Der große Wasserstoff-Check: Vom H2-Hype profitieren
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Wasserstoff verspricht als Energieträger der Zukunft große Chancen, birgt aber auch Risiken für Anleger. Der Artikel beleuchtet, wie Privatinvestoren vielversprechende H2-Unternehmen identifizieren und vom Boom profitieren können, ohne sich zu verbrennen.
Der große Wasserstoff-Check: Vom H2-Hype profitieren, ohne sich zu verbrennen
Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.
Grüner Wasserstoff gilt seit Jahren als Hoffnungsträger der Energiewende. Doch zwischen der Zukunftsvision und dem, was an der Börse passiert, klafft eine riesige Lücke. Wer 2021 auf den Hype aufgesprungen ist, sitzt heute in vielen Fällen auf tiefroten Zahlen. Dieser Check zeigt dir nüchtern, welche handelbaren Wasserstoff-ETFs es wirklich gibt, wie sie sich entwickelt haben und warum das Ganze bis heute eine Wette auf eine ferne Zukunft bleibt.
Die harte Wahrheit vorweg: Der H2-Sektor ist ein Trümmerfeld
Bevor wir über Chancen reden, muss die ehrliche Bilanz auf den Tisch. Die reinen Wasserstoff-Aktien haben Anleger seit dem Hoch 2020/2021 massiv Geld gekostet. Viele Titel notieren 70 bis über 90 Prozent unter ihren damaligen Höchstständen:
- Plug Power: markierte im Mai 2025 ein Allzeittief von rund 0,69 US-Dollar, nachdem die Aktie 2021 noch bei über 60 US-Dollar stand. Anhaltende Verluste und teure Finanzierungen belasten.
- Nel ASA: schreibt weiter Verluste, der Auftragseingang brach zuletzt um rund 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Von der einstigen Euphorie ist wenig übrig.
- ITM Power, Ballard, Ceres: dieselbe Geschichte aus verzögerten Projekten, gestrichenen Elektrolyseur-Vorhaben und dauerhafter Verlustzone.
Reihenweise wurden angekündigte grüne Wasserstoff-Großprojekte verschoben oder ganz gecancelt, weil grüner Wasserstoff schlicht zu teuer ist und die Nachfrage der Industrie langsamer kommt als erhofft. Wer hier investiert, wettet auf eine ferne Zukunft, nicht auf laufende Gewinne. Warum der große Durchbruch weiter auf sich warten lässt, haben wir ausführlich in Die Wasserstoff-Wette: Warum der Boom noch aussteht beleuchtet.
Warum ETFs im H2-Sektor die vernünftigere Wahl sind
Genau weil einzelne H2-Aktien so brutal schwanken und die meisten Firmen kein Geld verdienen, ist ein breit gestreuter ETF für die allermeisten Privatanleger die vernünftigere Variante. Statt alles auf einen einzigen Elektrolyseur-Hersteller zu setzen, verteilst du das Risiko über die gesamte Wertschöpfungskette: Elektrolyse, Brennstoffzelle, Speicher, Transport und die großen Industriegase-Konzerne. Einen breiteren Überblick über die verfügbaren Fonds findest du in unserem Vergleich der Wasserstoff-ETFs.
Wichtig ist aber: Auch ein ETF macht aus einem Verlustsektor keinen Gewinnbringer. Er glättet nur die Einzelrisiken. Das Klumpenrisiko der ganzen Branche bleibt.
Die handelbaren Wasserstoff-ETFs 2026 im Check
Für deutsche Privatanleger sind vier UCITS-ETFs sinnvoll handelbar. Alle sind physisch replizierend (sie kaufen die Aktien wirklich) und in USD geführt. Alle Angaben Stand Mai bis Juli 2026, Quellen justETF und die jeweiligen Emittenten.
| ETF | ISIN | TER p.a. | Fondsvolumen | Index |
|---|---|---|---|---|
| L&G Hydrogen Economy UCITS ETF | IE00BMYDM794 | 0,49 % | ca. 435 Mio. EUR | Solactive Hydrogen Economy |
| VanEck Hydrogen Economy UCITS ETF | IE00BMDH1538 | 0,55 % | ca. 111 Mio. EUR | MVIS Global Hydrogen Economy ESG |
| Global X Hydrogen UCITS ETF | IE0002RPS3K2 | 0,50 % | ca. 43 Mio. EUR | Solactive Global Hydrogen |
| Invesco Hydrogen Economy UCITS ETF | IE00053WDH64 | 0,60 % | ca. 8 Mio. EUR | WilderHill Hydrogen Economy |
Der L&G Hydrogen Economy ist mit Abstand der größte und liquideste Fonds und damit für die meisten Sparpläne die naheliegende Wahl. Der VanEck setzt einen ESG-Filter davor. Global X und vor allem der Invesco sind mit 43 beziehungsweise nur rund 8 Millionen Euro sehr klein. Bei so geringem Volumen droht das Risiko einer Fondsschließung, das solltest du im Hinterkopf behalten.
Ein Hinweis zur Ehrlichkeit: Einen reinen Wasserstoff-UCITS-ETF von HANetf gibt es aktuell nicht mehr sinnvoll handelbar. Wer dir einen solchen als Standardprodukt verkaufen will, liegt daneben. Für die H2-Wette bleiben die vier oben genannten Fonds.
Die Performance-Realität: Achterbahn statt Rakete
Wie schlecht es lief, zeigt der L&G Hydrogen Economy als größter Fonds exemplarisch: Nach dem Start Anfang 2021 folgte 2022 ein Absturz von rund 37 Prozent, danach zwei weitere schwache Jahre. Erst 2025 gab es mit rund plus 40 Prozent eine deutliche Erholung, allerdings von einem tief gefallenen Niveau aus. Wer beim Hype 2021 eingestiegen ist, liegt trotz dieser Erholung immer noch klar im Minus.
Die Lehre daraus: H2-ETFs sind hochvolatile Themenwetten, keine Basisbausteine fürs Depot. Sie gehören, wenn überhaupt, in einen kleinen, entbehrlichen Satelliten-Anteil neben einem breiten Welt-ETF.
Worauf du bei H2-ETFs achten solltest
- Index verstehen: Reine Pure-Play-Indizes (viele kleine H2-Spezialisten) schwanken stärker als breitere Ansätze mit Industriegase-Riesen wie Linde oder Air Liquide.
- Fondsvolumen prüfen: Unter etwa 50 Millionen Euro steigt das Risiko einer Schließung. Größere Fonds sind stabiler und günstiger im Handel.
- Kosten im Blick: 0,49 bis 0,60 Prozent TER sind für ein Nischenthema akzeptabel, aber deutlich teurer als ein Welt-ETF mit oft unter 0,20 Prozent.
- Abhängigkeit von Förderung: Der ganze Sektor hängt an Subventionen und Regulierung. Fällt politische Unterstützung weg, trifft es die Kurse hart.
- Positionsgröße begrenzen: Setze nur Geld ein, dessen Totalverlust du verschmerzen könntest.
So kaufst du einen Wasserstoff-ETF
Handel und Sparplan auf die genannten UCITS-ETFs laufen unkompliziert über einen Neobroker. Bei Trade Republic und Scalable Capital lassen sich der L&G und der VanEck in der Regel besparen, oft schon ab kleinen Sparraten. Achte auf ausreichende Handelsvolumina und enge Spreads, gerade bei den kleineren Fonds. Ein Depot ist schnell eröffnet, die eigentliche Frage bleibt aber, ob dieses Thema überhaupt in dein Depot gehört.
Fazit: Spannendes Thema, brutale Bilanz
Wasserstoff ist technologisch eine Schlüsseltechnologie der Energiewende, keine Frage. Als Investment war der Sektor bislang aber vor allem eines: ein Kapitalvernichter. Die Firmen schreiben Verluste, Projekte werden verschoben, und die Kurse liegen weit unter den Hochs von 2021. Ein breit gestreuter UCITS-ETF wie der L&G Hydrogen Economy senkt das Einzelrisiko, ändert aber nichts daran, dass du auf eine ferne, unsichere Zukunft wettest. Wenn überhaupt, dann klein dosiert als Beimischung, mit langem Atem und der ehrlichen Erwartung, dass es weiter holprig bleibt. Wer es lieber ganz nüchtern mag, bleibt beim breiten Welt-ETF.
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