Preferred Income ETFs: Chancen für Privatanleger

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Preferred Income ETFs bündeln Preferred Shares und hybride Wertpapiere in einem börsengehandelten Fonds, bieten fixierte Kupons, ähneln Dividenden und ermöglichen liquide, regelmäßige Erträge ohne Einzelaktienauswahl.

Preferred Income ETFs: Chancen für Privatanleger

Was steckt hinter Preferred Income ETFs?

Preferred Income ETFs bündeln bevorzugte Aktien – sogenannte Preferred Shares – und hybride Wertpapiere in einem börsengehandelten Fonds. Diese Wertpapiere zahlen meist einen fixen Kupon, verhalten sich aber eher wie Dividenden als wie Zinsen. Für dich bedeutet das: ein liquides Produkt, das regelmäßige Erträge verspricht, ohne dass du jede einzelne Preferred Aktie selbst auswählen musst.

Wie funktionieren sie in der Praxis?

Der ETF kauft ein diversifiziertes Portfolio aus Preferred Securities verschiedener Emittenten. Das Portfolio wird täglich zum Nettoinventarwert (NAV) bewertet. An den Handelstagen wird der ETF‑Kurs durch Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt, wobei er in der Regel eng am NAV liegt. Die Erträge aus den Kupons werden monatlich oder quartalsweise an die Anleger ausgeschüttet.

Ertragsstruktur und Renditepotenzial

Preferred Shares zahlen häufig einen Kupon von 4 % – 6 % des Nennwerts. Das spiegelt sich in den ETFs wider: Der Invesco Preferred ETF (Ticker PGX, ISIN US46137V1012) lag zuletzt bei einer Ausschüttungsrendite von 5,5 %. Der iShares Preferred Stock ETF (Ticker PFF, ISIN US46434V6215) erzielte über die letzten zehn Jahre eine annualisierte Gesamtrendite von 3,25 % (NAV). Im Vergleich zu Investment‑Grade‑Anleihen, die aktuell bei rund 2 % liegen, bieten Preferred Income ETFs also ein attraktives Plus.

Risiken im Überblick

Wie jede Anlage tragen Preferred Income ETFs Risiken. Die wichtigsten sind:

  1. Zinsrisiko: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse der Preferred Shares, weil neue Emissionen höhere Kupons bieten.
  2. Kreditrisiko: Viele Emittenten stammen aus dem Finanzsektor und besitzen Ratings von BBB bis BB. Ein Ausfall kann die Ausschüttung reduzieren.
  3. Liquiditätsrisiko: Preferred Shares sind weniger liquide als Staatsanleihen. In turbulenten Phasen können Spreads breiter werden.
  4. Call‑Risiko: Viele Preferreds können vom Emittenten vorzeitig zurückgezahlt werden, wenn die Zinsen fallen. Das reduziert zukünftige Erträge.

Weitere Informationen zu Risikobewertungen finden Sie in unserem Vergleich von ETF-Strategien.

Kosten und Liquidität

Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei den meisten Produkten zwischen 0,5 % und 0,6 %. Zusätzlich fallen Handelskosten wie Spread und mögliche Kommissionen an. Die Liquidität variiert: Große Fonds wie PFF oder PGX handeln täglich mit durchschnittlichen Tagesvolumina von mehreren zehn Millionen Euro, während kleinere Nischen‑ETFs weniger aktiv sind.

Steuerliche Behandlung für deutsche Anleger

Die Ausschüttungen aus Preferred Income ETFs gelten in Deutschland in der Regel als Dividenden. Das bedeutet, sie unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 % + Solidaritätszuschlag + Kirchensteuer. Für Anleger im Sparer‑Pauschbetrag (1.000 € bzw. 2.000 € bei Zusammenveranlagung) fällt keine Steuer an. Im Gegensatz zu Zinseinkünften, die voll besteuert werden, können Dividenden also günstiger ausfallen.

Wo passen Preferred Income ETFs ins Portfolio?

Wenn du ein einkommensorientiertes Portfolio bauen möchtest, können Preferred Income ETFs eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie bieten:

  1. Regelmäßige, planbare Erträge, die über klassischen Anleihen‑ETFs liegen.
  2. Eine niedrige Korrelation zu reinen Aktien‑ETFs, was die Gesamtvolatilität reduziert.
  3. Eine Brücke zwischen Aktien‑ und Anleihen‑Investments, ideal für Anleger, die von beiden Welten profitieren wollen.

Ein typisches Vorgehen ist, einen Teil deines Portfolios (z. B. 10‑20 %) in einen Preferred Income ETF zu stecken und den Rest zwischen Aktien‑ETFs und klassischen Anleihen‑ETFs zu diversifizieren.

Beispielhafte Produktübersicht

Hier ein kurzer Überblick über zwei der größten Preferred Income ETFs:

  1. iShares Preferred Stock ETF (PFF) – ISIN US46434V6215. TER 0,46 %. 10‑Jahres‑Performance (NAV) 3,25 % p.a. Hauptsächlich US‑Finanzunternehmen.
  2. Invesco Preferred ETF (PGX) – ISIN US46137V1012. TER 0,50 %. Aktuelle Ausschüttungsrendite 5,5 %. Fokus auf US‑Preferreds mit höherem Kupon.

Marktentwicklungen und Ausblick

Seit der Finanzkrise 2008 haben Preferred Income ETFs stark an Bedeutung gewonnen. Das globale Fondsvolumen liegt heute bei über 30 Mrd. USD, wobei die beiden genannten Produkte jeweils über 15 Mrd. USD verwalten. Aktuell treiben die niedrigen Zinsen die Suche nach renditestarken Alternativen an – ein Umfeld, das Preferreds besonders attraktiv macht. Gleichzeitig beobachten Regulierungsbehörden die Bonitätsanforderungen, sodass zukünftige Produktneuheiten stärker auf ESG‑Kriterien achten könnten.

Praktische Tipps für den Einstieg

Bevor du investierst, prüfe folgende Punkte:

  1. Deine Risikotoleranz – Preferreds sind zinssensibel und können bei stark steigenden Zinsen an Wert verlieren.
  2. Die Zusammensetzung des ETFs – ein hoher Anteil an Finanzwerten erhöht das Klumpenrisiko.
  3. Die Kosten – ein niedriger TER wirkt sich langfristig deutlich auf die Rendite aus.
  4. Steuerliche Aspekte – kläre, ob du den Freistellungsauftrag bereits ausgeschöpft hast.

Ein einfacher Start kann sein, über dein Depot einen Sparplan für einen Preferred Income ETF einzurichten. So profitierst du vom Cost‑Averaging‑Effekt und baust schrittweise ein einkommensorientiertes Fundament auf.

Währungsrisiko bei internationalen Preferred Income ETFs

Viele Preferred Income ETFs investieren in US‑Preferreds, doch es gibt auch Produkte mit europäischen oder asiatischen Emissionen. Wenn die zugrunde liegenden Wertpapiere in einer Fremdwährung notiert sind, überträgst du das Risiko von Wechselkursschwankungen auf deine Rendite. Ein Anstieg des Euro gegenüber dem US‑Dollar reduziert die in Euro ausgewiesenen Ausschüttungen, während ein Dollar‑Stark das Gegenteil bewirkt.

Zur Risikobegrenzung kannst du auf ETFs setzen, die ihre Währungspositionen hedgen, oder einen kleinen Teil deines Portfolios in einen reinen Währungs‑ETF investieren. Beachte jedoch, dass Hedging‑Kosten die Gesamtrendite mindern können. Weitere Überlegungen zur Portfolio‑Gestaltung können dabei helfen, das Währungsrisiko zu steuern.

Call‑Risiko: Vorzeitige Rückzahlung von Preferreds

Viele Preferred Shares besitzen ein Call‑Feature: Der Emittent kann die Anleihe vor dem geplanten Fälligkeitsdatum zurückkaufen, meist wenn die Zinsen fallen. Für dich bedeutet das, dass die erwarteten Kuponzahlungen plötzlich enden können.

Der ETF‑Manager passt das Portfolio dann an, indem er das zurückgezahlte Wertpapier ersetzt – oft durch ein neues Preferred mit niedrigerem Kupon. Das führt zu einer kurzfristigen Ertragslücke und kann die Ausschüttungsquote drücken.

Um das Call‑Risiko zu mindern, prüfen Anleger die durchschnittliche Restlaufzeit des Fonds und bevorzugen ETFs, die einen höheren Anteil an nicht‑callbaren Preferreds halten. Ein kurzer Blick ins Fact‑Sheet verrät, wie viel Prozent des Portfolios call‑frei sind.

Korrelation und Portfolio‑Stabilität

Preferred Income ETFs zeigen meist eine niedrige Korrelation zu reinen Aktien‑ETFs und zu klassischen Anleihen‑ETFs. In Zeiten hoher Marktvolatilität können sie als Puffer wirken, weil ihre Erträge primär aus festen Kupons stammen, nicht aus Kursgewinnen.

Studien belegen, dass ein 10‑%iger Anteil an Preferred‑ETFs in einem diversifizierten Portfolio die Gesamtschwankung um etwa 0,8 % reduzieren kann, ohne die erwartete Rendite signifikant zu schmälern. Das macht sie zu einem interessanten Baustein für Anleger, die stabile Cash‑Flows wünschen, aber trotzdem nicht komplett auf Aktien‑Chancen verzichten wollen.

Fazit

Preferred Income ETFs kombinieren stabile Dividendenzahlungen mit einer höheren Ertragsstruktur als klassische Aktienfonds, was sie zu attraktiven Optionen für risikoaversere Privatanleger macht. Sie bieten ein ausgewogenes Renditepotenzial, erfordern jedoch ein genaues Verständnis der zugrundeliegenden Ertragsquellen und Risiken sowie der Kostenstruktur. Wer die Liquidität und die potenzielle Verzinsung nutzt, sollte die individuellen Anlageziele und die Risikobereitschaft sorgfältig abwägen.

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