑Filter kann das Risiko leicht verringern, kostet aber mehr und reduziert die Diversifikation. Ob das für dich sinnvoll ist, hängt von deiner Risikobereitschaft und deinem Recycling‑ETF-Nachhaltigkeitsziel ab.

Für eine umfassendere Asset‑Allocation solltest du zudem prüfen, welche ETF‑Strategien zu deiner Gesamtstrategie passen.

Strategische Tipps für den Alltag

Damit du ESG‑Ratings effektiv nutzt, beachte diese kurzen Handlungsimpulse:

  • Vergleiche mindestens zwei Ratingagenturen, bevor du einen ETF auswählst.
  • Vergleiche die TER – ein kleiner Unterschied kann über Jahre hinweg die Rendite stark beeinflussen.
  • Achte auf die Offenlegungspflicht gemäß SFDR; ein fehlendes Nachhaltigkeits‑Label ist ein Warnsignal.
  • Nutze Screening‑Tools, um eigene Ausschlusskriterien zu testen, bevor du in einen ETF investierst.
  • Behalte die Entwicklung der ESG‑Scores im Blick; ein Unternehmen kann seinen Score von 7 auf 4 sinken lassen, wenn ein Skandal auftritt.

Fazit

ESG‑Scores geben ein transparentes Bild von Nachhaltigkeitsleistungen, doch die unterschiedliche Methodik der Ratinganbieter kann die Auswahl stark beeinflussen. Für Indexfonds bedeutet dies, dass die Zusammensetzung und die Performance je nach Score-Auswahl variieren, während höhere Nachhaltigkeitsprämien oft mit höheren Kosten und erhöhter Volatilität einhergehen. Anleger sollten daher die Bewertungsgrundlagen, die Transparenz der Fonds und den regulatorischen Kontext sorgfältig prüfen, um ein ausgewogenes Risiko‑Ertragsprofil zu erreichen.

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