DWS Vermögensbildungsfonds I: Finanztest, Kosten & ETF

Zuletzt aktualisiert am

Der DWS Vermögensbildungsfonds I lockt mit langer Historie & Tech-Fokus. Doch hohe Kosten und Underperformance ggü. ETFs trüben das Bild. Wir beleuchten, warum aktive Fonds wie dieser oft keine gute Wahl sind – und zeigen günstigere Alternativen auf.

DWS Vermögensbildungsfonds I: Finanztest, Kosten & ETF

Der DWS Vermögensbildungsfonds I im Detail

Hinter dem etwas sperrigen Namen und der ISIN DE0008476524 verbirgt sich ein global investierender Aktienfonds. Aufgelegt wurde das Produkt bereits im Dezember 1970. Über ein halbes Jahrhundert Börsengeschichte hat dieser Fonds miterlebt. Aktuell verwaltet das Management-Team ein beachtliches Volumen im zweistelligen Milliardenbereich für die gesamte Fondsgruppe.

Seit 2013 hält Andre Koettner als Fondsmanager die Zügel in der Hand. Seine Strategie basiert auf klassischem Stock-Picking. Anstatt blind einen Index nachzubauen, sucht das Team aktiv nach Unternehmen, die unterbewertet sind oder ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial aufweisen. Die formelle Vorgabe des Fonds ist lediglich eine Mindestaktienquote von 51 Prozent. In der Praxis ist der Fonds jedoch fast vollständig in Aktien investiert.

Ein Blick unter die Haube zeigt eine klare Ausrichtung. Der Fonds ist massiv in den USA und im Technologiesektor engagiert. Der US-Dollar macht fast 60 Prozent der Währungsgewichtung aus. Zu den größten Positionen im Portfolio gehören absolute Schwergewichte wie Taiwan Semiconductor, Alphabet, Microsoft und Nvidia. Wer also glaubt, hier in ein konservatives, breit gestreutes Weltportfolio europäischer Prägung zu investieren, irrt sich. Der Fonds ist eine hochkonzentrierte Wette auf die amerikanische Tech-Dominanz.

Performance: Solide Zahlen mit einem großen Aber

Wenn wir die nackten Zahlen betrachten, muss sich der Fonds nicht verstecken. Ein Blick auf die historische Wertentwicklung zeigt, dass Anleger in der Vergangenheit durchaus Geld verdient haben. Auf Sicht von zehn Jahren lieferte der Fonds eine durchschnittliche Rendite von knapp 10 Prozent pro Jahr. Das ist ein Wert, der die Inflation schlägt und das Vermögen real vermehrt.

Auch die jüngere Historie zeigt beachtliche Ausschläge. Im Jahr 2023 stand ein Plus von gut 18 Prozent auf der Anzeigetafel, gefolgt von weiteren 19 Prozent im Jahr 2024. Diese Zahlen lesen sich auf den ersten Blick hervorragend. Doch die Realität an der Börse wird immer relativ gemessen. Und hier offenbart sich die Schwachstelle.

Der logische Vergleichsmaßstab für einen globalen Aktienfonds aus Industrieländern ist der MSCI World Index. Dieser passive Index lieferte im selben Zehnjahreszeitraum eine jährliche Rendite von rund 13 Prozent. Ein Unterschied von 3 Prozentpunkten pro Jahr mag nach wenig klingen, entfaltet aber über die Zeit durch den Zinseszinseffekt eine gewaltige Hebelwirkung. Bei einer Einmalanlage von 10.000 Euro sprechen wir nach 20 Jahren nicht von Peanuts, sondern von zehntausenden Euro Unterschied beim Endvermögen. Der Fonds fängt zwar die Marktrendite gut ein, hinkt der passiven Konkurrenz aber systematisch hinterher.

Zudem ist die Volatilität nicht zu unterschätzen. Der Risikoindikator liegt bei 4, was auf deutliche Preisschwankungen hindeutet. Im Krisenjahr 2022 verlor der Fonds über 12 Prozent an Wert. Ein maximaler Drawdown von knapp 14 Prozent in der jüngeren Vergangenheit zeigt, dass auch ein teures Fondsmanagement Markteinbrüche nicht verhindern kann.

Die Kostenfalle: Warum die Rendite auf der Strecke bleibt

Der Hauptgrund für die systematische Underperformance gegenüber dem Markt liegt in der Kostenstruktur. Aktives Management ist teuer. Analysten und Fondsmanager wollen bezahlt werden, und die DWS lässt sich diese Dienstleistung gut entlohnen.

Die laufenden Kosten, auch Total Expense Ratio (TER) genannt, liegen bei etwa 1,45 bis 1,485 Prozent pro Jahr. Diese Gebühr wird direkt aus dem Fondsvermögen entnommen. Das bedeutet für dich: Bevor du auch nur einen Cent Gewinn machst, muss der Fondsmanager jedes Jahr fast 1,5 Prozent erwirtschaften, nur um auf null zu stehen.

Dazu kommt der klassische Ausgabeaufschlag. Wenn du den Fonds regulär über eine Hausbank kaufst, zahlst du 5,00 Prozent Gebühren auf deine Einzahlung. Investierst du 1.000 Euro, fließen nur 950 Euro in den Markt. Fünfzig Euro sind sofort weg. Es dauert meist Monate, bis die Rendite des Fonds diesen anfänglichen Verlust überhaupt wieder ausgeglichen hat.

Der Blick der Tester und die ETF-Wahrheit

Unabhängige Prüfer wie Finanztest weisen seit Jahren auf genau dieses Problem hin. Bei der Bewertung von globalen Aktienfonds schneiden klassische, aktiv gemanagte Produkte im langfristigen Vergleich oft schlechter ab als ihre passiven Gegenstücke. Die Kritikpunkte sind fast immer identisch: Die Gebühren fressen die Rendite auf, und nur den wenigsten Fondsmanagern gelingt es, über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren kontinuierlich besser zu sein als der Markt.

Hier kommt die sogenannte ETF-Wahrheit ins Spiel. Ein Exchange Traded Fund (ETF) bildet lediglich einen Index ab, ohne dass ein teures Management-Team Entscheidungen trifft. Das senkt die Kosten dramatisch.

Nehmen wir als Gegenbeispiel einen Standard-ETF auf den MSCI World, wie etwa den iShares Core MSCI World (ISIN: IE00B4L5Y983). Die laufenden Kosten liegen hier bei schlanken 0,20 Prozent pro Jahr. Ein Ausgabeaufschlag existiert beim Kauf über die Börse nicht. Der Kostenvorteil des ETFs gegenüber dem DWS Vermögensbildungsfonds I beträgt somit rund 1,25 Prozentpunkte jedes Jahr. In der harten Realität der Finanzmärkte ist das genau die Differenz, die am Ende über den langfristigen Anlageerfolg entscheidet.

Um von diesen günstigen Konditionen zu profitieren, ist die Wahl des richtigen Brokers entscheidend. Moderne Neobroker haben den Markt für Privatanleger in den letzten Jahren komplett umgekrempelt. Plattformen wie Trade Republic oder Scalable Capital bieten die Möglichkeit, ETFs komplett ohne Ordergebühren im Sparplan zu besparen. Der Wechsel von einem teuren Filialbank-Depot mit aktiven Fonds zu einem Neobroker mit ETF-Sparplan ist heutzutage in wenigen Tagen erledigt und reduziert die Reibungsverluste auf ein absolutes Minimum.

Online Broker Vergleich 2025: Bestes Depot für ETF & Aktien
Der Broker kann zwar nicht die Rendite deiner Aktien und ETFs beeinflussen, aber durch möglichst geringe Kosten exzellente Grundvoraussetzungen für eine positive Entwicklung schaffen. Hier zeigen wir dir, bei welchem Broker und in welchem Depot 2025 deine Aktien und ETFs am besten aufgehoben sind.

Sonderfall VL-Sparen: Lohnt sich der Fonds hier?

Ein Bereich, in dem der DWS Vermögensbildungsfonds I extrem weit verbreitet ist, sind die vermögenswirksamen Leistungen. Viele Arbeitgeber geben ihren Mitarbeitern monatlich Geld dazu, wenn dieses in spezielle Verträge fließt. Der DWS-Fonds war jahrzehntelang das Standardprodukt für diese Anlageform.

Ein Vorteil bei vielen VL-Anbietern ist, dass der reguläre Ausgabeaufschlag von 5 Prozent rabattiert wird und oft komplett entfällt. Das macht den Einstieg günstiger. Dennoch bleiben die hohen laufenden Kosten von knapp 1,5 Prozent bestehen.

Wer aktuell noch einen VL-Vertrag mit diesem Fonds bespart, sollte prüfen, ob der eigene Anbieter auch VL-fähige ETFs im Programm hat. Mittlerweile bieten spezialisierte Plattformen wie Oskar oder Finvesto auch für vermögenswirksame Leistungen reine ETF-Lösungen an. Selbst wenn der Arbeitgeber den vollen Betrag zahlt, verschenkst du durch die hohen Fondskosten bares Geld. Es ist schließlich dein Vermögen, das am Ende der siebenjährigen Sperrfrist ausgezahlt wird.

Die Versicherungspolice: Der Rechenweg zur Trennung

Noch komplizierter wird die Sachlage, wenn der DWS Vermögensbildungsfonds I Teil einer fondsgebundenen Rentenversicherung oder Lebensversicherung ist. In den 1990er und 2000er Jahren wurden diese Policen millionenfach verkauft. Hier greift ein doppelter Kostenmechanismus.

  • Zum einen zahlst du die Verwaltungskosten des Versicherungsmantels, die oft zwischen 1 und 2 Prozent pro Jahr liegen.
  • Zum anderen zahlst du die internen Fondskosten des DWS-Produkts von rund 1,45 Prozent.

In der Summe gehen so schnell über 3 Prozent deiner Rendite jährlich verloren. Um hier eine rationale Entscheidung zu treffen, musst du den Break-Even-Point berechnen. Du vergleichst den aktuellen Rückkaufswert der Police mit der zu erwartenden Nettorendite bei einer sofortigen Umschichtung in ein kostenloses ETF-Depot.

Oftmals deckt die Steuerersparnis der alten Policen die horrenden laufenden Kosten nicht annähernd ab. Wer eine Excel-Tabelle bemüht und die jährliche Rendite eines ETFs von realistischen 7 Prozent nach Inflation ansetzt, stellt meist fest, dass eine Kündigung der Police und die Neuanlage in einen MSCI World ETF auf lange Sicht zehntausende Euro mehr einbringen. Die psychologische Hürde, einen scheinbar sicheren Versicherungsvertrag aufzulösen, steht hier oft im Konflikt mit der reinen mathematischen Logik.

Das Portfolio unter der Lupe: Klumpenrisiken erkennen

Wer sich trotz der Kostenstruktur für den Fonds entscheidet oder alte Bestände weiterführt, muss sich der konkreten Zusammensetzung des Portfolios bewusst sein. Der Fondsmanager hat eine klare Wette auf Technologieaktien abgeschlossen.

Mit fast 30 Prozent Gewichtung dominiert der IT-Sektor das Portfolio massiv. Diese Strategie hat in den vergangenen Jahren, angetrieben durch den Hype um künstliche Intelligenz und Cloud-Computing, gut funktioniert. Unternehmen wie Taiwan Semiconductor, die extrem stark von der Nachfrage nach hochkomplexen Mikrochips profitieren, haben die Rendite des Fonds getragen.

Allerdings birgt diese Konzentration auch erhebliche Risiken. Sollte der Technologiesektor eine Schwächephase durchlaufen oder strenger reguliert werden, wird der DWS Vermögensbildungsfonds I diese Korrektur mit voller Wucht spüren. Ein klassischer Index-ETF streut dieses Risiko zwar ebenfalls nicht komplett weg, da auch der MSCI World stark US-Tech-lastig ist, er federt es durch die schiere Masse an über 1.500 enthaltenen Unternehmen jedoch weitaus besser ab.

Fazit

Der DWS Vermögensbildungsfonds I liefert solide, aber keine herausragenden Ergebnisse, insbesondere wenn man die hohen Kosten berücksichtigt. In den meisten Fällen schneiden kostengünstigere ETFs deutlich besser ab, weshalb der Fonds nur in bestimmten Kontexten, wie dem VL-Sparen, eine Überlegung wert sein kann. Ansonsten ist er durch seine Kostenstruktur eher eine Belastung für die Rendite.

Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.

Mehr zum Thema:





Rechtliche Hinweise: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Die in den Artikeln erwähnten ETFs und anderen Finanzprodukte stellen keine Kaufempfehlung dar. Wir können keine Finanzberatung oder ähnliches anbieten. Der Wert von Aktien, ETFs und ETCs, die über ein Wertpapierdepot gekauft wurden, kann sowohl steigen als auch fallen. Börsengeschäfte stellen ein erhebliches Risiko dar, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. etf.capital haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden. Der Autor besitzt keinen der genannten ETFs. Keiner der Inhalte stellt ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Kryptoassets sind hochvolatile unregulierte Anlageprodukte. Es existiert kein EU-Anlegerschutz.

Vergleiche: Unsere Anbieter-Vergleiche bieten keinen kompletten Marktüberblick. Zur Finanzierung dieser Website erhalten wir von den Anbietern eine Provision bei Kontoeröffnung. Die Vergleiche beginnen mit den Anbietern mit der höchsten Abschlussquote und endet mit der niedrigsten. Bei gleicher Abschlussquote werden die Aufrufe hinzugezogen. D. h. Produkte, die im Verhältnis zu den Aufrufen hier öfter gewählt werden, sind höher platziert. Bewertungen können nicht auf Echtheit geprüft werden. Der Anbieter auf Platz 1 wird zusätzlich farblich hervorgehoben. Testsiegel werden angezeigt, sofern sie uns vom Anbieter zur Verfügung gestellt wurden.

"Kostenlose ETF-Sparpläne" bezieht sich auf die Ausführung der Sparpläne. Es entstehen ggfs. weitere Produktkosten und Zuwendungen. Bei Aktionsangeboten gelten die Teilnahmebedingungen des jeweiligen Anbieters.

Die mit einem Sternchen (*) oder versehenen Links oder farblich hervorgehobenen Schaltflächen sind i.d.R. bezahlte Produktplatzierung zur Finanzierung dieser Website. Dir entstehen dadurch keinerlei Nachteile. Du unterstützt damit unsere Arbeit.

DWS Vermögensbildungsfonds I: Finanztest, Kosten & ETF
Teilen
Twitter icon Facebook icon