Templeton Growth Fund: Lohnt sich der Fonds? (Analyse)
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Der Templeton Growth Fund war einst ein Star, doch aktuelle Analyse zeigt: Er hinkt günstigen ETFs bei Performance und Kosten hinterher. Viele Anleger, speziell in Altverträgen, zahlen einen hohen Preis für aktive Verwaltung ohne Mehrwert. Lohnt sich das Halten noch?
Ein einstiger Star auf dem Prüfstand
Heute, am 15.05.2026, blicken wir auf einen der bekanntesten Investmentfonds der Finanzgeschichte. Der Templeton Growth Fund (ISIN: LU0114760746 für die Euro-Tranche, US8801991048 für das US-Original) hat über Jahrzehnte hinweg die Portfolios von Privatanlegern dominiert. Mit einem verwalteten Vermögen von rund 9 Milliarden US-Dollar und einer Historie, die bis ins Jahr 1954 zurückreicht, ist er ein echtes Schwergewicht. Doch historische Erfolge zahlen keine aktuellen Rechnungen.
Besonders in Deutschland ist die Situation speziell. Rund 3,1 Milliarden Euro stecken hierzulande in fondsgebundenen Lebensversicherungen, die den Templeton Growth als Kerninvestment nutzen. Viele dieser Verträge wurden in den frühen 2000er Jahren abgeschlossen. Die Käufer von damals sind heute oft desillusioniert. Die Rendite bleibt hinter den Erwartungen zurück, und die Frage drängt sich auf: Lohnt sich das Halten dieses Fonds überhaupt noch, oder ist es Zeit für einen sauberen Schnitt?
Die nackten Zahlen: Performance im Realitätscheck
Ein Blick auf die Performance-Daten liefert ein klares Bild. Werfen wir zunächst einen Blick auf die jüngere Vergangenheit. Zum Stichtag Ende April 2026 verzeichnete der Fonds eine solide 1-Jahres-Rendite von +24,8 %. Das klingt auf den ersten Blick hervorragend, ist aber stark getrieben von der allgemeinen Markterholung und der Rallye im Technologiesektor, die den gesamten Markt nach oben gezogen hat.
Das eigentliche Problem offenbart sich in der langfristigen Betrachtung. Über einen Zeitraum von zehn Jahren liefert die Euro-Tranche des Templeton Growth Fund eine annualisierte Rendite von etwa 4,53 % pro Jahr. Zum Vergleich: Ein simpler, passiver ETF auf den MSCI World Index lieferte im selben Zeitraum kontinuierlich über 10 % pro Jahr. Diese Lücke von über fünf Prozentpunkten jährlich summiert sich über ein Jahrzehnt zu einem massiven Vermögensunterschied auf.
Mit einer Standardabweichung von 13,4 % und einem Beta von exakt 1,00 bewegt sich der Fonds in Sachen Volatilität genau im Marktdurchschnitt. Du gehst also das gleiche Risiko ein wie der breite Markt, wirst dafür aber langfristig mit deutlich weniger Rendite belohnt.
Blick unter die Haube: Was steckt drin?
Der Templeton Growth Fund verfolgt einen sogenannten Large-Cap-Blend-Ansatz. Das Management-Team, bestehend aus Christopher Peel, Warren Pustam und Peter Sartori, sucht weltweit nach Aktien großer Unternehmen, die sowohl Wachstums- als auch Substanzmerkmale aufweisen. Der Fonds ist zu 93,6 % in Aktien investiert.
Interessant ist die geografische Aufteilung. Mit einem US-Anteil von rund 47 % und einem Anteil an internationalen Märkten von 46,6 % bietet der Fonds eine echte globale Diversifikation. Viele globale ETFs bestehen heute zu über 70 % aus US-Werten. Hier bietet der Templeton tatsächlich eine stärkere Gewichtung des Rests der Welt.
Bei den Einzelwerten zeigt sich jedoch, dass auch die Manager von Franklin Templeton an den großen Technologiewerten nicht vorbeikommen. Die Top-Positionen machen etwa 31 % des Gesamtvermögens aus und lesen sich wie das Who-is-Who der Tech-Branche:
- NVIDIA (4,93 %)
- Apple (3,98 %)
- Amazon (3,40 %)
- Alphabet (3,31 %)
- TSMC (3,24 %)
Die Sektorgewichtung bestätigt diesen Fokus: Technologie führt mit 22,5 %, gefolgt von Industrie mit 19,5 % und Finanzdienstleistungen mit 14,4 %. Eine Umschlagshäufigkeit (Turnover) von 75 bis 76 % zeigt zudem, dass im Portfolio enorm viel Bewegung herrscht. Dieses aktive Handeln verursacht interne Transaktionskosten, die direkt an der Performance zehren.
Gebührenstruktur: Ein teurer Spaß
Aktives Management kostet Geld. Doch im Jahr 2026, in dem globale Aktien-ETFs oft für weniger als 0,20 % pro Jahr zu haben sind, steht die Kostenstruktur des Templeton Growth Fund unter massivem Rechtfertigungsdruck.
Die laufenden Kosten (Total Expense Ratio, TER) liegen bei etwa 1,03 %. Kaufst du den Fonds über eine Bank oder einen klassischen Vermittler, fällt bei der Anteilsklasse A zusätzlich ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5,50 % an. Das bedeutet, dass von 10.000 investierten Euro sofort 550 Euro als Provision verschwinden. Nur 9.450 Euro arbeiten überhaupt für dich.
Hinzu kommen versteckte Kosten. In den USA ist die sogenannte 12b-1-Gebühr von 0,25 % üblich, die für Marketing und Vertrieb verwendet wird. Auch die bereits erwähnte hohe Umschlagshäufigkeit im Portfolio erzeugt Ordergebühren auf Fondsebene, die in der offiziellen TER oft nicht vollständig abgebildet sind. Das Management muss also jedes Jahr über 1,5 % mehr Rendite als der Markt erwirtschaften, nur um nach Kosten auf dem gleichen Level wie ein günstiger Indexfonds zu landen. Historisch gesehen ist das nicht gelungen.

Das Versicherungsproblem: Gefangen im Altvertrag
Der Templeton Growth Fund ist in Deutschland der am häufigsten gehaltene Fonds innerhalb von Lebens- und Rentenversicherungen. Über 3,1 Milliarden Euro deutsches Anlegerkapital sind auf diese Weise gebunden. Wenn du zu den Anlegern gehörst, die den Fonds in einer Police halten, stehst du vor einem komplexen mathematischen Problem.
Viele dieser Verträge wurden vor dem Jahr 2005 abgeschlossen. Das macht sie steuerlich extrem attraktiv, da die Auszahlungen unter bestimmten Bedingungen komplett steuerfrei sind. Diese Steuerfreiheit ist der einzige Grund, warum ein Festhalten an dem Konstrukt überhaupt noch mathematisch diskutabel ist.
Um eine rationale Entscheidung zu treffen, musst du den Rückkaufswert deiner Police gegenrechnen. Folgende Parameter spielen dabei eine Rolle:
- Wie hoch sind die laufenden Mantelvertragsgebühren der Versicherung?
- Wie hoch ist der garantierte Steuervorteil (vor 2005) gegenüber der Abgeltungsteuer von 26,375 %, die bei einem ETF-Depot anfallen würde?
- Wie viel Rendite kostet dich der Templeton Growth Fund im Vergleich zu einem passiven ETF?
In den meisten Berechnungen frisst die chronische Underperformance des Fonds (etwa 5 % pro Jahr gegenüber dem Weltmarkt) den Steuervorteil der Vor-2005-Verträge nach wenigen Jahren komplett auf. Es rechnet sich oft, den Vertrag beitragsfrei zu stellen oder sogar zu kündigen, um das Kapital in einen günstigen ETF wie den iShares Core MSCI World (ISIN: IE00B4L5Y983) umzuschichten.
Währungsrisiko und Hedging: Renditekiller Euro-Tranche
Ein oft übersehenes Detail ist die Art der Anteilsklasse. Deutsche Anleger halten in der Regel die in Euro notierte und währungsgesicherte (hedged) Tranche des Fonds. Das Fondsmanagement investiert das Geld global in verschiedenen Währungen, sichert aber das Wechselkursrisiko zum Euro über Termingeschäfte ab.
Diese Absicherung kostet kontinuierlich Geld. Die Zinsdifferenz zwischen den großen Währungsräumen und dem Euro sorgt für permanente Reibungsverluste. In Phasen, in denen der US-Dollar gegenüber dem Euro stark ist, profitieren Anleger mit ungesicherten Portfolios von Währungsgewinnen. Templeton-Anleger in der Euro-Tranche nehmen an dieser Entwicklung nicht teil. Der Versuch, Schwankungen auszublenden, hat über die letzten zehn Jahre messbar Rendite gekostet.
Der 15-Jahres-Vergleich: Aktiver Fonds vs. ETF
Machen wir die Opportunitätskosten an einem konkreten Beispiel fest. Angenommen, du hättest vor 15 Jahren genau 10.000 Euro investiert. Keine Sparpläne, keine Entnahmen. Ein reines Buy-and-Hold-Szenario.
Mit dem Templeton Growth Fund wuchs dein Kapital, trotz einiger guter Jahre und regelmäßiger Ausschüttungen, durch die hohen laufenden Kosten und die konservativere Aktienauswahl deutlich langsamer. Bei einer durchschnittlichen Rendite von etwa 4,5 % pro Jahr stehen heute knapp 19.300 Euro auf der Uhr. Ein solider Wertzuwachs, ohne Frage.
Hättest du die gleichen 10.000 Euro in einen passiven MSCI World ETF gesteckt, sähe die Bilanz anders aus. Bei einer Durchschnittsrendite von über 10 % pro Jahr wäre dein Depot heute auf über 41.700 Euro angewachsen. Das ist mehr als das Doppelte. Diese Differenz von über 22.000 Euro ist der Preis für das aktive Management und die Gebührenstruktur des Templeton-Fonds.
Aktives Management auf dem Prüfstand
Die unabhängigen Analysten von Morningstar vergeben für den Templeton Growth Fund aktuell ein quantitativ abgeleitetes, negatives 'Medalist Rating'. Die klassische Sterne-Bewertung pendelt je nach gewähltem Zeitraum zwischen 2 und 3 Sternen. Das signalisiert ganz nüchtern eine unterdurchschnittliche risikoadjustierte Leistung im Vergleich zur Peer-Group.
Das Argument der Fondsgesellschaften lautet oft, dass aktives Management in Krisenzeiten das Risiko nach unten abfedern kann. Die Datenlage des Templeton Growth Fund stützt diese These für die vergangenen Marktkorrekturen nicht konsistent. Die Drawdowns (Kursrückgänge) entsprachen in der Regel denen des breiten Marktes, während die anschließenden Erholungsphasen aufgrund der Kostenstruktur und der teilweise defensiveren Positionierung langsamer verliefen.
Wenn du diesen Fonds in einem regulären Depot hältst, zahlst du eine Prämie für eine Managementleistung, die sich in den harten Daten nicht widerspiegelt. Die Kombination aus Ausgabeaufschlägen, hohen laufenden Kosten und dem Verfehlen der Benchmark macht es schwer, rationale Argumente für einen Neukauf im Jahr 2026 zu finden. Bleib auf dem Laufenden – überprüfe deine Depotpositionen kritisch und rechne die Opportunitätskosten durch, bevor du weiteres Kapital in teure Altstrukturen fließen lässt.
Fazit
Der Templeton Growth Fund blickt auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück, doch die aktuelle Performance und die hohen Gebühren lassen berechtigte Zweifel aufkommen. In Anbetracht der vorhandenen Alternativen und der Problematik des Altvertrags, ist der Fonds für viele Anleger möglicherweise nicht mehr die optimale Wahl.
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