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Defensiv: Rüstungs-ETFs bieten Renditen trotz Spannungen

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Rüstungs-ETFs profitieren von planbaren staatlichen Aufträgen und der europäischen Aufrüstung. Wir prüfen die handelbaren UCITS-ETFs (VanEck, HANetf, WisdomTree, iShares) und benennen Bewertung, Konzentration und Ethik-Risiken ehrlich.

Defensiv: Rüstungs-ETFs bieten Renditen trotz Spannungen

Stand: Juli 2026. Dieser Artikel wurde vollständig überarbeitet und auf den aktuellen Marktstand gebracht. Er stellt keine Anlageberatung dar.

Warum Rüstungs-ETFs seit 2022 im Fokus stehen

Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 hat sich die sicherheitspolitische Lage in Europa grundlegend verändert. Die NATO-Staaten haben sich verpflichtet, ihre Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen, und beim NATO-Gipfel 2025 wurde ein neues Ausgabenziel von bis zu 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (davon 3,5 Prozent für Kernverteidigung) bis 2035 vereinbart. Deutschland hat sein Sondervermögen für die Bundeswehr ausgeweitet und die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben gelockert. Für Anleger bedeutet das: Der Sektor bekommt über Jahre hinweg planbare staatliche Nachfrage.

Rüstungsunternehmen profitieren von mehrjährigen Rahmenverträgen, die vergleichsweise unabhängig vom Konjunkturzyklus sind. Das macht Verteidigungs-ETFs für manche Anleger zu einer defensiven Beimischung. Wichtig vorab und ehrlich gesagt: Der außergewöhnlich starke Lauf des Sektors von 2022 bis 2026 ist keine Garantie für die Zukunft. Wer nach mehreren Verdopplungen einsteigt, kauft eine bereits hoch bewertete und stark gestiegene Branche.

Handelbare UCITS-ETFs im Überblick (Stand Juli 2026)

Für deutsche Privatanleger sind vor allem in Irland domizilierte UCITS-ETFs relevant, die über Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital handel- und besparbar sind. Die folgenden Angaben sind zweiquellig geprüft (justETF und Emittent); Fondsvolumina und Kurse schwanken täglich.

ETF (Ticker)ISINTER p.a.Index / FokusFondsvolumen (ca.)
VanEck Defense UCITS ETF A (DFNS)IE000YYE6WK50,55 %MarketVector Global Defense Industry (global)6,2 Mrd. EUR
HANetf Future of Defence UCITS ETF (NATO)IE000OJ5TQP40,49 %EQM Future of Defence (NATO / verbündete Staaten)2,8 Mrd. EUR
WisdomTree Europe Defence UCITS ETF (WDEF/EUDF)IE0002Y8CX980,40 %WisdomTree Europe Defence (europäischer Fokus)4,3 Mrd. EUR
iShares Global Aerospace & Defence UCITS ETF (DFND)IE000U9ODG190,35 %S&P Developed BMI Select Aerospace & Defense 35/20 Capped1,6 Mrd. EUR

Alle vier ETFs sind thesaurierend und in Irland domiziliert, was auf Fondsebene eine reduzierte Quellensteuer von 15 Prozent auf US-Dividenden ermöglicht.

VanEck Defense (DFNS)

Der VanEck Defense war 2023 einer der ersten reinen UCITS-Verteidigungs-ETFs in Europa und ist mit rund 6,2 Milliarden Euro der größte seiner Art. Er verfolgt einen globalen Ansatz mit einem hohen Anteil an sogenannten Pure-Play-Unternehmen. Zu den größten Positionen zählen (Stand Juli 2026) Palantir Technologies, RTX, Thales, Leonardo und Elbit Systems. Mit 0,55 Prozent hat er die höchste TER der vier Fonds.

HANetf Future of Defence (NATO)

Der HANetf Future of Defence bildet den EQM Future of Defence Index ab und konzentriert sich auf Unternehmen aus NATO- und verbündeten Staaten. Neben klassischer Rüstung deckt er auch Cyber-Defence ab. Die TER liegt bei 0,49 Prozent.

WisdomTree Europe Defence (WDEF/EUDF)

Der WisdomTree Europe Defence wurde erst im März 2025 aufgelegt und hat in kurzer Zeit rund 4,3 Milliarden Euro eingesammelt, was den europäischen Aufrüstungstrend widerspiegelt. Er investiert ausschließlich in europäische Verteidigungswerte. Größte Positionen sind Thales, BAE Systems, Rheinmetall, Airbus und Rolls-Royce. Mit 0,40 Prozent ist er günstiger als die globalen Pendants. Wer gezielt auf die europäische Aufrüstung setzen will, findet hier den fokussiertesten Zugang.

iShares Global Aerospace & Defence (DFND)

Der iShares-ETF von BlackRock ist mit 0,35 Prozent der günstigste der vier. Er bildet den S&P Developed BMI Select Aerospace & Defense 35/20 Capped Index ab und ist relativ stark in den USA gewichtet. Wichtig: Der früher in diesem Artikel genannte "iShares MSCI World Defence" mit der ISIN IE00B5M5JX39 existiert in dieser Form nicht und wurde entfernt. Der korrekte iShares-Verteidigungs-ETF ist der hier genannte DFND (IE000U9ODG19).

Einen ausführlicheren Vergleich dieser Produkte findest du in unserem Überblick zu Rüstungsindustrie-ETFs. Wer den Fokus enger auf den Indo-Pazifik ohne China legen möchte, sollte einen Blick auf den Future of Defence Indo-Pacific ex-China UCITS ETF werfen.

Performance und die ehrliche Kehrseite

Von 2022 bis 2026 gehörten Verteidigungswerte zu den stärksten Segmenten am Aktienmarkt. Titel wie Rheinmetall haben sich in diesem Zeitraum vervielfacht, und die genannten ETFs haben den breiten Markt teils deutlich übertroffen. Solche Zahlen wirken verlockend, sagen aber wenig über die künftige Entwicklung aus.

Drei Punkte sollten Anleger nüchtern einordnen:

  • Bewertung nach der Rally: Nach mehreren Jahren starker Kursgewinne sind viele Titel hoch bewertet. Ein Teil künftiger Budgeterhöhungen ist im Kurs bereits eingepreist. Rückschläge bei Enttäuschungen oder Friedenssignalen sind möglich.
  • Klumpen- und Konzentrationsrisiko: Verteidigungs-ETFs sind Themen-ETFs mit wenigen Dutzend Titeln. Einzelne Positionen wiegen oft über 8 bis 12 Prozent. Beim WisdomTree Europe Defence stellen die Top-5-Werte einen großen Teil des Fonds. Das ist keine breite Streuung wie beim MSCI World.
  • Politisches Risiko: Exportkontrollen, Sanktionen, ein Regierungswechsel oder ein Waffenstillstand können die Nachfrageerwartung schnell drehen.

ESG- und Ethik-Konflikt

Investments in Rüstung sind ein Wertekonflikt, den jeder Anleger für sich selbst klären muss. Waffenhersteller widersprechen vielen klassischen ESG- und Nachhaltigkeitskriterien, weshalb sie in zahlreichen nachhaltig ausgerichteten Fonds ausgeschlossen sind. Gleichzeitig wird in der EU diskutiert, ob Verteidigung als Beitrag zur Sicherheit teilweise anders bewertet werden sollte.

Praktisch relevant: Die meisten dieser ETFs filtern lediglich völkerrechtlich geächtete kontroverse Waffen (etwa Streumunition oder Antipersonenminen) heraus, sind aber ansonsten reine Rüstungsfonds. Ein "sauberer" Rüstungs-ETF im ESG-Sinne ist ein Widerspruch in sich. Wer diesen Konflikt nicht eingehen möchte, ist mit einem breiten Welt-ETF besser bedient.

Kosten, Steuern und Portfolioaufteilung

Die TERs der genannten Fonds liegen zwischen 0,35 und 0,55 Prozent, was für Themen-ETFs im üblichen Rahmen liegt, aber deutlich über einem MSCI-World-ETF (oft unter 0,20 Prozent). Für in Deutschland steuerpflichtige Anleger gilt: Erträge unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag, also effektiv 26,375 Prozent (plus gegebenenfalls Kirchensteuer). Da alle vier ETFs Aktienfonds mit über 51 Prozent Aktienanteil sind, greift die Teilfreistellung von 30 Prozent. Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 Euro (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung).

Als Beimischung empfehlen viele Ratgeber eine Gewichtung von 5 bis 10 Prozent des Aktienanteils, nicht mehr. Ein Verteidigungs-ETF ersetzt kein breit gestreutes Basisinvestment, sondern ergänzt es allenfalls als Satellit. Wer nur einen einzigen ETF besparen möchte, sollte einen weltweit streuenden Index bevorzugen.

Fazit

Rüstungs-ETFs bieten Zugang zu einem Sektor mit langfristig planbarer, staatlich getragener Nachfrage, der von der europäischen Aufrüstung und den NATO-Zielen profitiert. Für deutsche Anleger sind vor allem der VanEck Defense, der HANetf Future of Defence, der WisdomTree Europe Defence und der iShares Global Aerospace & Defence handelbar. Gleichzeitig ist der Sektor nach dem starken Lauf hoch bewertet, konzentriert und ethisch umstritten. Als kleine, bewusst gewählte Beimischung kann ein solcher ETF Sinn ergeben, als Kerninvestment ist er ungeeignet.

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