Invesco vs. Vanguard: Der große FTSE All-World Showdown – Wer hat den besseren ETF?

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Lange Zeit gab es auf die Frage „Welchen Welt-ETF soll ich kaufen?“ nur eine Standardantwort: Den Vanguard FTSE All-World. Doch die Dominanz des „Heiligen Grals“ bröckelt.

Invesco vs. Vanguard: Der große FTSE All-World Showdown – Wer hat den besseren ETF?

Mit dem Invesco FTSE All-World UCITS ETF ist ein Herausforderer in den Ring gestiegen, der dem Platzhirsch vor allem bei den Kosten den Kampf ansagt. Ist es Zeit fuer einen Thronwechsel im Depot? Wir machen den Check (Stand: Juli 2026).

Der FTSE All-World Index ist fuer viele ETF-Anleger das Mass aller Dinge. Er buendelt rund 4.300 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenlaendern und deckt damit ueber 90 Prozent der investierbaren Weltwirtschaft ab. Wer hier investiert, kauft sprichwoertlich "die Welt". Jahrelang war der Vanguard FTSE All-World (in der Community "A1JX52" fuer den Ausschuetter oder "A2PKXG" fuer den Thesaurierer genannt) die unangefochtene Nummer eins. Doch seit Juni 2023 mischt Invesco mit einem aggressiv bepreisten Konkurrenzprodukt den Markt auf. Wir vergleichen die beiden in den Kategorien Kosten, Sicherheit, Performance und Liquiditaet.

Runde 1: Die Kosten (TER) - Der Punkt geht an Invesco

Fuer langfristige Anleger ist die Kostenquote (Total Expense Ratio, TER) einer der wenigen Faktoren, die sie direkt beeinflussen koennen. Hier spielt Invesco seine staerkste Karte aus:

  • Invesco FTSE All-World: 0,15 % TER p.a. (ISIN IE000716YHJ7, Thesaurierer)
  • Vanguard FTSE All-World: 0,19 % TER p.a. (ISIN IE00BK5BQT80, Thesaurierer)

Auf den ersten Blick wirken 0,04 Prozentpunkte Unterschied marginal. Doch der Zinseszinseffekt wirkt ueber Jahrzehnte. Ein Rechenbeispiel: Bei einem einmaligen Investment von 100.000 Euro und einer angenommenen Bruttorendite von 7 Prozent p.a. macht die Differenz von 0,04 Prozentpunkten ueber 30 Jahre grob rund 8.000 bis 9.000 Euro Endvermoegen aus, zugunsten des Invesco-Produkts. Das ist real, aber kein Erdrutsch: Es sind ungefaehr 1 bis 1,5 Prozent des Endkapitals. Fuer den reinen Kostenoptimierer ("Sparfuchs") ist die Richtung dennoch eindeutig: Invesco bietet nahezu das gleiche Markt-Exposure zum guenstigeren Preis.

Wichtig: Die TER ist nicht der einzige Kostenfaktor. Entscheidend ist am Ende die Tracking Difference (siehe Runde 3), also wie nah der Fonds nach allen Kosten und Effekten (z. B. Quellensteuer-Optimierung, Wertpapierleihe) tatsaechlich am Index bleibt.

Runde 2: Fondsvolumen und Liquiditaet - Vanguards Festung

Waehrend Invesco beim Preis punktet, dominiert Vanguard bei der schieren Masse. Das Fondsvolumen ist ein wichtiger Indikator fuer Liquiditaet und Langlebigkeit eines ETFs.

  • Vanguard (Thesaurierer): ca. 45 Mrd. Euro (Stand: Juli 2026)
  • Invesco (Thesaurierer): ca. 3,6 Mrd. Euro (Stand: Juli 2026)

Warum ist das wichtig? Ein Fondsvolumen von rund 45 Milliarden Euro ist ein massiver Stabilitaetsanker. Es macht eine Schliessung des Fonds extrem unwahrscheinlich und sorgt in Kombination mit der laengeren Historie (Auflage des Thesaurierers 2019, des Ausschuetters bereits 2012) fuer sehr enge Geld-Brief-Spannen (Spreads) an den Boersen. Der Invesco ETF ist mit gut 3,6 Milliarden Euro (Auflage: 26. Juni 2023) laengst aus der "Gefahrenzone" kleiner ETFs herausgewachsen und fuer sein junges Alter beeindruckend gross. Im Vergleich zum Vanguard-Tanker bleibt er aber ein Schnellboot.

Runde 3: Performance und Tracking Difference

Wie gut bilden die ETFs den Index ab? Beide Anbieter nutzen die physische Replikation per Optimized Sampling. Das heisst, sie kaufen nicht zwingend jede einzelne der rund 4.300 Aktien (bei sehr kleinen Firmen waere das ineffizient), sondern eine repraesentative Auswahl. Vanguard haelt aktuell rund 3.700 Titel, Invesco mit rund 2.350 Positionen deutlich weniger, also staerker optimiert. Beide bilden denselben Index ab, der Weg dorthin ist bei Invesco jedoch selektiver.

Fuer Anleger zaehlt nicht die TER auf dem Papier, sondern die Tracking Difference: die tatsaechliche Abweichung der Fondsrendite vom Index nach allen Kosten. Weil der Invesco kuerzer am Markt ist, liegt fuer ihn noch keine lange, belastbare Tracking-Difference-Historie vor, waehrend Vanguard hier mehrjaehrige Daten liefert und bekanntermassen sehr sauber laeuft. Die bisherigen Jahresrenditen beider Fonds liegen extrem eng beieinander und unterscheiden sich meist nur um Zehntel oder Hundertstel Prozentpunkte, was im normalen Boersenrauschen untergeht. Langfristig koennte der Kostenvorteil des Invesco zu einer leichten Outperformance fuehren, garantiert ist das aber nicht, da eine staerkere Optimierung auch zu groesseren Abweichungen fuehren kann.

Runde 4: Struktur und Sicherheit

Hier herrscht weitgehend Einigkeit. Beide ETFs sind in Irland domiziliert. Das ist der De-facto-Standard fuer breite Welt-ETFs, weil ueber das US-Irland-Doppelbesteuerungsabkommen die Quellensteuer auf US-Dividenden auf Fondsebene auf 15 statt 30 Prozent reduziert wird. Beide sind UCITS-konforme Sondervermoegen, das heisst dein Geld ist im Insolvenzfall des Anbieters geschuetzt.

Auch bei der Ertragsverwendung bieten beide Haeuser sowohl ausschuettende (Distributing) als auch thesaurierende (Accumulating) Varianten an. Der Vanguard-Ausschuetter (ISIN IE00B3RBWM25, "A1JX52") ist dabei einer der beliebtesten Welt-ETFs ueberhaupt. Ein kleiner Daempfer fuer Invesco bleibt die Broker-Verfuegbarkeit: Der Vanguard ist praktisch ueberall als kostenloser Sparplan zu haben, waehrend Invesco zwar stark aufgeholt hat, aber noch nicht ganz so allgegenwaertig ist. Bei Trade Republic und Scalable Capital sind beide ETFs im kostenlosen Sparplan besparbar.

Steuer-Hinweis: Ein Wechsel ist ein Verkauf

Ein oft unterschaetzter Punkt: Wer einen bestehenden Vanguard-Bestand verkauft, um in Invesco umzuschichten, loest damit die Abgeltungsteuer auf die aufgelaufenen Kursgewinne aus (25 Prozent plus Soli, effektiv 26,375 Prozent, ggf. plus Kirchensteuer). Fuer Aktien-ETFs gilt zwar eine Teilfreistellung von 30 Prozent, dennoch wird ein Teil des Gewinns sofort steuerlich faellig. Diese realisierte Steuer und der Verlust des Steuerstundungseffekts fressen den TER-Vorteil von 0,04 Prozentpunkten in der Regel ueber viele Jahre wieder auf. Ein Umzug per LU-Fusion oder aehnliche Konstruktionen sind fuer deutsche Anleger uebrigens nicht automatisch steuerneutral.

Das Urteil: Welcher ETF gehoert in dein Depot?

Es gibt keinen klaren K.-o.-Sieg, aber eine Entscheidungshilfe je nach Anlegertyp.

Szenario A: Der Rationalist und Maximierer

Du baust ein neues, grosses Portfolio auf, schaust auf jeden Basispunkt und hast einen Anlagehorizont von 15+ Jahren? Deine Wahl: Invesco FTSE All-World UCITS ETF. Der Kostenvorteil von 0,15 Prozent TER ist ein valides Argument. Das Fondsvolumen ist mittlerweile hoch genug, um Liquiditaetsrisiken praktisch auszuschliessen. Beachte: Die Tracking-Difference-Historie ist kuerzer als bei Vanguard.

Szenario B: Der Sicherheitsorientierte und Bequeme

Du willst das Rundum-sorglos-Paket, ein Produkt mit langem Track Record und maximaler Liquiditaet? Deine Wahl: Vanguard FTSE All-World UCITS ETF. Vanguard ist genossenschaftsaehnlich organisiert (in den USA anteilseignergefuehrt) und gilt als einer der anlegerfreundlichsten Verwalter der Welt. Die 0,04 Prozent Mehrkosten sind die "Versicherungspraemie" fuer maximale Liquiditaet und einen Track Record seit 2012 (Ausschuetter) bzw. 2019 (Thesaurierer).

Szenario C: Du besparst bereits den Vanguard?

Bleib dabei. Es lohnt sich in den meisten Faellen nicht, einen gut laufenden Vanguard-Bestand zu verkaufen und Steuern zu realisieren, nur um zu Invesco zu wechseln (siehe Steuer-Hinweis oben). Eine pragmatische Option: Den alten Bestand liegen lassen und fuer neues Geld einen guenstigen Invesco-Sparplan starten.

Steckbrief-Vergleich (auf einen Blick)

MerkmalVanguard FTSE All-World (Acc)Invesco FTSE All-World (Acc)
ISINIE00BK5BQT80IE000716YHJ7
Ticker / WKNVWCE / A2PKXGFWIA / A3D7QX
TER (Kosten)0,19 % p.a.0,15 % p.a.
Fondsvolumen~45 Mrd. Euro~3,6 Mrd. Euro
AuflagedatumJuli 2019 (Ausschuetter: 2012)Juni 2023
ReplikationPhysisch (Optimized Sampling)Physisch (Optimized Sampling)
Anzahl Titel~3.700~2.350 (staerker optimiert)
DomizilIrlandIrland

Werte Stand Juli 2026, Quellen: justETF und Emittenten-Angaben (Vanguard / Invesco). Fondsvolumina schwanken taeglich.

Wer noch grundsaetzlich zwischen den grossen Weltindizes schwankt, findet in unserem Vergleich MSCI World vs. FTSE All-World die passende Entscheidungshilfe. Und wer statt eines reinen Aktien-ETFs ein fertiges Aktien-Anleihen-Paket sucht, dem sei ein Blick auf den Vanguard LifeStrategy im Test empfohlen.

Unser Fazit bei etf.capital: Der Koenig (Vanguard) ist nicht tot, aber der Prinz (Invesco) ist ihm dicht auf den Fersen. Konkurrenz belebt das Geschaeft, und davon profitieren am Ende wir Anleger. Beide ETFs sind hervorragende Kern-Bausteine fuer ein Weltportfolio. Wer neu startet, kann guten Gewissens zum guenstigeren Invesco greifen; wer den Vanguard hat, hat nichts falsch gemacht.


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