DWS Vermögensbildungsfonds I: Finanztest, Kosten & ETF
Der DWS Vermögensbildungsfonds I lockt mit langer Historie & Tech-Fokus. Doch hohe Kosten und Underperformance ggü. ETFs trüben das Bild. Wir beleuchten, warum aktive Fonds wie dieser oft keine gute Wahl sind – und zeigen günstigere Alternativen auf.
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung und keine Anlageberatung.
Der DWS Vermögensbildungsfonds I im Detail
Hinter dem etwas sperrigen Namen und der ISIN DE0008476524 (WKN 847652, Tranche LD) verbirgt sich ein global investierender, aktiv gemanagter Aktienfonds der DWS. Aufgelegt wurde das Produkt bereits im Dezember 1970, es hat also über ein halbes Jahrhundert Börsengeschichte miterlebt. Mit einem Fondsvolumen von rund 20 Milliarden Euro (Stand: Juli 2026) gehört es zu den größten Publikumsfonds im deutschsprachigen Raum. Wichtig zu wissen: Die LD-Tranche ist ausschüttend, die Erträge landen also periodisch auf deinem Verrechnungskonto und werden nicht automatisch wieder angelegt.
Seit 2013 hält Andre Koettner als Fondsmanager die Zügel in der Hand. Seine Strategie basiert auf klassischem Stock-Picking. Anstatt blind einen Index nachzubauen, sucht das Team aktiv nach Unternehmen, die unterbewertet sind oder ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial aufweisen. Die formelle Vorgabe des Fonds ist lediglich eine Mindestaktienquote von 51 Prozent. In der Praxis ist der Fonds jedoch fast vollständig in Aktien investiert, aktuell verteilt auf gut 140 Einzeltitel.
Ein Blick unter die Haube zeigt eine klare Ausrichtung. Der Fonds ist massiv in den USA und im Technologiesektor engagiert. Zu den größten Positionen im Portfolio gehören absolute Schwergewichte wie Microsoft, Alphabet, Nvidia und der Chipfertiger Taiwan Semiconductor. Wer also glaubt, hier in ein konservatives, breit gestreutes Weltportfolio europäischer Prägung zu investieren, irrt sich. Der Fonds ist eine hochkonzentrierte Wette auf die amerikanische Tech-Dominanz. Ob aktives Stock-Picking diesen Aufpreis überhaupt wert ist, diskutieren wir ausführlich in unserem Vergleich ETF oder aktiv gemanagter Fonds.
Performance: Solide Zahlen mit einem großen Aber
Wenn wir die nackten Zahlen betrachten, muss sich der Fonds nicht verstecken. Ein Blick auf die historische Wertentwicklung zeigt, dass Anleger in der Vergangenheit durchaus Geld verdient haben. Über die vergangenen zwölf Monate lag die Wertentwicklung im hohen zweistelligen Prozentbereich, getragen vom starken US-Techmarkt. Auch über zehn Jahre lieferte der Fonds im Schnitt eine ordentliche Jahresrendite, die klar oberhalb der Inflation liegt und das Vermögen real vermehrt.
Diese Zahlen lesen sich auf den ersten Blick hervorragend. Doch die Realität an der Börse wird immer relativ gemessen. Und hier offenbart sich die Schwachstelle.
Der logische Vergleichsmaßstab für einen globalen Aktienfonds aus Industrieländern ist der MSCI World Index, den die DWS selbst als Benchmark angibt. Über lange Zeiträume hinkt der Fonds diesem passiven Index nach Kosten in vielen Perioden hinterher. Ein Rückstand von zwei bis drei Prozentpunkten pro Jahr mag nach wenig klingen, entfaltet aber über die Zeit durch den Zinseszinseffekt eine gewaltige Hebelwirkung. Bei einer Einmalanlage von 10.000 Euro sprechen wir nach 20 Jahren nicht von Peanuts, sondern schnell von mehreren tausend Euro Unterschied beim Endvermögen.
Zudem ist die Volatilität nicht zu unterschätzen. Der Fonds schwankt spürbar (Volatilität zuletzt im mittleren zweistelligen Bereich pro Jahr), und im Krisenjahr 2022 gab er deutlich nach. Das zeigt: Auch ein teures Fondsmanagement kann Markteinbrüche nicht verhindern.
Die Kostenfalle: Warum die Rendite auf der Strecke bleibt
Der Hauptgrund für die systematische Underperformance gegenüber dem Markt liegt in der Kostenstruktur. Aktives Management ist teuer. Analysten und Fondsmanager wollen bezahlt werden, und die DWS lässt sich diese Dienstleistung gut entlohnen.
Die laufenden Kosten (Ongoing Charges) liegen laut DWS und justETF bei 1,45 Prozent pro Jahr. Rechnet man geschätzte Transaktionskosten hinzu, landet die Gesamtbelastung bei rund 1,58 Prozent jährlich. Diese Gebühr wird direkt aus dem Fondsvermögen entnommen. Das bedeutet für dich: Bevor du auch nur einen Cent Gewinn machst, muss der Fondsmanager jedes Jahr rund 1,5 Prozent erwirtschaften, nur um auf null zu stehen.
Dazu kommt der klassische Ausgabeaufschlag. Wenn du den Fonds regulär über eine Hausbank kaufst, zahlst du bis zu 5,00 Prozent Gebühren auf deine Einzahlung. Investierst du 1.000 Euro, fließen nur 950 Euro in den Markt. Fünfzig Euro sind sofort weg. Es dauert meist Monate, bis die Rendite des Fonds diesen anfänglichen Verlust überhaupt wieder ausgeglichen hat.
Der Blick der Tester und die ETF-Wahrheit
Unabhängige Prüfer wie Finanztest (Stiftung Warentest) weisen seit Jahren auf genau dieses Problem hin. Bei der Bewertung von globalen Aktienfonds schneiden klassische, aktiv gemanagte Produkte im langfristigen Vergleich oft schlechter ab als ihre passiven Gegenstücke. Die Kritikpunkte sind fast immer identisch: Die Gebühren fressen die Rendite auf, und nur den wenigsten Fondsmanagern gelingt es, über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren kontinuierlich besser zu sein als der Markt.
Hier kommt die sogenannte ETF-Wahrheit ins Spiel. Ein Exchange Traded Fund (ETF) bildet lediglich einen Index ab, ohne dass ein teures Management-Team Entscheidungen trifft. Das senkt die Kosten dramatisch.
Nehmen wir als konkretes Gegenbeispiel einen Standard-ETF auf den MSCI World, etwa den iShares Core MSCI World UCITS ETF (ISIN IE00B4L5Y983, thesaurierend). Die laufenden Kosten liegen hier bei schlanken 0,20 Prozent pro Jahr. Ein Ausgabeaufschlag existiert beim Kauf über die Börse nicht. Der Kostenvorteil des ETFs gegenüber dem DWS Vermögensbildungsfonds I beträgt somit rund 1,25 Prozentpunkte jedes Jahr. In der harten Realität der Finanzmärkte ist das genau die Differenz, die am Ende über den langfristigen Anlageerfolg entscheidet. Wer eine ausschüttende Variante bevorzugt, findet in unserer MSCI-World-ETF-Übersicht ebenfalls günstige Alternativen.
Um von diesen günstigen Konditionen zu profitieren, ist die Wahl des richtigen Brokers entscheidend. Moderne Neobroker haben den Markt für Privatanleger in den letzten Jahren komplett umgekrempelt. Plattformen wie Trade Republic oder Scalable Capital bieten die Möglichkeit, viele ETFs kostenlos im Sparplan zu besparen. Ein Hinweis am Rande: Ab dem 1. Juli 2026 ist das umstrittene Payment for Order Flow (PFOF) in der EU verboten, weshalb einige Neobroker ihre Gebührenmodelle bereits angepasst haben. Der Wechsel von einem teuren Filialbank-Depot mit aktiven Fonds zu einem Neobroker mit ETF-Sparplan ist heutzutage in wenigen Tagen erledigt und reduziert die Reibungsverluste auf ein Minimum.

Sonderfall VL-Sparen: Lohnt sich der Fonds hier?
Ein Bereich, in dem der DWS Vermögensbildungsfonds I extrem weit verbreitet ist, sind die vermögenswirksamen Leistungen. Viele Arbeitgeber geben ihren Mitarbeitern monatlich Geld dazu, wenn dieses in spezielle Verträge fließt. Der DWS-Fonds war jahrzehntelang das Standardprodukt für diese Anlageform.
Ein Vorteil bei vielen VL-Anbietern ist, dass der reguläre Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent rabattiert wird und oft komplett entfällt. Das macht den Einstieg günstiger. Dennoch bleiben die hohen laufenden Kosten von rund 1,45 Prozent bestehen.
Wer aktuell noch einen VL-Vertrag mit diesem Fonds bespart, sollte prüfen, ob der eigene Anbieter auch VL-fähige ETFs im Programm hat. Mittlerweile bieten spezialisierte Plattformen auch für vermögenswirksame Leistungen reine ETF-Lösungen an. Selbst wenn der Arbeitgeber den vollen Betrag zahlt, verschenkst du durch die hohen Fondskosten bares Geld. Es ist schließlich dein Vermögen, das am Ende der siebenjährigen Sperrfrist ausgezahlt wird.
Die Versicherungspolice: Der Rechenweg zur Trennung
Noch komplizierter wird die Sachlage, wenn der DWS Vermögensbildungsfonds I Teil einer fondsgebundenen Rentenversicherung oder Lebensversicherung ist. In den 1990er und 2000er Jahren wurden diese Policen millionenfach verkauft. Hier greift ein doppelter Kostenmechanismus.
- Zum einen zahlst du die Verwaltungskosten des Versicherungsmantels, die oft zwischen 1 und 2 Prozent pro Jahr liegen.
- Zum anderen zahlst du die internen Fondskosten des DWS-Produkts von rund 1,45 Prozent.
In der Summe gehen so schnell über 3 Prozent deiner Rendite jährlich verloren. Um hier eine rationale Entscheidung zu treffen, musst du den Break-Even-Point berechnen. Du vergleichst den aktuellen Rückkaufswert der Police mit der zu erwartenden Nettorendite bei einer sofortigen Umschichtung in ein kostenloses ETF-Depot.
Oftmals deckt die Steuerersparnis der alten Policen die hohen laufenden Kosten nicht annähernd ab. Wer eine Excel-Tabelle bemüht und die jährliche Rendite eines ETFs realistisch ansetzt, stellt meist fest, dass eine Kündigung der Police und die Neuanlage in einen MSCI World ETF auf lange Sicht mehrere tausend Euro mehr einbringen kann. Die psychologische Hürde, einen scheinbar sicheren Versicherungsvertrag aufzulösen, steht hier oft im Konflikt mit der reinen mathematischen Logik. Bei komplexen Altverträgen kann eine unabhängige Beratung sinnvoll sein.
Das Portfolio unter der Lupe: Klumpenrisiken erkennen
Wer sich trotz der Kostenstruktur für den Fonds entscheidet oder alte Bestände weiterführt, muss sich der konkreten Zusammensetzung des Portfolios bewusst sein. Der Fondsmanager hat eine klare Wette auf Technologieaktien abgeschlossen.
Mit einem hohen Anteil dominiert der IT-Sektor das Portfolio massiv. Diese Strategie hat in den vergangenen Jahren, angetrieben durch den Hype um künstliche Intelligenz und Cloud-Computing, gut funktioniert. Unternehmen wie Taiwan Semiconductor, die extrem stark von der Nachfrage nach hochkomplexen Mikrochips profitieren, haben die Rendite des Fonds getragen.
Allerdings birgt diese Konzentration auch erhebliche Risiken. Sollte der Technologiesektor eine Schwächephase durchlaufen oder strenger reguliert werden, wird der DWS Vermögensbildungsfonds I diese Korrektur mit voller Wucht spüren. Ein klassischer Index-ETF streut dieses Risiko zwar ebenfalls nicht komplett weg, da auch der MSCI World stark US-Tech-lastig ist, er federt es durch die schiere Masse an rund 1.400 enthaltenen Unternehmen jedoch weitaus besser ab.
Fazit
Der DWS Vermögensbildungsfonds I liefert solide, aber keine herausragenden Ergebnisse, insbesondere wenn man die hohen Kosten (laufende Kosten 1,45 Prozent, Ausgabeaufschlag bis 5 Prozent) berücksichtigt. In den meisten Fällen schneiden kostengünstige Welt-ETFs wie der iShares Core MSCI World (0,20 Prozent TER) langfristig besser ab, weil der jährliche Kostenvorteil über den Zinseszins schwer wiegt. Der Fonds kann in bestimmten Kontexten, etwa beim VL-Sparen mit rabattiertem Ausgabeaufschlag, eine Überlegung wert sein. Ansonsten ist er durch seine Kostenstruktur eher eine Belastung für die Rendite.
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