Microcap-ETFs: Chancen kleiner Unternehmen in Deutschland
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Microcap-ETFs bieten Zugang zu Unternehmen unter 300 Mio. €, die dank hohem Wachstumspotenzial und niedriger Analysten‑Coverage besonders attraktiv für Privatanleger sind – trotz höherer Volatilität und Liquiditätsrisiken.
Einführung: Warum Microcap-ETFs jetzt interessant sind
Du hast schon von Small‑Cap‑ETFs gehört, doch die ganz kleinen Unternehmen – die sogenannten Microcaps – bleiben oft unter dem Radar. In Deutschland gibt es weniger als ein Dutzend spezialisierter Microcap‑ETFs, aber das spärliche Angebot macht die Nische besonders reizvoll. Mit einer Marktkapitalisierung von unter 300 Mio. €, bieten diese Firmen ein hohes Wachstumspotenzial – und genau das wollen viele Privatanleger nutzen.
Microcaps im Überblick
Ein Microcap ist ein börsennotiertes Unternehmen, das kleiner ist als die üblichen Small‑Caps. Für Anleger, die in ETF investieren möchten, bieten Microcaps eine interessante Nische.
Der wesentliche Unterschied liegt in der Größe:
- Marktkapitalisierung < 300 Mio. € (oft sogar < 100 Mio. €).
- Weniger Analysten‑Coverage, wodurch Informationen seltener und teilweise günstiger zu beschaffen sind.
- Höhere Wachstumsraten – viele befinden sich noch in der Skalierungsphase.
Der MSCI Europe Small Cap Index umfasst 826 Unternehmen (Stand 31.07.2025). Die kleinsten 14 % davon fallen in die Microcap‑Kategorie, was für ein diversifiziertes Portfolio von Bedeutung sein kann.
Investoren sollten zudem die breitere Palette von ETFs prüfen, um passende Produkte für diesen Sektor zu finden.
Wie Microcap‑ETFs funktionieren
Ein ETF bildet einen Index nach, der ausschließlich Microcaps enthält. Die gängigsten Indizes in Europa sind:
- MSCI Europe Small Cap (ISIN IE00B4K48X80 – iShares MSCI Europe Small Cap UCITS ETF)
- STOXX® Europe Small 200 – die 200 kleinsten Unternehmen des STOXX® Europe 600.
Der Fonds kauft alle Indexbestandteile in den jeweiligen Gewichtungen. Da viele Microcaps nur geringe Handelsvolumina haben, setzen ETF‑Provider auf optimierte Rebalancing‑Strategien, um die Kosten niedrig zu halten.
Chancen: Renditepotenzial und Innovationskraft
Historisch haben Microcaps in Aufschwungphasen oft besser performt als Large‑Caps. In den letzten zehn Jahren lag die durchschnittliche Jahresrendite des MSCI Europe Small Cap bei etwa +9 % gegenüber +6 % für den MSCI World. Das liegt nicht zuletzt an der Agilität kleiner Unternehmen, die schneller auf Markttrends reagieren können.
Besonders stark vertreten sind Branchen wie:
- Digitale Infrastruktur – z. B. Unternehmen für 5G‑Netzwerke.
- Biotechnologie – Start‑Ups mit vielversprechenden Medikamentenkandidaten.
- Nachhaltige Technologien – Solar‑ und Windkraft‑Pioniere.
Ein gutes Beispiel ist das Unternehmen SolarWorld AG (ISIN DE000A1E0F92), das in mehreren Microcap‑ETFs zu finden ist und seit 2023 ein Umsatzwachstum von +22 % verzeichnet.
Risiken: Volatilität, Liquidität und Totalverlust
Die Kehrseite des Renditepotenzials ist die höhere Volatilität. Während Large‑Caps oft Schwankungen von ±10 % im Jahresverlauf zeigen, können Microcap‑ETFs bei Marktstress Bewegungen von ±30 % oder mehr erleben. Die Gründe dafür sind:
- Geringere Marktliquidität – enge Spreads und mögliche Handelsunterbrechungen.
- Abhängigkeit von einzelnen Schlüsselpersonen, da viele Unternehmen familiengeführt sind.
- Erhöhtes Insolvenzrisiko – ein Totalverlust ist zwar selten, aber wahrscheinlicher als bei etablierten Unternehmen.
Kosten und Transparenz
Die Gesamtkostenquote (TER) von Microcap‑ETFs liegt typischerweise zwischen 0,30 % und 0,60 % pro Jahr. Zusätzlich können höhere Handelskosten entstehen, weil die zugrunde liegenden Aktien selten gehandelt werden. Trotzdem profitieren Anleger von der regulatorischen Transparenz: UCITS‑Fonds müssen die tägliche Zusammensetzung veröffentlichen, und MiFID II sorgt für klare Informationen zu Liquidität und Risiko. Weitere Informationen zu Kosten und Struktur finden Sie im Abschnitt ETFs. Ein gut diversifiziertes ETF-Portfolio kann helfen, die Risiken zu steuern, und der Überblick zu ETFs bietet zusätzliche Details zur Transparenz.
Auswahlkriterien: So prüfst du einen Microcap‑ETF
Bevor du investierst, solltest du folgende Punkte prüfen:
- Indexzusammensetzung: Wie viele Unternehmen sind enthalten? Ein breiter Index (z. B. > 500 Werte) reduziert das Einzelrisiko.
- Liquidität des Fonds: Achte auf das durchschnittliche Tagesvolumen. Ein Handelsvolumen von > 5 Mio. € gilt als solide.
- Kostenstruktur: Vergleiche TER, Spread und mögliche Aufschläge bei der Orderausführung.
- Bewertungskennzahlen: Kurs‑zu‑Umsatz (KUV) und Kurs‑zu‑Buchwert (KBV) geben Aufschluss über die Bewertung. Viele Microcaps weisen KUV‑Werte von < 2 auf, was auf Unterbewertung hindeuten kann.
- Branchengewicht: Prüfe, ob der ETF deine gewünschten Sektoren abdeckt – etwa 30 % Technologie, 20 % Biotech.
Integration in ein diversifiziertes Portfolio
Microcap‑ETFs sollten nicht das Kernstück deines Portfolios bilden, sondern als Beimischung zu den etablierten Kernanlagen dienen. Eine gängige Aufteilung könnte so aussehen:
- 60 % Large‑Cap‑ETFs (z. B. DAX‑ oder MSCI World‑Fonds)
- 30 % Small‑Cap‑ETFs (breit diversifiziert)
- 10 % Microcap‑ETFs (als Rendite‑Boost)
Durch die geringe Korrelation von Microcaps zu Large‑Caps kann das Gesamtrisiko leicht gesenkt werden, während das Renditepotenzial steigt. Wichtig ist, die Position regelmäßig zu überprüfen – insbesondere nach größeren Marktbewegungen.
Steuerliche Aspekte in Deutschland
Microcap‑ETFs unterliegen den gleichen steuerlichen Regeln wie andere börsengehandelte Fonds. Seit der Investmentsteuerreform 2018 wird die Vorabpauschale auf den Jahresendwert angewendet. Für einen ETF mit einem Jahresendwert von 10.000 € und einer Vorabpauschale von 0,5 % fallen also 50 € an fiktiven Erträgen an, die du versteuern musst, auch wenn du keine Ausschüttung erhalten hast.
Dividenden, die im Fonds erzielt werden, werden ebenfalls mit Abgeltungssteuer (25 % zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) belastet. Die steuerliche Behandlung ändert sich nicht, wenn du über einen in‑und‑out‑of‑country Broker handelst – die Depotbank führt die Quellensteuer automatisch ab.
Markttrends: Warum das Interesse wächst
Die Digitalisierung, die Energiewende und der demografische Wandel schaffen neue Nischen, in denen Microcaps besonders stark sind. Im Jahr 2024 stieg das durchschnittliche Umsatzwachstum von deutschen Microcaps um +15 % gegenüber +8 % bei Small‑Caps. ESG‑Compliance gewinnt zusätzlich an Bedeutung: Viele Mikro‑Unternehmen setzen bereits auf nachhaltige Produktionsprozesse, weil sie weniger regulative Hürden haben.
Ein weiterer Treiber ist das wachsende Interesse von Retail‑Investoren, die über günstige Online‑Broker Zugang zu ETFs erhalten. Die Handelsvolumina kleinerer Fonds, etwa inflationsgeschützte Anleihen‑ETFs, haben sich 2023 um +27 % erhöht, was langfristig die Liquidität verbessern dürfte.
Praktische Tipps für den Einstieg
Wenn du jetzt loslegen willst, gehe Schritt für Schritt vor:
- Eröffne ein Depot bei einem Broker, der Microcap‑ETFs mit niedrigen Ordergebühren anbietet.
- Wähle einen ETF, dessen Index deinen Interessen entspricht (z. B. iShares MSCI Europe Small Cap – ISIN IE00B4K48X80).
- Prüfe die aktuelle TER, das Handelsvolumen und die Spreads – ein TER von 0,38 % und ein Spread von 0,02 % sind heute ein guter Richtwert.
- Setze einen initialen Kauf von 5–10 % deines Gesamtportfolio und beobachte die Entwicklung über mindestens 12 Monate.
- Rebalanciere halbjährlich, um das Risiko zu steuern und von möglichen Kursgewinnen zu profitieren.
Damit hast du ein solides Fundament, um von den Chancen kleiner Unternehmen zu profitieren, ohne das Risiko aus den Augen zu verlieren.
Fazit
Microcap-ETFs eröffnen Anlegern Zugang zu kleinen deutschen Unternehmen mit hohem Rendite‑ und Innovationspotenzial. Gleichzeitig bergen sie erhebliche Risiken: hohe Volatilität, eingeschränkte Liquidität und die Gefahr eines Totalverlusts. Eine sorgfältige Analyse und ein diversifiziertes Portfolio sind daher entscheidend.
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