MDAX KI-Software: Wachstum jenseits bekannter Namen
Deutsche Software und KI sind mehr als SAP. Wie du mittelgroße und technologieorientierte Werte im MDAX und TecDAX per breitem Index-ETF abbildest, welche Produkte handelbar sind und warum der MDAX zuletzt schwächer lief als der DAX.
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung, sondern dient der allgemeinen Information.
Warum deutsche Software und KI mehr sind als SAP
Wenn von deutscher Software an der Börse die Rede ist, denken die meisten zuerst an SAP. Der Konzern ist inzwischen das schwerste Unternehmen im DAX und dominiert die Wahrnehmung. Doch unterhalb der ganz großen Namen gibt es eine Reihe mittelgroßer und technologielastiger Unternehmen, die in Bereichen wie Industriesoftware, Automatisierung, Halbleiter und digitalen Diensten aktiv sind. Sie finden sich vor allem im MDAX (die 50 mittelgroßen Werte unterhalb des DAX) und im TecDAX (die 30 größten Technologiewerte des Prime Standard).
Für Privatanlegerinnen und Privatanleger stellt sich die Frage: Wie lässt sich dieser Teil des Marktes abbilden, ohne einzelne Aktien herauspicken zu müssen? Die ehrliche Antwort lautet: über breite Index-ETFs auf MDAX und TecDAX. Einzelne Titel zu treffen ist schwer, und dieser Artikel spricht bewusst keine Kaufempfehlung für einzelne Aktien aus.
MDAX und TecDAX per ETF abbilden
Wer nicht auf einzelne Unternehmen setzen will, kann den gesamten Index kaufen. Für den deutschen Markt sind unter anderem diese UCITS-ETFs handelbar (Stand: Juli 2026, Werte laut justETF und Emittenten-Angaben):
- iShares MDAX UCITS ETF (DE), ISIN DE0005933923. Physisch replizierend (volle Replikation), thesaurierend, laufende Kosten (TER) 0,51 % pro Jahr, Fondsvolumen rund 1,5 Mrd. Euro. Er bildet die 50 MDAX-Werte ab und ist der volumenstärkste ETF auf diesen Index.
- Xtrackers MDAX ESG Screened UCITS ETF, ISIN IE00B9MRJJ36. Ausschüttend, TER 0,40 % pro Jahr. Er bildet eine nach ESG-Kriterien gefilterte Variante des MDAX ab, weicht also in der Zusammensetzung leicht vom klassischen Index ab.
- iShares TecDAX UCITS ETF (DE), ISIN DE0005933972. Physisch replizierend, thesaurierend, TER 0,51 % pro Jahr. Er umfasst die 30 größten Technologiewerte des TecDAX. Eine ausführliche Einordnung findest du in unserem Überblick zum TecDAX ETF.
Diese Produkte kannst du bei den meisten Brokern besparen oder als Einmalanlage kaufen, etwa bei Trade Republic oder Scalable Capital. Ein monatlicher Sparplan glättet Einstiegszeitpunkte und ist gerade bei schwankungsanfälligen Nebenwerte-Indizes sinnvoll.
Ehrlich bleiben: Der MDAX lief zuletzt schwächer als der DAX
Ein oft übersehener Punkt: Mittelgroße deutsche Werte hatten in den vergangenen Jahren keinen leichten Stand. 2024 gab der MDAX rund 4 % nach, während der DAX kräftig zulegte. Auch 2025 blieb der MDAX über das Gesamtjahr hinter dem DAX zurück. Mehrere Gründe spielen zusammen:
- Höhere Deutschland-Abhängigkeit: MDAX-Firmen erzielen einen größeren Umsatzanteil im Inland als die international breit aufgestellten DAX-Schwergewichte und leiden damit stärker unter einer schwachen deutschen Konjunktur.
- Aufstieg der Stars in den DAX: Frühere MDAX-Zugpferde wie Rheinmetall, SAP oder Commerzbank sind in den DAX aufgestiegen. Ihre Kursgewinne fehlen dem MDAX seitdem.
- Indexstruktur: Seit der DAX-Reform entscheidet allein die Marktkapitalisierung über die Zugehörigkeit, was tendenziell dazu führt, dass der MDAX relativ an Gewicht verliert.
Wer in MDAX- oder TecDAX-ETFs investiert, sollte sich dieser Schwächephase bewusst sein. Ob und wann Nebenwerte wieder aufholen, lässt sich nicht seriös vorhersagen.
Klumpenrisiko und Zyklik nicht unterschätzen
Beide Indizes sind vergleichsweise konzentriert. Der TecDAX umfasst nur 30 Werte, und einzelne große Positionen können den Index stark bewegen. Der MDAX ist mit 50 Titeln breiter, aber immer noch deutlich fokussierter als ein weltweiter Aktienindex. Hinzu kommt: Technologie- und Industriewerte sind oft konjunktursensibel und schwanken stärker als ein global gestreutes Portfolio.
Konkret heißt das: Ein MDAX- oder TecDAX-ETF eignet sich eher als gezielte Beimischung, nicht als alleiniges Basisinvestment. Als Kern eines Depots dient in der Regel ein breit gestreuter Welt-ETF, um Länder-, Branchen- und Einzelwertrisiken zu reduzieren.
Steuer und Kosten im Blick
Für in Deutschland handelbare Aktien-ETFs gilt die Teilfreistellung von 30 % auf Erträge, sofern der Fonds dauerhaft mehr als 51 % in Aktien investiert ist, was auf reine MDAX- und TecDAX-ETFs zutrifft. Auf steuerpflichtige Kapitalerträge fallen 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an, zusammen 26,375 % (zzgl. Kirchensteuer, falls zutreffend). Der Sparerpauschbetrag liegt 2026 bei 1.000 Euro für Einzelpersonen und 2.000 Euro bei Zusammenveranlagung. Achte außerdem auf die laufenden Kosten (TER): 0,40 bis 0,51 % pro Jahr sind für Nischenindizes üblich, aber höher als bei großen Welt-ETFs.
Fazit
Deutsche Software und Technologie sind mehr als SAP. Über den MDAX und den TecDAX lassen sich mittelgroße und technologieorientierte Unternehmen jenseits der bekanntesten Namen abbilden, und zwar bequem per breitem Index-ETF statt über riskantes Stock-Picking. Wichtig ist die realistische Einordnung: Der MDAX lief zuletzt schwächer als der DAX, beide Indizes sind konzentriert und zyklisch. Als gezielte Beimischung zu einem breit gestreuten Depot können sie eine Rolle spielen, als alleiniges Investment sind sie zu einseitig.
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