Autonome Fahrzeug‑ETFs: Jetzt in die Zukunft investieren
Einen reinen Autonomie-ETF für deutsche Anleger gibt es nicht. Wir zeigen 2026 ehrlich, welche handelbaren UCITS-ETFs dem Thema am nächsten kommen, plus Kosten, Steuern und Risiken.
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung, sondern dient der Information. Investitionen in themenbezogene ETFs sind mit erhöhten Risiken (Konzentration, Schwankungen) verbunden.
Autonomes Fahren als Anlagethema: Chance mit Vorbehalt
Autonomes Fahren ist einer der am meisten diskutierten Technologietrends im Automobil- und Techsektor. Von Fahrassistenz bis zu Robotaxis reicht das Spektrum, und viele Anleger fragen sich, ob sich der Trend über einen ETF abbilden lässt. Die ehrliche Antwort vorweg: Einen reinen „Autonomes-Fahren“-UCITS-ETF, der in Deutschland handelbar ist, gibt es aktuell nicht. Am nächsten kommen breiter gefasste Themenfonds zu Robotik/Automatisierung und Elektromobilität, die technologisch verwandte Unternehmen bündeln. Wer investiert, kauft also nicht „autonomes Fahren“ in Reinform, sondern eine Mischung aus Halbleiter-, Automatisierungs- und E-Mobilitäts-Aktien.
Verwandte Themen greifen wir in unserem Überblick zu Transformationsfonds für die Mobilitätswende und im Ratgeber zu KI im ETF-Portfolio auf.
Warum es keinen reinen Autonomie-ETF gibt
Die Technologie hinter dem autonomen Fahren verteilt sich auf viele Wertschöpfungsstufen: KI-Chips und Rechenplattformen, Sensorik (Lidar, Radar, Kameras), Konnektivität und die Fahrzeughersteller selbst. Ein börsengehandeltes „pure play“ ist kaum darstellbar, weil die entscheidenden Akteure entweder groß und breit aufgestellt sind (etwa Nvidia oder Alphabet mit Waymo) oder als Einzelaktien nicht in einem eng gefassten Index zusammengefasst werden. Frühere US-Produkte wie DRIV, IDRV oder KARS sind für deutsche Privatanleger über gängige Broker in der Regel nicht handelbar, weil sie nicht der europäischen UCITS-Regulierung unterliegen. Wir nennen sie daher bewusst nicht als Kaufempfehlung.
Handelbare UCITS-ETFs mit Bezug zum Thema
Zwei in Deutschland handelbare UCITS-ETFs bilden die dem autonomen Fahren nahestehenden Bereiche ab. Beide sind thesaurierend und haben eine laufende Kostenquote (TER) von 0,40 % p.a. (Stand: Mai 2026, Quelle: justETF und iShares).
- iShares Automation & Robotics UCITS ETF – ISIN IE00BYZK4552, TER 0,40 % p.a., Index iSTOXX FactSet Automation & Robotics, Fondsvolumen rund 4,2 Mrd. Euro. Schwerpunkt: Automatisierung und Halbleiter (u. a. Intel, AMD, Advantest, ABB, Fanuc), rund 130 Positionen.
- iShares Electric Vehicles and Driving Technology UCITS ETF – ISIN IE00BGL86Z12, TER 0,40 % p.a., Index STOXX Global Electric Vehicles & Driving Technology, Fondsvolumen rund 550 Mio. Euro. Schwerpunkt: E-Mobilität und deren Zulieferer, rund 86 Positionen.
Beide Fonds tragen das Thema also nur mittelbar. Der EV-Fonds ist stark halbleiterlastig und keineswegs ein Tesla-Fonds: Zu den größten Positionen zählen zuletzt AMD (rund 11 %), Delta Electronics, Samsung Electro-Mechanics und Infineon, während Tesla nur bei rund 3,4 % und Nvidia bei rund 3,7 % liegen (Stand: Mai 2026, justETF). Alphabet/Waymo taucht in den Top-10 nicht auf.
Klumpenrisiken ehrlich benennen
Wer solche Themenfonds kauft, sollte drei Konzentrationen kennen:
- Sektor: Beim EV-Fonds entfallen rund zwei Drittel auf den Technologiesektor. Ein Rücksetzer bei Halbleitern trifft den Fonds unmittelbar.
- Einzeltitel: Die Top-10 machen beim EV-Fonds knapp 60 % aus. Namen wie AMD, Nvidia oder Tesla bestimmen die Wertentwicklung überproportional.
- Region: Der USA-Anteil liegt beim Robotik-Fonds bei über 55 %, beim EV-Fonds bei rund 34 % (plus hoher Anteil Südkorea/Taiwan). Handelskonflikte oder Exportbeschränkungen können Lieferketten für Halbleiter stören.
Kosten, Handel und Steuern
Beide genannten UCITS-ETFs kosten 0,40 % TER pro Jahr. Sie sind an deutschen Börsen wie Xetra notiert und lassen sich per Sparplan oder Einmalkauf über gängige Broker erwerben. Ein enger Handelsspread und ausreichende Liquidität sind bei etablierten iShares-Themenfonds in der Regel gegeben; bei größeren Orders lohnt trotzdem ein Blick auf Spread und Handelszeiten (Xetra-Kernzeiten).
Steuerlich gilt für in Deutschland steuerpflichtige Anleger: Beide Fonds sind Aktien-ETFs mit einer Teilfreistellung von 30 %. Auf zu versteuernde Erträge fällt Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag an, zusammen 26,375 % (zzgl. ggf. Kirchensteuer). Bei thesaurierenden Fonds wird jährlich die Vorabpauschale fällig; der maßgebliche Basiszins beträgt für 2026 3,20 % (BMF, Januar 2026), nach 2,53 % im Vorjahr. Gewinne und Vorabpauschale lassen sich mit dem Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) verrechnen.
Broker: Wo sich die ETFs kaufen lassen
Beide iShares-ETFs sind bei den meisten deutschen Neobrokern und Direktbanken sparplanfähig. Wer noch kein Depot hat, findet günstige Einstiege etwa bei Trade Republic oder Scalable Capital. Prüfe vor dem Kauf, ob der konkrete ETF beim Broker sparplanfähig ist und welche Ordergebühren anfallen. Zur Orientierung hilft unser Vergleich.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
- Erwartungen justieren: Kein handelbarer UCITS-ETF ist ein reiner Autonomie-Fonds. Du kaufst breitere Technologie- und Mobilitätstrends.
- Klumpenrisiko akzeptieren oder begrenzen: Themenfonds gehören als Beimischung ins Depot, nicht als Kern. Ein breiter Welt-ETF bleibt die sinnvollere Basis.
- Kosten vergleichen: 0,40 % TER liegt über einem klassischen Index-ETF. Über viele Jahre summiert sich das.
- Keine Renditeprognose als Sicherheit missverstehen: Marktprognosen zum Volumen autonomer Systeme sind Schätzungen, keine garantierte Kursentwicklung.
Fazit
Autonomes Fahren ist ein spannender, aber schwer eingrenzbarer Anlagetrend. Ein reiner, für deutsche Anleger handelbarer Autonomie-ETF existiert derzeit nicht. Wer dennoch Bezug zum Thema sucht, findet mit dem iShares Automation & Robotics ETF (IE00BYZK4552) und dem iShares Electric Vehicles and Driving Technology ETF (IE00BGL86Z12) zwei breit gefasste UCITS-Produkte. Beide sind halbleiter- und techlastig, konzentriert und schwankungsanfällig, also eher eine Beimischung für risikobereite Anleger als ein Basisinvestment. Wäge Chancen und Klumpenrisiken nüchtern ab und triff deine Entscheidung passend zu deiner Risikobereitschaft.
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