Invesco vs. Vanguard: Der große FTSE All-World Showdown – Wer hat den besseren ETF?

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Lange Zeit gab es auf die Frage „Welchen Welt-ETF soll ich kaufen?“ nur eine Standardantwort: Den Vanguard FTSE All-World. Doch die Dominanz des „Heiligen Grals“ bröckelt.

Invesco vs. Vanguard: Der große FTSE All-World Showdown – Wer hat den besseren ETF?

Mit dem Invesco FTSE All-World UCITS ETF ist ein Herausforderer in den Ring gestiegen, der dem Platzhirsch vor allem bei den Kosten den Kampf ansagt. Ist es Zeit für einen Thronwechsel im Depot? Wir machen den Check.

Der FTSE All-World Index ist für viele ETF-Anleger das Maß aller Dinge. Er bündelt rund 4.300 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern und deckt damit über 90 % der investierbaren Weltwirtschaft ab. Wer hier investiert, kauft sprichwörtlich „die Welt“.

Jahrelang war der Vanguard FTSE All-World (in der Community liebevoll „A1JX52“ für den Ausschütter oder „A2PKXG“ für den Thesaurierer genannt) die unangefochtene Nummer eins. Doch seit Juni 2023 mischt Invesco mit einem aggressiv bepreisten Konkurrenzprodukt den Markt auf. Wir vergleichen die beiden Giganten in den Kategorien Kosten, Sicherheit, Performance und Liquidität.

Runde 1: Die Kosten (TER) – Der Punkt geht an Invesco

Für langfristige Anleger ist die Kostenquote (Total Expense Ratio, TER) einer der wenigen Faktoren, die sie direkt beeinflussen können. Hier spielt Invesco seine stärkste Karte aus.

  • Invesco FTSE All-World: 0,15 % TER p.a.
  • Vanguard FTSE All-World: 0,19 % TER p.a.

Auf den ersten Blick wirken 0,04 Prozentpunkte Unterschied marginal. Doch der Zinseszinseffekt ist unbarmherzig – im positiven wie im negativen Sinne.

Das Rechenbeispiel:

Bei einem einmaligen Investment von 100.000 Euro und einer angenommenen Marktrendite von 7 % p.a. summiert sich dieser kleine Unterschied über 30 Jahre auf eine Differenz von über 11.000 Euro zugunsten des Invesco-Produkts.

Für den reinen Kostenoptimierer ("Sparfuchs") ist die Entscheidung hier eindeutig: Invesco bietet das gleiche Markt-Exposure zum Discount-Preis.

Runde 2: Fondsvolumen & Liquidität – Vanguards Festung

Während Invesco beim Preis punktet, dominiert Vanguard bei der schieren Masse. Das Fondsvolumen ist ein entscheidender Indikator für die Liquidität und die Langlebigkeit eines ETFs.

  • Vanguard (Thesaurierer): ca. 25,7 Mrd. Euro
  • Invesco (Thesaurierer): ca. 2,1 Mrd. Euro

Warum ist das wichtig?

Ein Fondsvolumen von über 25 Milliarden Euro ist ein massiver Stabilitätsanker. Es garantiert quasi, dass der Fonds profitabel für den Anbieter ist und eine Schließung extrem unwahrscheinlich macht. Zudem sorgt das hohe Volumen in Kombination mit der langen Historie (Auflage 2012 vs. 2023) für sehr enge Geld-Brief-Spannen (Spreads) an den Börsen.

Der Invesco ETF ist mit seinen gut 2 Milliarden Euro zwar längst aus der „Gefahrenzone“ kleiner ETFs herausgewachsen und für sein junges Alter (ca. 2,5 Jahre) beeindruckend groß, aber er ist im Vergleich zum Vanguard-Tanker immer noch ein Schnellboot.

Runde 3: Performance & Tracking

Wie gut bilden die ETFs den Index ab? Beide Anbieter nutzen das sogenannte „Optimized Sampling“. Das bedeutet, sie kaufen nicht zwingend jede einzelne der 4.300 Aktien (was bei sehr kleinen Firmen ineffizient wäre), sondern eine repräsentative Auswahl, die den Index fast perfekt spiegelt.

Der Blick auf die Zahlen (Stand 30.11.2025) zeigt ein Kopf-an-Kopf-Rennen:

  • 1-Jahres-Performance: Vanguard (Dist) 8,18 % vs. Invesco (Acc) 8,17 %. (Gleichstand)
  • Jahresperformance 2024: Hier hatte Invesco mit 25,01 % gegenüber Vanguards 24,65 % leicht die Nase vorn.

Fazit zur Performance:

Der jüngere Invesco ETF beweist, dass er den Index trotz Sampling-Methode und geringerem Volumen sauber abbilden kann. Die Performance-Unterschiede sind so minimal, dass sie im Rauschen des täglichen Börsenhandels fast untergehen – langfristig könnte der Kostenvorteil des Invesco jedoch zu einer leichten Outperformance führen.

Runde 4: Struktur & Sicherheit

Hier herrscht weitgehend Einigkeit. Beide ETFs sind in Irland domiziliert. Das ist der Goldstandard für europäische ETFs, da Irland steuerliche Vorteile bei US-Aktien bietet (Stichwort: Quellensteuer-Optimierung) und eine robuste regulatorische Umgebung (UCITS) bereitstellt.

Auch bei der Ertragsverwendung bieten beide Häuser sowohl ausschüttende (Distributing) als auch thesaurierende (Accumulating/Acc) Varianten an.

Ein kleiner Dämpfer für Invesco:

Die Verfügbarkeit bei Brokern. Während der Vanguard ETF bei fast jeder Bank und jedem Neobroker als kostenloser Sparplan verfügbar ist, hat Invesco hier zwar aufgeholt, ist aber noch nicht ganz so allgegenwärtig wie der Klassiker.

Das Urteil: Welcher ETF gehört in dein Depot?

Es gibt keinen klaren K.o.-Sieg, aber eine Entscheidungshilfe je nach Anlegertyp.

Szenario A: Der "Rationalist & Maximierer"

Du hast noch keinen ETF-Sparplan oder möchtest ein neues, großes Portfolio aufbauen? Du schaust auf jeden Basispunkt bei den Kosten und hast einen Anlagehorizont von 15+ Jahren?

👉 Deine Wahl: Invesco FTSE All-World UCITS ETF.

Der Kostenvorteil von 0,15 % TER ist ein mathematisch valides Argument, das über Jahrzehnte tausende Euro ausmachen kann. Das Fondsvolumen ist mittlerweile hoch genug, um Liquiditätsrisiken auszuschließen.

Szenario B: Der "Sicherheitsorientierte & Bequeme"

Du willst das absolute „Rundum-sorglos-Paket“? Du möchtest in ein Produkt investieren, das Krisen wie Corona oder 2022 bereits live gemeistert hat und so liquide ist wie kaum ein anderes?

👉 Deine Wahl: Vanguard FTSE All-World UCITS ETF.

Vanguard ist genossenschaftlich organisiert (in den USA) und gilt als einer der anlegerfreundlichsten Verwalter der Welt. Die 0,04 % Mehrkosten sind die „Versicherungsprämie“ für maximale Liquidität und einen Track Record seit 2012.

Szenario C: Du besparst bereits den Vanguard?

Bleib dabei.

Es lohnt sich in den meisten Fällen nicht, einen gut laufenden Vanguard-Bestand zu verkaufen und Steuern zu realisieren, nur um zu Invesco zu wechseln. Die Transaktionskosten und Steuerzahlungen würden den TER-Vorteil auf Jahre hinaus auffressen. Eine Option: Den alten Sparplan ruhen lassen und für neues Geld den Invesco besparen.


Steckbrief Vergleich (Auf einen Blick)

FeatureVanguard FTSE All-World (Acc)Invesco FTSE All-World (Acc)
ISINIE00BK5BQT80IE000716YHJ7
TER (Kosten)0,19 % p.a.0,15 % p.a.
Fondsvolumen~25,7 Mrd. €~2,1 Mrd. €
Auflagedatum2019 (Dist: 2012)Juni 2023
ReplikationPhysisch (Optimiert)Physisch (Optimiert)
Anzahl Titel~3.600+~2.000+ (stark optimiert)

Unser Fazit bei etf.capital: Der König (Vanguard) ist nicht tot, aber der Prinz (Invesco) ist ihm dicht auf den Fersen. Konkurrenz belebt das Geschäft – und davon profitieren am Ende wir Anleger.

Unser Tipp: Bei Scalable Capital kannst Du rund 1700 PRIME ETFs - darunter iShares, Xtrackers und Amundi - von 7:30 bis 23 Uhr gebührenfrei handeln und dauerhaft kostenlos besparen. Monatliche Sparraten schon ab 1 €.

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