Scalable Capital erhält Vollbanklizenz – Kunden nutzen
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Scalable Capital bekommt von der EZB die Vollbanklizenz und wird damit vom reinen Digital‑Vermögensverwalter zum regulierten Kreditinstitut. Für Anleger bedeutet das mehr Sicherheit, ein größeres Produktangebot und neue Nutzungsmöglichkeiten des Kapitals.
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag wurde aktualisiert und ordnet die Entwicklungen seit der Lizenzerteilung ein.
Scalable Capital hat die Vollbanklizenz: was das für dich bedeutet
Am 10. September 2025 hat die Europäische Zentralbank Scalable Capital die Vollbanklizenz erteilt. Damit wurde aus dem Digital-Vermögensverwalter und Neobroker ein voll reguliertes Kreditinstitut (CRR-Bank). Für dich als Anleger heißt das vor allem: eigene Einlagensicherung, eine schrittweise Loslösung von der bisherigen Partnerbank und ein breiteres Produktangebot. Dieser Artikel ordnet ein, was seitdem wirklich passiert ist, und wo du genauer hinschauen solltest.
Regulatorischer Status: BaFin und Bundesbank
Mit der Lizenz untersteht die Scalable Capital Bank GmbH der laufenden Aufsicht durch die BaFin und die Deutsche Bundesbank. Das ist mehr als ein Formalie: Als Kreditinstitut ist Scalable an die vollen bankaufsichtsrechtlichen Vorgaben gebunden (Eigenkapital, Liquidität, Meldewesen). Für Guthaben auf dem Konto greift damit die gesetzliche Einlagensicherung von bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Wichtig zur Einordnung: Wertpapiere im Depot waren und sind kein Bankguthaben, sondern Sondervermögen. Sie sind im Insolvenzfall unabhängig von der Einlagensicherung geschützt.
Loslösung von der Partnerbank
Vor der Lizenz lief die Depot- und Kontoführung über eine Partnerbank (Baader Bank). Mit der eigenen Banklizenz baut Scalable diese Abhängigkeit ab und führt Konten sowie Depots zunehmend selbst. Für Bestandskunden erfolgt die Migration in die neue Bankstruktur automatisch; aktiv tun musst du dafür in der Regel nichts. Der Vorteil einer stärker eigenen Infrastruktur: weniger Schnittstellen zu Dritten und potenziell schnellere Produktzyklen. Der Nachteil, den man ehrlich nennen sollte: Ein junges Kreditinstitut hat noch keine jahrzehntelange Krisenhistorie, und die Zinskonditionen sind variabel.
Zinsen auf Guthaben: der aktuelle Stand
Der Punkt, der Anleger am direktesten betrifft, ist die Verzinsung nicht investierten Guthabens. Seit 2026 zahlt Scalable Capital auf einem separaten Tagesgeldkonto einen variablen Zins, der zuletzt bei 2,50 Prozent pro Jahr lag, ohne Mindesteinlage und ohne Guthabengrenze. Anfangs war der Zins an den EZB-Einlagensatz gekoppelt und lag bei rund 2 Prozent; inzwischen ist er auf 2,50 Prozent angehoben worden und gilt für FREE- und PRIME+-Kunden gleichermaßen.
Zwei ehrliche Einschränkungen: Erstens ist der Zins variabel und kann jederzeit angepasst werden, eine Garantie gibt es nicht. Zweitens gilt der Zinssatz für das ausgewiesene Tagesgeldkonto, nicht automatisch für jedes Verrechnungskonto. Wer nur seine Order-Liquidität parkt, sollte prüfen, wo das Geld tatsächlich liegt. Zum Vergleich lohnt ohnehin ein Blick auf mehrere Anbieter, etwa über einen Broker- und Kontovergleich.
Produktpalette: was dazugekommen ist
Neben ETFs, Aktien, Rohstoffen und Krypto stehen inzwischen klassische Bankprodukte zur Verfügung. Dazu zählen unter anderem:
- ein verzinstes Tagesgeld-/Cashkonto
- Wertpapierkredite (Lombard/Margin) zur Beleihung des Depots
- ratenbasierte Privatkredite mit Konditionen, die je nach Bonität ab rund 3,24 Prozent p.a. beginnen
- weiterhin Brokerage, Sparpläne und Wealth Management
Der Übergang ist für Bestandskunden nahtlos: Das bestehende Depot bleibt erhalten, neue Konten werden über dieselbe Plattform verwaltet. Ob ein Girokonto mit Debitkarte für alle Kundengruppen zum Standard wird, solltest du im aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnis prüfen, statt dich auf ältere Ankündigungen zu verlassen.
PRIME+ oder FREE: lohnt das Abo?
PRIME+ kostet 4,99 Euro pro Monat und bündelt unter anderem eine Trading-Flatrate (ab einem definierten Ordervolumen) sowie Zugang zu Wertpapierkrediten. Rechne für dich selbst nach: Wer selten handelt und nur Guthaben parkt, fährt mit dem kostenlosen FREE-Modell oft besser, zumal der Tagesgeldzins bei beiden gleich ist. Vielhandelnde oder wer den Depotkredit nutzen will, kann das Abo dagegen schnell wieder hereinholen.
Sicherheit und Einlagenschutz im Detail
Guthaben wird bei der Scalable Capital Bank und teilweise bei Partnerbanken verwahrt. Durch die gesetzliche Einlagensicherung sind pro Kunde und Bank bis zu 100.000 Euro geschützt. Da PRIME+-Guthaben teils auf mehrere Institute verteilt wird, kann der abgesicherte Betrag in der Praxis höher liegen, das hängt aber von der jeweiligen Ausgestaltung ab und sollte nicht als pauschale Garantie missverstanden werden. Ergänzend setzt Scalable auf Mehr-Faktor-Authentifizierung und Verschlüsselung.
Wettbewerbsvergleich: wo Scalable steht
Mit der Vollbanklizenz reiht sich Scalable Capital neben N26 und Trade Republic ein, die ebenfalls über Banklizenzen verfügen. Scalable positioniert sich dabei stärker über Investment- und Vermögensverwaltung, während Trade Republic das reine Brokerage und Zinsangebot in den Vordergrund stellt. Für dich als Anleger ist weniger die Lizenz-Schlagzeile entscheidend als die konkrete Kombination aus Gebühren, Zins und Produktumfang. Ein nüchterner Vergleich mehrerer Anbieter bleibt sinnvoll.
Ein Beispiel aus dem Portfolio: iShares Core MSCI World
Ein typischer Portfolio-Baustein ist der iShares Core MSCI World UCITS ETF (ISIN IE00B4L5Y983, thesaurierend, TER 0,20 Prozent p.a.). Der Fonds bildet rund 1.400 Unternehmen aus Industrieländern ab und ist mit einem dreistelligen Milliarden-Fondsvolumen einer der größten Welt-ETFs. Über die Scalable-Plattform lässt er sich per Einmalkauf oder Sparplan besparen. Die konkrete Wertentwicklung schwankt je nach Zeitraum und ist keine verlässliche Prognose für die Zukunft.
Was Bestandskunden jetzt tun sollten
Als Bestandskunde musst du für die Migration in die Bankstruktur nichts unternehmen. Sinnvoll ist es dennoch, drei Dinge zu prüfen: Erstens, ob dein geparktes Guthaben tatsächlich auf dem verzinsten Konto liegt. Zweitens, ob sich PRIME+ für dein Handelsverhalten rechnet. Drittens, das aktuelle Preisverzeichnis, da Konditionen sich ändern können. Wer noch kein Konto hat, kann sich direkt bei Scalable Capital informieren und ein Depot sowie ein Verrechnungskonto eröffnen.
Fazit
Die Vollbanklizenz ist ein echter struktureller Schritt: eigene Einlagensicherung, mehr Unabhängigkeit von der Partnerbank und ein breiteres Angebot. Gleichzeitig gilt: Der attraktive Guthabenzins ist variabel, und viele Zusatzfunktionen sollte man am aktuellen Kleingedruckten messen, nicht an Ankündigungen. Für viele Anleger überwiegen die Vorteile, entscheidend bleibt aber der konkrete Vergleich mit anderen Brokern und Banken.
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